Passend?

Ich sitze in einem Café. Vor mir, auf dem Tisch, ein Tee. Schwarz schimmert er durch das Glas und auf dem Boden sieht man die Kluntje. Ich rühre ein Mal um und sie wirbeln herum. Zerspringen in Tausend einzelne Teile und legen sich nieder.
In meinen Händen ein Buch. Ich lese da drin. Ich bin alleine hier. Warum? Weil es schönes Wetter ist, welches ich mit einem schönen Buch Draußen genießen wollte.
Die Sonne scheint und die Mensche sind glücklich. Sie lachen. Tragen Sonnebrille und kurze Kleidung. Die Frauen in ihren Röcken und FlipFlops. Die Männer mit Shorts und Sandalen. Sie schlendern umher und genießen das Wetter.
Neben mir, einige Tische entfernt. Erblicke ich sie. Strahlender als jeder Sonnentag. Bezauberndern als jedwedes Spektrum des Lichts. Sie sitzr dort – allein. Sie sieht wunderschön aus. Ein liebreizendes Lächeln umspielt ihre Lippen. Ob diese zu meinen passen? Mit einem Buch wie ich, sitzt sie dort. Vielleicht liest sie ähnliche Bücher wie ich. Passt sie zu mir? An den Menschen vorbei schau ich zu ihr. Sie fällt mir auf in dieser Masse der Menschen.
Ihr wird ein Tee gebracht. Sie lächelt den Kellner an, bedankt sich, ergreift den Löffel und rührt um. Ob das passt?
Sie blickt um sich. Genießt das Wetter. Sie schließt die Augen kurz und lässt die wärmenden Strahlen der Sonne auf ihrer samtigen Haut wirken. Sie öffnet die Augen und liest weiter in ihrem Buch. Meines ist mir gerade nicht so wichtig.
Sie rührt noch einmal ihren Tee um – meiner ist vermutlich schon kalt – und nimmt einen Schluck. Sie nippt nur dran, vermutlich noch sehr heiß. Passt das?
Sie blickt gezielt in meine Richtung. Ich schaue schnell in mein Buch und tue so, als wenn ich lesen würde. Es wäre mir doch etwas unangenehm, wenn sie merken würde, dass ich sie beobachten würde.
Ich blicke vorsichtig wieder hoch. Schaue in ihre Richtung. Und sie ist weg.
Etwas traurig blicke ich wieder in mein Buch. Ich hätte sie gerne noch etwas angesehen. Ohne sie zu kennen, vermisse ich ihr Anglitz. Ich würde sie gerne nochmal sehen und wenn es nur kurz wäre. Sehnsucht kommt in mir auf.
Doch dann wird auf meinem Tisch ein Tee abgestellt und sie setzt sich zu mir.
Sie! Sie sitzt mir gegenüber. Nah ist sie mir. Ich kann sie riechen. Sie richt nach einem frischen Sommermorgen. Sie lächelt mich an. Ob das passt?

Der obigen Text ist aus einer Unterhaltung zwischen apfelesserin und mir entstanden. Wir haben uns über Musik unterhalten. Sie schrieb, dass sie sich von Musik inspieren ließe und da wollte ich es auch einmal als Experiement versuchen. Ich habe mir das Lied „Wie soll ein Mensche das ertragen“ von Philipp Poisel zu Gemüte geführt. Ich habe die Musik laut aufgedreht, meinen Kopf auf den Tisch gelegt, die Augen geschlossen und meinen Geist wandern lassen und dabei ist der obige Text rausgekommen.

Ich hoffe, dass es euch gefällt. Mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht.

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9 Antworten zu Passend?

  1. apfelesserin schreibt:

    Wundervoll! Ganz wundervoll! Experiment gelungen! Ich freu mich! Siehst Du, es geht. 🙂 Das finde ich schön, wirklich.

  2. apfelesserin schreibt:

    kleiner nachsatz übrigens zu mir: manchmal lasse ich mich von musik inspirieren. aber nicht immer. die meisten meiner gedichte und kurzprosa entstehen in und aus der stille.

    ich freue mich, dass es dir spaß gemacht hat dieses experiment durchzuführen. vielleicht ist das ja der anfang einer neuen schreibära bei dir. ich hatte durch die sich wiederholenden passagen (die mir sehr gefallen!) das gefühl, du berührst hier zaghaft lyrisches terrain.

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Das könnte sein. Auch ich hatte mal Deutsch in der Schule und so etwas haben wir tatsächlich mal durchgenommen, vielleicht habe ich es daher. deutsch war im Übrigen keines meiner besonders guten Fächer.

  3. freudefinder schreibt:

    was für eine schöne Art mal ganz neue Wege zu gehen – wundervoll – ja es ist erstaunlich, was alles sprudelt, wenn man es lässt. Einfach mit einem Satz anfangen und sehen was passiert.

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Danke freudefinder,
      schönen von Ihnen auch hier wieder Mal zu lesen.
      Ich beginne in meinen Texten oft einfach nur mit dem ersten Satz und lassen den Rest dann einfach fließen. Hier war es ein wenig anders. Ich habe mir das Lied ganz bewusst angehört und in meinem Kopf hat sich diese Bild gebildet und ich das Halbfertige dann niedergeschrieben und noch etwas geschliffen.

      • freudefinder schreibt:

        Welch schöner Ansatz. In dem Studium „Creative writing“ lernt man ganz ungewöhnliche Schreib-Ansätze – damit man aus gewohnten Bahnen rausspringen kann. Schreib über die Farbe Blau; Schreib einen Brief und streich später die Anrede weg; Schreib einen Krimi über Joghurtbecher; Ändere in der Geschichte von vorgestern nur 2 Punkte; schreib eine bestehende Geschichte aus der Sicht einer anderen Person um; Schreibe eine abgeschlossene Geschichte mit genau 100 Worten…… und vieles mehr – vielleicht macht es Ihnen Spaß mit ganz anderen Ansätzen zu jonglieren. So oder so – einen vergnüglichen Tag

        • Mr. Winterschein schreibt:

          Ich denke, dass es da tausend Möglichkeiten gibt. Ich habe mal eine Geschichte geschrieben. Die zunächst mit einer Person gestartet hat und dann beim Treffen mit einer anderen Personen wurde zu dieser gewechselt. Das war auch richtig spannend.

          • freudefinder schreibt:

            ja, es macht Spaß unterschiedliche Wege auszuprobieren. Thalia Theater in der Gaußstraße in Hamburg führt ganz excellent „der Fremde“ von Camus auf, wo Jeder Jeder ist – man glaubt erst, das sei nicht möglich, alle Schauspieler übernehmen im laufenden Stück schnell wechselnd jede Rolle – ich war begeistert. Eine Inszenierung von Jette Steckel, toll, macht den Kopf frei – außerdem rollt sie das Stück von hinten auf. Es macht so viel Freude, frei zu denken. Sie sind da ja auch auf bestem Wege. Lieben Gruß

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