Ganz tief in mir

Was sieht man von Außen? Haut und Haare. Meine Gesten und meine Sprache, die mir gegenüber anderen einen Charakter geben. Einen Charakter, der in mir gereift ist. Doch was steckt hinter diesem Charakter? Ist das, wie man sich nach Außen gibt, nicht sehr oft ein großes Theaterspiel? Man macht tagtäglich seine Show auf der Bühne des Lebens und wie man dann alleine für sich ist, was bleibt von dieser Show? Spielt man sich, sich selber vor? Oder sind wir wenigstens in diesen einsamen Moment ehrlich? Zumindest ehrlich zu uns selbst? Bin ich ehrlich zu mir selbst? Warum sollte man es nicht sein? Schließlich ist man alleine. All die wunden Punkte kann man dann offenbar, sich selbst zumindest, denn es bekommt niemand mit. Das stimmt nicht! Man selbst bekommt es mit! Man selbst bekommt mit, womit man Probleme hat. In welcher Hinsicht es einem nicht gut geht. Man legt sich selbst vor sich aus. Die Ängste, die uns treiben, sind da und suchen uns Heim. Aber machen wir das? Setzen wir uns wirklich in einer solchen Tiefe mit uns selbst auseinander?
Wenn ja, dann offenbaren wir uns selbst unsere Schwächen und sehen das, was wir den anderen nicht zeigen wollen. Denn wer gibt schon seine Schwächen preis? Wir sehen unsere eigene Kläglichkeit, doch wollen wir diese sehen? Können wir damit überhaupt umgehen. Es ist nicht leichter sich selbst etwas vorzuspielen und die anderen einfach mit unseren eigenen Unzulänglichkeiten klar kommen zu lassen. Entweder sie sprechen uns drauf an oder sie lassen es, dann kann es aber auch nicht so schlimm sein. Oder es fällt gar nicht erst auf.
Wenn nein, dann könnte sich in unserem Inneren, tief in uns, etwas zusammenbrauen. Es brodelt und köchelt für sich her. Wird vermutlich noch genährt, durch die Umwelt und dann kommt es zu Tage. Es ist wie ein riesiger Vulkanausbruch. Plötzlich und vielleicht ohne jede Vorwahnung kommt es aus uns raus. Es kommt ungeschliffen und übervorteilt uns selbst und die anderen sowieso. Wenn es zu so etwas kommt, dann ist man machtlos und vielleicht schockiert, das einem solche Gedanken entspringen.

Aber was macht man?

Ich weiß nicht, was man macht. Ich kann lediglich für mich sprechen. Ganz tief in mir gibt es einen Haufen meiner Persönlichkeit, der sicherlich nicht sehr angenehm zum Ansehen und Anhören ist, aber er ist Teil meiner Selbst. Nicht nur andere Menschen müssen damit zurecht kommen, auch ich selbst muss es. Daher versuche ich mich stets mit diesem Haufen meiner Selbst auseianderzusetzen, damit meine Umwelt darunter nicht zu sehr leiden muss. Was steckt in diesem Haufen? Es ist ein Getümmel aus Ängsten und Sehnsüchten.
Angst vor der Zukunft und Angst vor den Dinge aus der Vergangheit, die noch nachwirken.
Was für Ängste tummeln sich dort? Die Angst davor alleine zu sein, vergessen zu werden und keine Liebe zu widerfahren sind nur die größeren der unzähligen Ängste. Wie geht man mit solchen Ängsten um? Ich gehe damit offen um.  Ich bin ein Mensch und habe meine Makel und Fehler, welche sicherlich auch aus meinen Ängsten resultieren. Daher ist eine offene Aussprache mit vertrauenswürdigen Personen für mich wichtig und vermutlich auch zum Leben notwendig zumindest für mich.
Die Sehnsüchte lassen mich immer wieder wissen, was mir fehlt. Wonach es mir verlangt. Mich verlangt es danach jemanden zu haben, damit ich nicht alleine bin, mit Leuten in Kontakt zu bleiben, damit ich weiß, dass ich nicht vergessen werde und jemanden zum Kuscheln zu haben. Wie gelingt es diese Sehnsüchte nicht in unkontrollierter Form  an der  Umwelt auszulassen. Auch hierüber rede ich mit Freunden. Mit Freunden, denen man vertrauen kann.
Und was mir noch am meisten hilft, ist das Schreiben. Wo ich den Brocken in meinem Kopf häppchenweise zerteile und es dokumentieren, um es mir selber immer wieder durchlesen zu können, um es besser zu verstehen.

Aber per se halte ich diesen Haufen für wichtig. Denn daran wachse ich. Ich tilge, langsam, aber stetig, meine Ängste und werde dadurch stärker, zumindest fühlt es sich für mich so an. Denn ich erhalten Erfahrung im Umgang mit diesen und kann bei der nächsten Angstphase diese besser bewältigen. Meine Sehnsüchte treiben mich an Dinge zu erreichen, die ich ohne diesen Antrieb niemals für greifbar gehalten hätte.

Die Dinge, die tief in uns schlummern, sind die Dinge, die uns wachsen lassen, seien sie nun gut- oder bösartig. Wir können durch das Auseinandersetzen mit uns selbst so viel lernen, aber dazu muss man den Mut fassen und dieses Fass voller dunkler Materie öffnen und darin wühlen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Ansicht, Gedanke, Gefühl, Mensch, Schreiben veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s