Ein Gespräch reden

Was ich gerne täte wäre es dir zu sagen, mich dir mitzuteilen. Einfach jemanden alles zu sagen, alles was mich beschäftigt und was mich betrübt. Was so tief sitzt, wie mein Herz in mir eingebettet liegt. Ich weiß, dass du bereit dafür bist, es zu hören. Hast dich angeboten und du wärest für mich auch die eine Person, der ich mich öffnen könnte. Ich könnte mich dir ganz hingeben. Dir von all meinen Gedanken und Ideen berichten. Sie dir vor den Füßen ausbreiten, wie einen Lageplan zu meiner Seele. Du würdest es verkraften, vermutlich bist du schon darauf vorbereitet.
Ich habe wirklich den Willen und den Wunsch mich zu offenbaren, alle Last von mir zu sprechen und sie dir zur Verwahrung zu geben.
Doch wenn es so ist, dass wir uns gegenübersitzen, ist es, als wenn nichts mehr da ist. Jeder Gedanke, den ich dir mitteilen wollte, ist futsch und lässt sich nicht mehr verbalisieren. Es fühlt sich an, als wenn die Festplatte komplett gelöscht wäre. Rettung undenkbar. Ich fühle mich leer. Weiß nicht was ich sagen soll. Komme mir sogar dumm dabei vor.
Verlasse ich dich, so ist alles wieder da. Jeder Gedanke ist präsent, als wäre er nur kurz außer Haus gewesen.
Wie kann dies sein? Vertraue ich dir nicht genug? Habe ich Angst, was diese Offenbarung für mich bedeuten könnte? Oder habe ich mehr Angst davor, was diese Gedanken für dich bedeuten könnten, welche Veränderungen sie in dir hervorrufen würden? Würdest du damit zurechtkommen? Angeboten hattest du dich, auch mit dem Wissen, dass es nicht zwangsläufig schön wird, aber bist du bereit für die Abgründe einer menschlichen Seele, wie die meiner? Oder bin gerade ich es, der nicht bereit für die Abgründe seiner eigenen Seele ist?
Ich brauche dieses Gespräch um meinen Frieden zu machen, aber ich verhindere es selbst.
Vermutlich muss ich noch den Schalter finden, welcher meine Gedanken ablässt.
Ich gehe dann mal suchen.

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5 Antworten zu Ein Gespräch reden

  1. Kiira schreibt:

    Guten Abend, lieber Mr. Winterschein.
    Ich kenne deine Situation. Nur war es bei mir so, dass mir die Worte einfach nicht über die Lippen kamen, weil ich nicht wusste, wie ich sie aussprechen sollte, wie ich sie formulieren sollte, wie ich sie in einen Zusammenhang bringen sollte, sodass der Gegenüber es versteht. Doch mein Gegenüber hat einen so standfesten Charakter wie ein Berg, ihn erschüttert nichts. Er hielt mich fest, guckte mich tief an und sagte, ich solle sprechen. Er würde nicht eher ruhen, bis ich sprechen würde. Ich war so schwach in dem Moment. So verletzlich. Ein Rest Würde war noch da. Er hielt mich, während ich schluchzte. Die ganze Zeit. Und er ließ mich nicht los. Irgendwann sprach ich.
    Einmal fühlte er sich dazu veranlasst, mir etwas zu sagen, was ihm nicht gefiel an seiner Vergangenheit, was ich aber wissen sollte. Dabei lagen wir auf dem Bett und sahen an die Decke. Wir lagen nebeneinander, während er sprach.

    Vielleicht ist es einfacher für dich, wenn ihr nebeneinander sitzt, und du geradeaus starren kannst, und in deine Seele schaust und berichtest. Wenn man jemandem nämlich in die Augen schaut, siehst du dessen Seele. Wie sollst du da dann noch deine eigenen Abgründe erkennen können?

    Lieben Gruß, Kiira

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Moin Kiira,
      was für eine gute Idee. Ich möchte es mal ausprobieren. Aber vielleicht muss ich darauf noch ein wenig warten. Die Person ist leider zur Zeit ein wenig weit weg.
      Hast du es damals geschafft die alles von der Seele zu reden? Und hat es dir geholfen? Hat dein Gegenüber es denn alles verkraftet?
      Liebe Grüße und danke für die Idee, so simpel und man kommt nicht drauf.
      Mr. W.

      • Kiira schreibt:

        Guten Abend, lieber Mr. W.,
        Manchmal kann ein Problem auf die einfachste Weise gelöst werden und man sieht es nicht, weil man viel zu kompliziert denkt :- )

        Das, was ich damals alles sagen wollte, konnte ich mir dann auch von der Seele reden. Bei mir war es nicht so, dass ich mein ganzen Leben runter ratterte, es war nur eben eine momentane Situation nicht gut für mich und um das zu erklären, musste ich etwas ausholen. Sich so von seiner verletzlichen Seite zu zeigen, kostete mich Überwindung (aber er ließ mich ja nicht los…). Mir hat es sehr geholfen. Einfach mal mit jemanden,, nein, mit DIESER Person darüber reden zu können, war wunderbar. Diese Person kennt mich zwar nicht am längsten aber mittlerweile ziemlich gut. Zu Verkraften gab es nicht viel, – außer, dass die Freundin völlig am Boden war – und das tat er gut. Ich legte keine große Vergangenheit oder ähnliches auf den Tisch, als ich in dieser Situation war. ..

        Aber es gab andere Situationen, in denen ich versuchte, ihm Teile meiner Vergangenheit zu erklären, weil ich es für als wichtig erachtete. Darauf bezogen kann er nicht verstehen, wie jemand so emotional sein konnte, oder auf diese Art handeln konnte, wie ich es in der Vergangenheit tat,- aber er versteht die Auswirkungen davon, die in der Gegenwart vorhanden sind, und stärkt mir den Rücken dafür und ist völligst auf meiner Seite (was mir unendlich gut tut). Mein Freund ist nicht gut mit Gefühlen, aber je länger wir zusammen sind, desto besser kann er damit umgehen.

        Lieben Gruß,
        P.S.. Ich hoffe, von dem Gespräch mit deiner Person lesen zu können

        Kiira

        • Mr. Winterschein schreibt:

          Moin Kiira,
          ich finde es super, dass dir das damals geholfen hat und es ist, so glaube ich, für niemanden leicht sich von seiner verletzlichen Seite zu zeigen.
          Ich glaube, dass man dafür wirklich eine spezielle Person braucht, der man das erzählen kann. Da kann nicht einfach einer der Freunde herhalten. Aber nach welchen Kriterien man sich diese Person aussucht, keine Ahnung.
          Ich finde es schön, wenn man in der Partnerschafft jemanden hat, dem man wirklich alles erzählen kann und dem man auch so sehr vertraut.
          Ich will mal schauen, wann dieses Gespräch stattfindet und ob ich dann in der Lage bin, darüber zu schreiben, aber falls ich mich dazu in der Lage fühle, wird es hier vielleicht stehen. Warum bist du denn eigentlich darauf gespannt?
          Liebe Grüße
          Mr. W.

          • Kiira schreibt:

            Guten Abend, lieber Mr. Winterschein 🙂
            Warum ich darauf gespannt bin? Mich interessiert es, wie du dich letztendlich vermitteln konntest und wie dein Gegenüber reagierte .., genauer, ob deine Ängste/Sorgen bestätigt oder widerlegt wurden.

            Gruß, Kiira

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