So war das

Geschlagen, gebrügelt, verhauen hast du mich nie, ich denke, dass das gut war. Aber genauso wenig hast du mich in den Arm genommen. Mir gezeigt, dass du mich magst. Weder gezeigt, noch gesagt hast du dies. Kein Signal gabst du von dir, welches es mir deutlich machte, dass du mir näher stehst. Hast mich nie betrachtet, als wenn ich dir gleich wäre. Immer wie Kind hast du mich behandelt. Dies hat mich genervt, frustriert und angefeuert. Um Anerkennung habe ich gerungen, doch bei dir war diese Mühe vergeben. Zumindest nach Außen hin. Vermutlich warst du stolz auf mich, fandest es gut, wie ich mich entwickelt habe, aber daran getan, hast du nichts. Du hast mich machen lassen. Mich meinen Weg gehen lassen. Weder Unterstützung, noch Behinderst hast mich. Reibung entstand nicht, denn du bist jedweder Diskussion mit mir aus dem Weg gegangen. Hast du dich mir, der ich jünger war, unterlegen gefühlt? Flucht war deine einzige Möglichkeit, die Diskussion zu gewinnen und der legendäre Satz: „Du verstehst das nicht.“ Dann hättest du es mir erklären müssen, statt zu flüchten. Wie soll ich von den Alten lernen, wenn sie flüchten und sich hinter Phrasen verstecken.
Aber war alles so schlecht mit dir?
Du hast mir Nahrung gegeben und mich gekleidet, soweit es das Geld zuließ. Dies war deine Sorge. Das Geld. Es war mir nicht wichitg. Wichtig wäre Zuneigung gewesen, welche ich nicht widerfuhr, da du sie mir nicht gabst. Aber für dich zählte nur dies. Der Gedanke an ausreichend Vermögen war dir wichtig und du dachtest, dass mir wenig Geld etwas ausmachen würde. Warst sogar der Annahme, dass ich mich des Wegen für dich schämen würde, aber so war es nicht. Es war viel mehr dein Handeln nach dem Frühshoppen, welches mir in Grund und Boden versinken ließ, welches für Anspannung sorgte. Ich wurde wütend über dein Verhalten. Habe darum geweint und gewütet, so sehr gewütet, dass ich mich selbst verletzte und Gegenstände unter meinen Ausbrüchen zu leiden hatten.
Nun macht es den Anschein, dass du furchtbar warst. Sicherlich warst du nicht der Beste, aber du hattest auch deine Vorzüge.
Warst du doch handwerklich sehr geschickt, hast mir für mein TV-Gerät einen Unterbau konstruiert, damit ich besser sehen konnte. Der Garten wurde von dir immer schön bestellt und du hattest Freude daran und auch ich muss gestehen, dass es mir mit der Zeit Spaß machte dieser Arbeit ebenfalls nachzugehen.
Sicherlich hattest auch du deine Probleme mit mir. Mitgeteilt hast du mir diese aber nicht. Geredet haben wir leider nicht viel miteinander. Was vermutlich von uns beiden ein Versäumnis war, mit welchem ich nun leben muss. Aber wie sagt man so schön: Nichtkommunikation ist auch Kommunikation. Unterschwällig passierte Vieles, was nie thematisiert wurde.
Egal, wie es war. Ich danke dir dafür, dass du da warst und mich ein Stück begleitet hast.

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6 Antworten zu So war das

  1. Lisbeth schreibt:

    Dies lässt mich ganz viel fühlen. Du schreibst hier klar und schnörkellos. Es berührt mich. Sehr sogar…ich find’s mutig von dir, all das hier zu schreiben. Fiel es dir sehr schwer? *liebfrag*
    Viele Grüße!

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Moin Lisbeth,
      danke erstmal und nein, ich behaupte mal, dass es nicht schwierig war. Das war ja alles schon parat in mir und musste nur noch aufgeschrieben werden. Aber es fühlt sich nun besser an, wo ich das alles mal los bin.
      LIebe Grüße.

  2. Kiira schreibt:

    Guten Abend, Mr. Winterschein :- )
    Interessante Worte mit tiefgehendem Sinn. Ich könnte ähnliche Worte an eine mir wichtige Person richten. Sie ließ mich wachsen und gedeihen, ohne sich groß einzumischen. Doch es gab einen Satz, der mich dazu brachte, sie in den Mittelpunkt meines Lebens rücken zu lassen, um Anerkennung zu gieren. Ich verbog mich, tat alles, um es ihr recht zu machen. Ich war brav. Ich änderte die Sachen an mir, die sie nicht mochte,… . Irgendwann machte es klick und innerlich warf ich ihr alles vor. Jahre meines Lebens prägte sie mich. Mittlerweile kenne ich einige Ereignisse aus ihrem Leben, die sie so werden ließ. Ich verstehe, doch vergessen werde ich nie.

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Moin Kiira,
      danke für deine ehrlich und tiefgehenden Worte,
      Vergessen ist meiner Ansicht nach auch nie die richtige Lösung, auch wenn es erstmal der einfachste Weg sein mag, aber so etwas kommt früher oder später wieder hoch. Darf ich erfahren, wie dieser Satz lautete, der dich so hörig machte?
      Liebe Grüße.
      Mr. W.

      • Kiira schreibt:

        Guten Abend, lieber Mr. W.
        Für mich käme vergessen nie in Frage. Denn gerade durch seine Vergangenheit wurde man zu dem gegenwärtigen Menschen, der man nun mal ist. Und die vielen negativen Erinnerungen helfen einem, nicht die gleichen Fehler (anderer Leute, oder der eigenen) zu tun.

        Entschuldige. Noch bin ich nicht dazu bereit, jemandem von dem Inhalt dieses Satzes zu berichten. Er ist sehr intim.

        Lieben Gruß, Kiira

        • Mr. Winterschein schreibt:

          Moin,
          also ich denke, dass auch das aktive Vergessen und Verdrängen einen Menschen zu dem machen, der er ist. Denn schließlich ist dies auch eine Bewältigungsstrategie, keine schön, aber es ist eine. Man hat durch eine unangenehme erfahrung gelernt, dass man sowas vergessen kann, dann wendet man dieses weiterhin an. Da hat eine Erfahrung aus deiner Vergangenheit dich auch zu dem gemacht, der du bist.
          Also ich bin nicht für’s Vergessen, aber ich wollte eben deutlich machen, dass das schon einen Menschen formen kann.
          Kein Problem, war ja nur eine Frage.
          Liebe Grüße.
          Mr. W.

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