Gegenüber in der deutsche Bahn

Ich steige in die Bahn. Es ist eng. Die Gänge sind belegt mit Koffern. Der Weg gleicht einem Hürdenlauf, welcher Gleichzeitig einer leichten Achterbahnfahrt gleich kommt, denn schließlich schaukelt und wackelt der Zug. Trotz Gepäck, welches einem den Platz raubt, finde ich eine und du auch. Gegenüber sitzt du mir.
Erst nehme ich dich nicht wahr. Habe nichts von dir gesehen, bin vertieft in mein Buch. Ich blicke auf und mir gegenüber sitzt du. Ich sehe zunächst nur deinen Schopf. Du liest, genau wie ich. Somit sehe ich bloß deine nussbraunen Haare, welche du wild zusammengebunden hast. Du spielst mit deinen Haaren, welche nicht in den zopf passten. Drehst sie um deinen Finger und liest. Du schaust auf, wie erneut die gleichen Leute an uns vorbeieilen, um wiederholt versuchen sich einen Platz zu sichern. Wir blicken uns an. Du trägst eine Brille, welche dir gut steht. Schwarzes Gestell und mit Ecken. Recht kantig, bist du auch so? Wir unterhalten uns kurz darüber, dass diese Leute bestimmt zum dritten oder vierten Mal hier vorbeilaufen. Deine Stimme ist angenehm und sanft und deine Lippen so voll und rund. Ich klebe geradezu an ihnen. Du liest weiter und ich auch.
Ich würde dich gerne kennenlernen, so geht es mir durch den Kopf und will diesen auch nicht verlassen. ich überlege, wie ich dich erneut ansprechen könnte, um mit dir ins Gespräch zu kommen. Du liest. Das Buch beendest du bald. Ich könnte dich fragen, wie es war und worum es ging und ob du es empfehlen würdest. Doch leider schaust du nicht wieder auf. Ich muss bald den Zug verlassen. Ich überlege hin und her. Bin etwas hektisch und mein Herz rast. Endschließe mich dazu dir eine Nachricht zu hinterlassen. Schreibe dir, dass ich dein Gesicht sympathisch finde und dass ich dich gerne kennenlernen würde. Hinterlasse meine E-Mail auf diesem Zettel. Beim Verlassen des Zuges lege ich dir den Zettel hin. Bin aufgeregt, wie ich dir diesen Fetzen auf deinen Block lege. Ich zittere, so etwas habe ich noch nie gemacht. Frage mich, ob dass eine gute Idee war. Bin mir immer noch nicht sicher.
Wirst du dich melden? Hast du den Mut dazu? Willst du es überhaupt? Hast du den Zettel vielleicht gleich zerrissen? Ich werde es vielleicht nie erfahren oder vielleicht doch? Ich würde gerne von dir hören. In dieser Hoffnung lebe ich noch, aber bald wird sie verschwinden und der Ernüchterung weichen. Aber ich kann sagen, dass ich etwas unternommen habe. Ich war mutig und würde es wieder sein, wenn du mir die Chance gibst.

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6 Antworten zu Gegenüber in der deutsche Bahn

  1. Träumerin schreibt:

    Finde ich super 🙂 Nichts ist schlimmer als verpasste Gelegenheiten. Es kann doch nichts passieren. Wenn sie sich nicht meldet (weil sie kein Interesse hat, schon vergeben ist, nicht au Männer steht oder warum auch immer) wirst Du sie sehr wahrscheinlich nie wiedersehen. Und wenn sie sich meldet, hat sich Dein Mut gelohnt. Ich hoffe, dass sie sich meldet 🙂

  2. Ivea schreibt:

    Einfach mal etwas leicht Verrücktes tun, kann befreiend sein, auch ohne dass es schlussendlich zu etwas führt.

  3. Ivea schreibt:

    hey, I just met you and this is crazy, but here’s my number, so call me maybe 😀 %)

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