Der Tisch ist bloß eine Erscheinung

Seit dem heutigen Tage darf ich mich wieder in der Universität heimisch fühlen.
Wie sehr ich es doch vermisst habe in stickigen, überfüllten Räumen zu hocken, wo die Luft durch den Stoffwechselbetrieb meiner Kommilitonen sicher nicht mit Sauerstoff angereichert wird.
Ich sitze in einer Veranstaltung mit dem Titel „Einfürhung in die praktische Philosphie“.
Ich würde an dieser Stelle gerne wissen, wozu das ganze praktisch ist? Ich habe noch nicht feststellen können, dass ich damit ein IKEA-Regel bauen könnt oder das sich mein Gemüse nun besser schneiden lässt.
Also praktische Anwendung konnte ich bisher nicht feststellen, wobei ich nun sagen kann, dass das, was jeder als Tisch bezeichnet, in Wahrheit nur so erscheint, als wenn es ein Tisch wäre und es in Wirklichkeit vllt ein Stuh ist. Aber leider können wir das nicht genau erfassen, denn wir können die Dinge nicht genau erfassen und projezieren nur unsere Vorstellung auf die Dinge, die wir sehen und so erhalten wir die Erscheinung zurück.
Sprich: Ich sehe das Ding, was ich für einen Tisch halte und projeziere meine Vorstellung von einem Tisch darauf und bekomme dann dieses als Erscheinung zurück. Also erscheint mir ein Tisch wie ein Tisch. Da habe ich aber Glück gehabt, dass das nicht so aussieht, wie ein Stuhl.
Aber wenn das so ist mit dem projezieren und erscheinen, dann kann man sich die Welt machen wie man möchte. Auf das, was jeder als Tisch kennt, projeziere ich die Vorstellung von einem gigantischen Hamburg, man muss der gut schmecken, das projeziere ich übrigens auch darauf, dann muss mir das ja auch so erscheinen.
Doch ich muss gestehen, dass mir das Ding da vor mir nach wie vor wie ein Tisch aussieht und ich die Vorstellung einen Tisch zu essen nicht so anregent finde.
Ich glaube, dass ich die Welt, so wie ich sie kenne, beibehalte, schließlich ist sie ja nicht aus dem Baukasten und man ist auch nicht bei „Wünsch dir was“.
Aber wenn ich doch mal so einen Wunsch äußern dürfte, würde ich es ganz gut finden, wenn die praktische Philosophie wirklich praktisch wäre, denn sonst finde ich den Titel schlecht gewählt.

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22 Antworten zu Der Tisch ist bloß eine Erscheinung

  1. SirGrinsekatze schreibt:

    Vielleicht ist das vor dir ja doch ein gigantischer Hamburger und du hast bloß den Anschein, dass es ein Tisch wäre.. Bist du dir sicher?

  2. Heymchen schreibt:

    Da fällt mir ein passendes Zitat ein, welches vorgestern auf meinem Teebeutel-Anhänger stand: „Dein Geist ist der Schöpfer dieser Welt“.
    Und: Sei froh, dass Du nicht in der theoretischen Philosophie sitzt 🙂 Dann erscheint die praktische Philosophie tatsächlich praktischer. Es geht um lebenspraktische Dinge – da ist es doch recht grundlegend, drüber nachzudenken, ob nicht vielleicht jemand Deinen Tisch als Hamburger wahrnimmt oder nicht 😉

    • winterschein schreibt:

      Danke Heymchen für die Erkenntnisse deines Teebeutel-Anhängers^^. Und ich hoffe wirklich für jeden, dass er den Tisch nicht als Hamburger wahrnimmt, denn das würde sicherlich zu umfangreichen Magenproblemen führen.

  3. freudefinder schreibt:

    köstlich geschrieben und sooo nachvollziehbar. fühlte mich kurz zurückversetzt mit meinen Wachbleibproblemen in der Überfülle. Habe es als Gedankengymnastik empfunden damals und der Möglichkeit, wirklich frei zu denken, ohne Schranken der Vernunft. Aber ob das der Sinn war…..

    • winterschein schreibt:

      Habe Sie Dank freudefinder. Aber ich denke nicht, dass man „frei“ denken kann. Zumindest nach der Definition des freien Willens nach Kant. Denn durch das Denken, lassen wir stets weitere Ideen in diesen Gedanken einfließen, so dass der Gedanke nicht aus Vernunft entsteht.
      Aber für meine Denkwelt, denke ich völlig frei aus der Summe meiner Erfahrungen heraus, die mich als freies Subjekt prägen.

      • silencio schreibt:

        IMHO: Ist es hier falsch, den „freien“ Willen mit dem „freien“ Denken in Zusammenhang zu setzen. Da unserer Wille entweder deterministisch (auf Grund eines partikularen Interesses/Objektes) oder frei (auf Grund der Vernunft) ist. Die Gedanken sind immer frei. Zumindest hindert mich nichts daran frei zu denken!
        Schließlich ist es mir ohne Schwierigkeiten möglich, an die unvernünftigsten Sachen zu denken 😉 und auch allem anderen, an dem meine Vorstellungskraft nicht scheitert :D.

        • Mr. Winterschein schreibt:

          Ich kann verstehen, was du meinst silencio, aber ich denke nicht, dass der „freie“ Wille und das „freie“ Denken ungekoppelt sind. Willensbildung begründet sich im Denken. Ich denke und daraus resultiert ein Wille. Ist dieser Wille „frei“, dann müssen es die Gedanken auch sein.

      • silencio schreibt:

        Naja, da hast du zwar recht. Aber Kant sagt, dass unser Wille durch ein partikulares Objekt ODER durch die Vernunft geleitet wird.
        Das Denken bezieht sich dann, entweder auf ein partikulares Objekt (z.B.: Ich will was essen …) oder auf die Vernunft (z.B.: Ich soll nicht töten …). Daher hast du recht, dass die Gedanken da mit einfließen und daher sind die Gedanken frei. Das war ja das was ich sagte :), in Bezug zu deiner Aussage:“Aber ich denke nicht, dass man “frei” denken kann.“
        Deiner Aussage: „Ist dieser Wille “frei”, dann müssen es die Gedanken auch sein.“, kann ich dabei auch nicht zustimmen, da die Gedanken nicht nur dann frei sind, wenn wir frei handeln, sondern immer.

        • Mr. Winterschein schreibt:

          Nun denke ich, dass ich dich verstehe. Ich gebe dir recht, aber nehmen wir mal das dritte Reich, waren dort die Kinder frei in ihrem Denken? Sie wurden von Kinderbeine gedrillt und gepräkt, so dass sich kein freies Denken ausprägen konnte. Ich dneke, dass man durch äußerliche Faktoren durchaus dazu gebracht werden kann nicht frei zu denken.

      • silencio schreibt:

        Du beziehst dich hier zwar auf eine spezielle Prägung des Denkens, die meiner Meinung nach, im Allgemeinen immer vorkommt. Den allein das, was du kennst oder was für Werte dir vermittelt werden, spielt in deine Gedanken ein.
        Dabei kann man jedoch nicht behaupten, dass diese das FREIE Denken einschränken oder gar unmöglich machen.
        Nehmen wir an, dass das so wäre. So wäre es ihnen doch garnicht möglich, die Welt in die sie leben, zu hinterfragen. Und hierfür ist gerade die Aufklärung ein gutes Beispiel!

  4. miriamsamara schreibt:

    Ach, das kommt mir sehr bekannt vor. Du studierst nicht zufällig in Berlin?

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Nein, nicht ansatzweise, ich muss dich enttäuschen. Aber ich denke, dass das an alle Unis gelehrt wird, die Philosophie anbieten. Also musstest du dich auch durch diesen Spaß durcharbeiten.

      • miriamsamara schreibt:

        Du enttäuscht mich nicht, keine Sorge. Die Philosophie ist doch wahrscheinlich sehr viel voraussagbarer als ihr lieb ist. Auch hier gibt es Kochrezepte, Strickmusteranleitungen…
        Ja, bin jetzt im 2. Sem und mag Phil teilweise sehr, das nenne ich dann den beseelten Teil, den anderen aber der macht meinen Geist nur müde. Aber ich bleibe [erst einmal] dabei.

        • Mr. Winterschein schreibt:

          In den wenigen Philosophie-Vorlesungen, die ich genießen durfte, habe ich mich immer gefragt, ob die sich eigentlich selber ernst nehmen, aber sie sind ja schon drollig diese Philosophen. Ich finde die ganze Sache sehr interessant, aber manchmal überspannen die Professoren doch den Bogen und dann wird mir das ganze etwas zu abgedreht.
          Wenn man etwas gefunden hat, dass einem Spaß bereitet, dann sollte man auch dabei bleiben. Meiner Ansicht nach ist es sehr wichtig, dass man Spaß an den Dingen hat, die man macht und da zählt natürlich auch das Studium und somit auch ein Stückweit der Beruf dazu.
          Bist du dir noch unschlüssig mit deinem Studiengang?

      • miriamsamara schreibt:

        juten morgen,
        wir haben zwar auch drollige philosophiedozenten, aber die meisten sind doch eher sehr scharfsichtig. keine schwafler, wie viele vielleicht meinen. nein, ich weiß, dass ich viel von ihnen lernen kann.

        ich bin nicht unschlüssig-oder doch?- nur würde ich gerne noch mehr ins sprachwissenschaftliche gehen. aber ich sehe, dass die philosopie so viele möglichkeiten der eigenen schwerpunktsetzung in sich trägt, dass es schon schwer genug ist, sich dort zu entscheiden. es ist immer diese frage nach: welche abzweigung gehe ich jetzt? aber die läuft bei mir eher im hintergrund, denn ich lasse mich gern treiben und schaue dann, wo es mich hinführt. meistens. jedenfalls.
        was die naturwissenschaften angeht. ich wäre gerne mehr in diese richtung veranlagt, bin es aber nicht [schön für dich, dass du es bist!]. 🙂

        • Mr. Winterschein schreibt:

          Diese Veranlagung hat Vor- und Nachteile, dafür kann ich mit Philosophie nicht sonderlich viel anfangen, wobei ich gerne mal lesen, was so die großen Philosophen von sich gegeben haben. Aber schön, dass deine Dozenten gut sind. Der Herr, den ich habe, ist eine Niete. Er bringt immer wieder Beispiele die keine sind, was dazu führt, dass ihn keiner ernst nimmt.

  5. Sherry schreibt:

    Dieser Relativismus hat mich immer genervt. Wie begründet dein Dozent denn, dass die meisten von euch einen Stuhl als Stuhl sehen und nicht der eine als Tisch, als Tomate, als Klo oder als Hamburger? Es muss also diesen einen gemeinsamen Nenner geben, der von 1000 Studierende mindestens 990 sagen lassen würde, dass es sich beim Stuhl um einen Stuhl handle.

    Ich bin keine Philosophiestudentin, also kann’s sein, dass ich überhaupt keine Ahnung habe. Ich bin aber dafür Psychologin und kenne die Wahrnehmungsmechanismen der Menschen. Und das, was man dort – tatsächlich praktisch/empirisch/neurologisch – weiß ist, dass es eine physikalische Realität geben muss, die von unseren Sinnen zwar sehr spezifisch {und durchaus auch verzerrt} aufgenommen und verarbeitet wird, aber die Dinge doch trotz Variationsmöglichkeiten ähnlich verarbeitet werden. Es gibt Unterschiede in der Wahrnehmung, aber sie sind bei gesunden Menschen nicht so groß, dass aus einem Stuhl ein Hamburger werden könnte.

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Mein Dozent in diesem Fach ist eine Nulpe. Der Mann hat den Schuss nicht gehört, daher ist es so egal, was er sagt. Aber ich weiß was du meinst. Ich finde es auch nervig darüber zu reden. Aber man kann damit viel Quatsch machen.
      Ich finde deine Kommentar im Übrigen recht gut, denn ich stimme ihm zu^^. Psychologie ist aber auch recht interessant oder? Ich hatte selber mla überlegt es zu studieren.

      • Sherry schreibt:

        Dieses Rumspinnen macht an der Philosophie auch Spaß, das gebe ich zu. Was mich nur daran stört ist, dass alles auf rein geistiger Ebene abläuft, zumindest habe ich das Gefühl, dass es so ist. Wie weit kommt man damit, um echte Erkenntnisse zu gewinnen? Das weißt du sicherlich besser als ich. Wen ich immer sehr interessant fand war Descartés. Seine Gedankengänge schienen mir einfach wundervoll klar, wenn auch etwas beängstigend.

        Psychologie ist sehr interessant, ja. Es ist naturwissenschaftlich und geisteswissenschaftlich in einen, wobei zweiterer Aspekt immer mehr in die Knie gezwungen wird, weil der Empirie und dem Experiment inzwischen mehr Wert beigemessen wird. Trotzdem ist die Mutter der Psychologie die Philosophie – und wenn du mich fragst, ist sie die Mutter vieler Wissenschaften oder der Wissenschaft generell. Deshalb zieht es mich immer wieder zu ihr zurück, und ich verliere mich in verworrenen, aber spaßmachenden Gedanken.

        Warum hast du dich damals gegen Psychologie und für Philisophie entschieden? Wenn ich genug Zeit hätte, würde ich Philosophie nochmal studieren, aber eben auch Medizin und etwas „Wirtschaftliches“. Es ist furchtbar, mit viel zu vielen Interessen zu leben.

        • Mr. Winterschein schreibt:

          Das klingt tatsächlich interessant. Descartes habe ich noch nicht gelesen, auch wenn ich gerade meine, dass ich mal einen Text von ihm gelesen haben, aber da bin ich mir nicht sicher. Die Philosophie soll die Grundlage der Wissenschaften sein? Könnte man so sehen, wenn man davon ausgeht, dass die Philsophie des Leben versucht zu erklären und das machen die Wissenschaften auch.
          Ich studiere nicht Philosophie! Ich würde einen Teufel tun^^. Das ist nur leider Teil meines Studiums, dass ich so ein paar zusätzliche Fächer nehme, die nichts mit meinen anderen Fächer zu tun haben und da habe ich das leichteste genommen. Ich bin Naturwissenschaftlicher. Mathe, Informatik, Chemie und noch etwas gesellschaftliches Politik-Wirtschaft studiere ich. Also daher habe ich nicht so sonderlich viel mit Philosophie zu tun. Und ja, viele Interesse sind manchmal ganz schön blöd.

  6. Sherry schreibt:

    Ja, ich bin vollkommen davon überzeugt. Die Forschung fängt auch immer mit einer Frage an. Hinter der Wissenschaft steht sogar die Wissenschaftsphilosophie. Eine logische Abhandlung darüber, wie wir die Logik, Deduktion und Falsifizierbarkeit zu nutzen haben, damit wir zu so akkuraten Ergebnissen wie möglich kommen. Daten werden nun einmal immer noch von Menschen ausgewertet und unterliegen vielen Urteilsverzerrungen.

    Okay, ich dachte, du seist Philosophiestudent, da lag ich wohl falsch. Deshalb auch dein kritisches Beäugen. Du hast dir mit Philosophie leider nur nicht das leichteste Fach ausgesucht, sondern ein sehr abstraktes Fach – im Grunde ist Philosophie die verbale Seite der Mathematik und ist deshalb so furchtbar umständlich. Auch die Mathematik muss ja ständig mit Axiomen arbeiten, nichts anderes tut die Philosophie, wenn sie erst einmal ein Konstrukt, eine Prämisse {eine Unbewiesene} aufstellt und daraus den Rest der Eventualitäten ableitet.

    Danke für die Unterhaltung. =)

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Nun ja, da ich Mathe studieren, sollte mir die abstrakte Seite der Philosophie keine größeren Schwierigkeiten bereiten. Da ich mich lediglich mit Kant auseiandersetzen muss und seinem Schreiben über die Kritik der praktischen Vernunft, sehe ich es nicht als zu schwierig an. Daher bin ich frohen Mutes, dass das was wird.
      Ich unterhalte mich gerne, daher immer wieder gerne.

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