Dort Draußen

Du wandelst durch die Stadt. Um dich diese Massen, welche du scheust. Du magst es nicht. Sie laufen auf und ab, wie gescheuchte Hühner. Du in mitten von ihnen. Du schaust in das eine oder andere Gesicht, doch du siehst nichts. Nur Masken sind zu sehen, an den Stellen wo ihre Nasen und Augen, ihre Münder zu sehen sein sollte. Keiner kennt den anderen und niemand sich selbst. Doch du wandelst zwischen ihnen und weißt sehr wohl wer du bist.
Oder nicht? Sie schuppsen dich zu Seite, drängen sich an dir vorbei und schmeißen dich in den Schlamm. Du stehst auf, bist verängstigt von dieser Welt. Von diesen Massen, die sich nur einander vorbei drängen, um was auch immer zu erledigen, doch für einander haben sich nichts übrig. Du schaust nach oben, zumindest schaust du dort hin wo der Himmel sein sollte. Doch da ist nichts. Du erblickst nur riesige Gebäude, die sich dicht an dicht aneinander reihen. Ihre grauen Hüllen scheinen dich zu erdrücken. Ihre Tonnen lasten auf dir. Die fühlst Beklemmung. Panik steigt in dir auf. Du schreckst hoch. Suchst die Gegend nach einer Zuflucht um und dann siehst du dort einer Lücke zwischen zwei Häusern. Diese Lücke in der Masse. Du musst dort hin, alles in dir will diesen Platz. Du stürmst los. Ohne auf die zu achten, die um dich herum sind. Du rempelst gegen eine und sogleich gegen den nächsten Gestalt. Der Impuls des einen lieferte dir den Impuls für den nächsten, somit wird eine Kette der Reaktionen ausgelöst, die keiner mehr stoppen vermag. Nicht mehr weit und du hast dein Ziel, deinen Platz, erreicht. Mit einem letzten Sprung erreichst du es. Du bist dort, schaust dich um und siehst einen Riss in der Wand und dort in dieser Mulde in dieser deiner Höhle verkriechst du dich. Du setzt dich nieder. Umklammerst deine Beine. Versucht abzuschalten. Der Lärm der Massen ist hier nur noch gering wahrzunehmen. Du zitterst am ganzen Körper. Deine Muskeln angespannt bis zum Zerreißen. Deine Wahrnehmung geschärft. Du hörst einen Schritt und noch einen Schritt. Da kommt jemand! Du hörst die Person näher kommen und genau auf deiner Höhe bleibt sie stehen. Sie schaut sich um.
„Komm mit, wir gehen. Lass uns diesen Ort verlassen und einen Ort gehen, wo du dich wohl fühlst, wo du zu Hause bist, lass uns dorthin gehen, wo es dir gefällt, aber vor allem lass uns weg von hier gehen.“ Sagte diese Person in deine Richtung. Du siehst eine Hand, wie sie dir hingehalten wird.
„Hab keine Angst. Die da Draußen wird dir nichts geschehen.“ Du kennst die Person nicht, du siehst nicht ihr Gesicht, aber du vertraust ihr. Du nimmst die Hand und ihr beide kehrt der Dunkelheit den Rücken zu und begebt euch in die Welt.

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Eine Antwort zu Dort Draußen

  1. Marina Kaiser schreibt:

    Eine wunderschöne Vorstellung, lieber Mr. Winterschein,
    in Chaos und Überforderung, in Hektik und Lärm eine Hand zu finden, die uns da heraus führt, der wir vertrauen können… Ja das wünsche ich dir, mir und uns allen immer wieder aufs Neue!
    Und vielleicht gehört diese Hand ja auch zu unserem „inneren Freund“, der immer mit uns geht.
    Herzlich und berührt grüßt dich
    Marina

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