Mr. Winterschein im Freudentaumel der Fussballer

Vorweg: Ich hätte nie gedacht, dass gerade ich, als Fussballuninteressierter, jemals über den liebsten Sport des deutschen Bundesbürgers schreiben würde, aber nun ist es schon soweit mit mir gekommen. Mein Ende ist vermutlich nah.

Gestern Abend gehe ich mit meinen Kommilitonen in unsere Stammkneipe, um einen gemütlichen Abend zu verbringen. Wir haben uns bereits extra früh, 18:00Uhr, getroffen, damit wir noch bei dieser fussball-begeisterten Menschenmasse Plätze bekommen.
Wir also zeitig in der Kneipe und bis zum Anpfiff konnten wir uns gut unterhalten und hatten auch unseren Spaß, dann begann das Spiel.
Die Meute, die sich bis zu diesem Zeitpunkt in der Kneipe angesammelt hatte und einem die Luft zum Atmen raubte, wurde schlagartig still und glotzte wie gebannt auf die Leinwand, die das Spiel präsentierte. Gerade eben haben sie noch rumgegrüllt, lautstark unterhalten und ein Bier nach dem anderen bestellt. Doch nun, wo sie diesen saftig grünen Rasen mit diesen kleinen gelben und roten Punkte, die sich von der einen zur anderen Spielfeldseite bewegten, sahen, wurde sie still, gerade zu andächtig.
Ich mache es einfach allen gleich und drehe mich in Blickrichtung. Kollektives betrachten hat begonnen. An aufstehen und auf Klo gehen war nicht zu denken, denn sogar die Kellner wurden blöd angemacht, was ihnen denn einfielen einfach durch das Bild zu laufen?
So… Was sieht man dort? 25 Leute (22 Spieler, 1 Feldschiedsrichter und 2 Linienrichter) die dem Ball, wie darauf dressiert, hinterherlaufen. Nun gut, irgendetwas müssen die Jungs ja auch für ihr Geld machen, dass man allerdings Millionen dafür bekommt, einem Ball hinterher zu rennen und versucht ihn in das eckige Ding zu bekommen, bleibt mir ein Rätsel. Ein Lehrer sollte dann, meiner Ansicht nach, auch eine Million und mehr bekommen, denn der versucht auch etwas in etwas anderes bekommen, nämlich Wissen in die Köpfe von rund 25 Schülern. Unter genauerer Betrachtung sollte ein Lehrer dann mindestens 25mal mehr bekommen, als so ein Fußballspieler. Aber lasse ich besser mal diese Diskussion und konzentriere ich mich wieder mehr auf das Spiel.

So erste Halbzeit: Die spielen da ein wenig mit dem Ball rum, hin und her und so wirklich passiert da nichts. Hier und da nippe ich an meinem Getränk, was mich zumindest mehr unterhält, wie dieses Spiel, denn in meinem Getränk sind ein paar Blubberblasen und die steigen so lustig auf, wenn man gegen das Glas schlägt.

Pause: Gefüllt rennt nun die gesamte Belegschaft der Kneipe gerade auf Klo, zumindest die die noch rennen können, der Rest torkelt mehr schlecht als recht dorthin, um das, was sie in diesen Zustand gebracht hat, wieder loszuwerden.

Zweite Halbzeit: das Spiel geht genauso unterhaltsam weiter wie zuvor. Lediglich die Stimmung in der Kneipe wird um einiges frostiger. Hier da Fällen bereits die ersten Beleidigungen gegen die Spieler. Ob der Beleidigende weiß, dass der Spieler ihn nicht hört? Dann, ich nippe gerade genüsslich an meinem Getränk und folge dem Spielverlauf nicht, da passiert es auf einmal! Alle um mich herum beginnen zu brüllen und jubeln. Ich Blicke verwundert hoch und Herr Knuddel, der mir gegenüber sitzt und genauso interessiert von Fussball ist, wie ich, schaut sich belustigt um und dann mich an. Ich schaue zur Leinwand und kann den Abgrund der Euphorie ausmachen. Die Gelben haben ein Tor geschossen und es sah sogar cool aus, also so mit der Hacke und so. Nicht schlecht, hätte ich selbst nicht besser machen können.
Später verhaut einer der Roten noch einen Elfmeter, vertun noch einige Chancen und am Enden, nachdem der Schiere auch mal das Uhrlesen gelernt hat, haben die Gelben verdient, oder auch nicht, gewonnen.

Nach dem Spiel: Man sieht hier und da einige enttäuschte Gesichter, vermutlich Anhänger der Roten, aber überwiegend scheinen sich die Leute zu freuen, entweder darüber, dass die Gelben gewonnen haben oder darüber, dass die Roten verloren haben. Ein betrunkener Anhänger der Roten will sich dann auch noch mit der Kellnerin prügeln. Leider haben ich diesen Kampf der Titanen nicht mehr mit erlebt, aber ich gehe jede Wette ein, dass die Kellnerin gewonnen hat!

Was habe ich gelernt? Während des Spiels gilt „Fresse halten“, außer du haust ein paar Beleidigungen raus. Bedienen ist nicht, denn besser man verdurstet, als das man etwas von Spiel verpasst und aufstehen und pinkeln ist nicht, denn sonst wird man von mindestens drei Fußballfans angepöbelt und im schlimmsten Fall sogar mit Fritten beworfen.

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5 Antworten zu Mr. Winterschein im Freudentaumel der Fussballer

  1. Herr Luft schreibt:

    Wunderbar getroffen, war auch an dem Abend mit meinen fußballbegeisterten Freunden unterwegs. Leider zu spät , sodass wir das ganze Spiel über draußen stehend das Spiel betrachtet haben. Scheint aber die wenigstens gestört zu haben und die Mücken hat es gefreut. Gelungener Blog , mach weiter so !

  2. Joop schreibt:

    Das Tor hab ich auch mehr oder weniger in meiner Studibude mitbekommen, denn mein
    fußballbegeisteter Wohnnachbar hat einen Freudesjubelschrei? (weiß nicht wie ich das Geräusch sonst beschreiben soll) außgestoßen, den man bestimmt durchs ganze Wohnhaus hören konnte. Ich seh schon die EM kommen – da hilft nur noch mitmachen ;-).
    Ich schließe mich der Meinung von Herrn Luft an und finde die Idee mit dem Blog auch gelungen.

  3. freudefinder schreibt:

    ich hab erstaunlicherweise in der Fußballbibel von Jürgen Klopp sehr viel Begeisterndes entdeckt

  4. Mr. Winterschein schreibt:

    Meine Sie das nun im Sinne der Religion oder gegenüber dem Sport Fussball?

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