Inflation lässt Grüßen

Auf meinen täglichen Streifzügen durch das geistreiche Internet, habe ich etwas entdeckt, was mich wieder mal etwas stutzen ließ.
Bei einem Sozialen Netzwerk las ich, wie sich ein Paar in mehrfacherweise ein „Ich liebe dich!“ an den Kopf warf. Für mich erschien diese inflationäre Benutzung eines so tiefgreifenden Satzes ein wenig schräg. Ich musste stutzen und machte mir Gedanken darüber, wieso Menschen es in einem Sozialen Netzwerk posten, so dass es die ganze Welt verfolgen kann? Wieso Menschen es schreiben, obwohl sie sich vermutlich täglich sehen oder zumindest die Möglichkeit haben es dem Partner auf andere intimere Art mitzuteilen. Verliert dieser Satz bei einer solchen Benutzung nicht an Wert?
Warum schreibt man es in Soziale Netzwerke? Jeder kann diese Sache kommentieren. Was wäre, wenn ich nun daher kommen würde und darunter schreiben würde, dass die beiden nicht zusammen passen oder dass ich sie lieben würde. Käme es da nicht zu Problemen? Aber was würde ich anders machen als diese Menschen? Im Grunde würde ich mich mit meinen Gefühlen genau so verhalten wie sie, nur mit dem Unterschied, dass ich es nicht ernst meinen würde.
Worte, die eine so tiefgreifende Bedeutung haben, sollten meiner Meinung nach nicht so in die Welt hinaus geblasen werden, als wenn sie lediglich etwas Flüchtiges sind. Sicherlich Worte sind vergänglich und auch die Gefühle, die sie transportieren, habe ein Verfallsdatum, aber ist dieser Zustand der Liebe nicht Etwas, was man für immer behalten möchte? Ist es nicht etwas, was man durch eine kleine Geste dem Partner vermitteln sollte. Eine Geste, die so kurzlebig ist, dass man, wenn sie einem nichts vermittelt, gleich wieder aus dem Gedächtnis entrungen ist. Eine solche Geste, die sich aber in dem Gedächtnis verankert, an die man gerne zurück denkt, die einen bewegt und an der man die Gefühle des anderen ablesen kann, ist doch so viel mehr Wert als ein der Welt offenbartes „Ich liebe dich!“.
Wir benutzen diese paar wenigen Worte, so häufig, ohne doch wirklich zu wissen, was sie bedeuten, was sie einem selbst bedeuten sollten oder können. Weiß jemand, der alle zwei Tage der Bevölkerung seine Liebe preisgibt, was es wirklich bedeutet jemanden zu lieben? Sind diese Worte für ihn nicht nur eine Legitimation sich an jemanden zu binden, bzw. diesen jemand an sich zu binden, da man irgendwelche Bedürfnisse mit diesem jemand stillen möchte.
François de La Rochefoucauld, Schriftsteller seines Zeichens, sagte einst: „Mit der großen Liebe ist es wie mit den Geistererscheinungen: Alle reden davon, aber niemand hat sie gesehen.“ Und genau so ist es doch auch hier. Wir reden immer von der Liebe, aber haben wir sie wirklich gesehen? Nein, sehen werde wir sie sicherlich nie und durch solche Nachrichten in den Sozialen Netzwerken wird sie auch nicht sichtbarer, aber wir können sie fühlen. Wir müssen sie fühlen, denn anderweitig können wir sie nicht erfahren.
Liebe muss erfahren werden, dafür bedarf es sicherlich Zwei und ganz zu Beginn steht das Wort.

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4 Antworten zu Inflation lässt Grüßen

  1. Kiira schreibt:

    Guten Morgen …
    besonders dein letzter Satz „Liebe muss erfahren werden“ gefällt mir. Ich sehe das mit den Worten „Ich liebe Dich“ genauso wie du. Mein Freund und ich sagen es uns auch nicht wirklich oft, sodass man die Situationen, in denen diese Worte geäußert wurden, immer noch im Kopf hat. Wir zeigen uns viel mehr, dass wir uns lieben. Und sonst gibt es auch viele andere Sätze, die zeigen, dass man den anderen liebt. Zum Beispiel: „Ich vermisse Dich“.

    Lieben Gruß, Kiira

  2. Ivea schreibt:

    Warum man das in Sozialen Netzwerkens sagt? Ich weiß nicht, was sich Kinder dabei denken, die „ich liebe dich“, wirklich in allen Variationen zu jedem sagen, der mal ihren Freundeskreis streift.. ansonsten habe ich kein Problem damit, wenn man sich mal online einen Gruß auf der virtuellen Pinnwand hinterlässt. In meinen Augen ist das ähnlich, wie händchenhaltend durch die Straßen zu gehen.. man zeigt, das man zusammen gehört. Da kann jetzt auch einer ankommen und uns hinterherbrüllen, dass er unsere Beziehung nicht gut findet, Probleme macht mir das jetzt aber ehrlich gesagt nicht. Virtuelle Kommentare kann man ja sogar löschen, Gesprochene nicht 😉
    Und Ehe ist ja im weiteren Sinne auch nichts anderes, als die beschlossene Lebensgemeinschaft offiziell zu machen, also öffentlich zu demonstrieren, dass man zsm gehört.. Sicherlich gehört zu einer Beziehung mehr als das, aber das steht auf einem anderen Blatt geschrieben und hat glaube ich nur wenig damit zu tun, wie oft man einander sagt, dass man sich liebt. Ich habe auch Menschen gesehen, die seit 30 Jahren verheiratet waren und trotzdem mehrmals am Tag „ich liebe dich“ sagen.. wenn man es so meint, wie man es sagt, ist es immer in Ordnung.. und immer wieder schön 🙂

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Auch gesprochene Dinge haben ein Verfallsdatum und verschwinden irgendwann.
      Ich stimme mit dir überein, dass es, solange es ehrlich gemeint ist, in Ordnung ist. Aber mir erscheint dieses textuelle festhalten von Liebesbekundungen doch ein wenig fragwürdig. Ich gehe hierbei übrigens von ziemlich krassen Fällen aus, die in einem Post sich zigmal hin- und herwerfen, dass der eine den anderen mehr liebt als den anderen.
      Vielleicht ist dieses gerede auch der Neid der Besitzlosen, dies mag auch sein und ich will es nicht verneinen.
      Dein Argument mit dem Händchenhalten fand ich übrigens recht gut. Vielleicht ist bei mir, Steinzeitdino, diese offene textuelle Form der Liebesbekundung angekommen, so dass ich sie für „normal“ erachte. Für mich ist diese Form einfach so schnellliebig und aussagelos, dass ich sie nicht für bahre Münze nehmen kann.
      Ich danke dir für deinen Kommentar, da waren einige schöne Denkansätze drin, über die ich nachdenken werde.

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