In meinem Kopf

Wenn es denn mal ganz still ist. Niemand um einen lärmt, von Draußen hört man nur eben den Wind, wie er durch die Bäume rauscht, aber ansonsten ist es ruhig. Auch die Vögel verstummen, mit ihren Lieder, eine Weile.
In solchen stummen Momenten, da nehme ich so ein kleines Rascheln in meinem linken Ohr wahr. Ich konzentriere mich darauf und dann ist es doch in meinem rechten Ohr. Ein Wispern vielleicht. Ich schließe die Augen und fixiere mich darauf. Es ist weder links noch rechts. Es kommt aus dem Bereich da zwischen. Ein Flüstern. Ein ganz leiser Laut ist da zu hören, in meinem Kopf. Ich will näher ran an diese leise sanftmütige Stimme. Ich bin willens mich darauf einzulassen.
Ich begebe mich auf eine Tauchfahrt in meinen Kopf. Vorbei an großen Knubbeln, die meine Gedanken zu sein scheinen. Sie sind ein wenig instabil und scheinen ihre Form immer wieder ein wenig zu ändern. Vorbei an spitzkantigen Kuben, die meine Gefühle zu sein scheinen und je näher ich einen komme, desto ausgefranzter und schärfer wird er und versucht von mir Besitz zu ergreifen, mich zu verschlingen. Ich streife weiter. Immer weiter durch meinen Schädel streife ich. Immer dem Flüstern entlang. Und dann scheine ich angekommen zu sein. Das Geräusch ist vor mir. Es wurde nie wirklich lauter. Hat mich dennoch angezogen.
Ich stehe davor. Es ist ein Knubbel, also eine Erinnerung? Er wabert leicht vor mir. Kommt mir dann langsam näher. Ich strecke meine Hand aus und berührere seine Oberfläche. Ich spühre Kälte. Und dann plötzlich beginnt der Knubbel sich zu verformen. Er bildet Stacheln und Kanten aus. Dann mit einem Satz stülpt er sich über mich und umschließt mich. Ich bin Gefangener meiner eigenen Erinnerung, aber warte, so einfach ist es nicht. Es ist keine Erinnerung, sonst hätte es keine Kanten und Spitzen. Es ist ein Gefühl, welches so kalt ist, dass mir das Blut in der Adern zu stocken droht.
Gefangen bin ich hier. Jede Bewegung droht mich zu verletzen. Was wartet hier auf mich?
Ich werde müde und schlafe ein.
Ich träume, dass ich mich an meinem Schreibtisch sitzen sehe und alleine bin.
Mich überkommt ein Gefühl. Es ist so trist und kühl, dass es nur die Einsamkeit sein kann. Ich bin einsam, so wie ich dort sitze. Ganz ohne Freunde. Ich sitze dort einfach. Über meinem Schreibtisch gebeugt und Blicke auf die Platte vor mir. Ein tiefer gedankenverlorener Blick, der endlos zu sein scheint und aus dessen Tiefe ich niemals zu erwachen drohe. Mir wird klamm ums Herz. Ich beginne zu frieren. Ich spühre förmlich die Einsamkeit, die von mir ausgeht.
Ich schreie mich an, dass ich aufhören soll so trübselig zu blicken, dass ich rausgehen soll und das am besten mit Freunden. Nicht mehr alleine sein. Ich brülle. Ich schreie mir die Seele aus dem Leib. Ich schreie so sehr, dass es schmerzt. Er droht meine Lungen zu zerreizen. Es tut so sehr weh, dass mir tränen das Gesicht hinunter rinnen und vor mir auf den Boden fallen.
Ich sehe mich selber weinen. Vor Einsamkeit?
Mein Schreien und Klagen scheint zu wirken. Ändern möchte ich es schließlich.
Ich verschwinde vor meinen Augen. Um mich sehe ich die Spitzen und Kanten, die so bedrohlich blitzen. Ich nehme all meinen Mut zusammen und trampel und schlage um mich herum. Ich prügel es, dieses Gefühl, in tausend Teile, bis ich frei bin. Ich sehe vor mir die Splitter und Scherben. Sie sammeln sich. Formieren sich neu und verstecken sich dann. Das Gefühl ist fort, aber nicht aus der Welt.
Vorbei an den anderen Kuben und Knubbeln tauche ich wieder auf und sitze ich wieder am Schreibtisch.
Vor mir die Tränen und dass alles in meinem Kopf.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gedanke, Gefühl, Kurios, Mensch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s