Diffuses Licht

Diffuses Mondlicht dringt durch das Fenster und bescheint deine seidige Haut. Langsam lasse ich meine Hand über deine Beine gleiten. Es kommt mir so vor, als wenn meine Finger über einen mir unbekannten Stoff gleiten, so wundervoll und sanft, so unbeschreibbar glatt. Ich lasse meine Hand weiter über dein haarloses Schambein gleiten, über deinen leicht rundlichen Bauch, der dir eine frauliche Figur gibt. Angekommen bei deinen Brüsten, die einen leichten Schatten werfen. Ich fahre über sie, es ist wie eine Berg- und Talfahrt. Und dann… ähm, ja. Also ich würde gerne deinen Hals entlangfahren und deinen Kopf in meine Hand nehmen, aber das geht nicht.
Dein Gesicht wird von dem blauen Licht deines Handydisplays beleuchtet, so dass deine Arme mir den Weg versperren, denn irgendwie musst du ja das Handy halten.
Tummelst dich dort in Netzwerken, schreibst Freunden, kommunizierst mit anderen, aber nicht mit mir, der gerade neben dir liegt.
Ich spreche dich an. Du reagierst nicht. Ich versuche es nochmals, aber wieder keine Reaktion.
Ich greife mein Handy und schreibe dir, dass ich neben dir liege. Du blickst nur kurz zur Seite und tippst dann in dein Handy, dass ich recht habe.
Ich stehe auf, ziehe mich an und gehe.
Stunden später die Nachricht.: „Wieso bist du gegangen?“

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gefühl, Gesellschaft, Kommunikation, Zwischenmenschliches veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Diffuses Licht

  1. Sherry schreibt:

    Ja, das kenne ich. Der Kampf gegen das Smartphone und die Konzentration, die so ein dummer Chat im Web einfordert, ist echt brutal.

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Oh ja, und für die Idee zu dem Text musste ich fast eine junge Frau umfahren, die geistesabwesend in ihrem Smartphone versunken an der Bushaltestelle stand, aber leider auf dem Radweg und sie wollte partout keinen Platz machen. Da war wohl die nachricht wichtiger, als ihre Gesundheit.

  2. Ivea schreibt:

    ich finde daran besonders schlimm, dass die Qualität von Gesprächen gar nicht mehr richtig gewichtet wird… dass Menschen, mit denen du dich im realen Leben triffst der Überzeugung sind es sei in diesem Moment genauso wichtig auf SMS und Facebook Nachrichten zu antworten, wie dir. Dabei hat es ja einen Grund, dass man sich persönlich trifft und nicht im Chatroom. Die Angst etwas zu verpassen scheint allgegenwärtig, aber auch das, was man angeblich „verpasst“ ist zuweilen eine seltsame Sache.. Eine Party zu der du nicht am nächsten Tag ein hübsches Gruppenfoto hochlädst, hat quasi nicht stattgefunden, wenn deine Pinnwand nicht voll von Liebesbezeugungen deiner Freunde ist, glauben viele schon, du hast gar keine.
    Jemand hat mal gesagt, die niedrigste Form der Kommunikation sei das Liken auf Facebook. Dem kann ich nur zustimmen.

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Ich stimme dir voll und ganz zu. Aber daran sieht man doch schön die Veränderung unseres Kommunikationsverhaltens. Und wieso sollte man sich auch Treffen, man hat sich doch eh nichts mehr zu erzählen, geht doch auch über das Internet. Aber ist das mit dem Foto, was du angesprochen hast, wirklich so schlimm?

      • Ivea schreibt:

        Naja, das mit dem Foto ist inzwischen so eine Art Klischee, aber es hat einen wahren Kern. Es scheint unglaublich wichtig zu zeigen, dass man „dabei“ gewesen ist und was nicht im Nachhinein auf FB landet, kann eben nicht besonders bedeutend gewesen sein.. natürlich ist das auch ein Phänomen unter Jugendlichen, wo generell Gruppenzwang eher verbreitet ist. Ich denke, dass sich bei den meisten Menschen die emotionale Abhängigkeit von sozialen Netzwerken mit Erreichen des Erwachsenenalters relativiert. Das lässt hoffen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s