Mittendrin und doch nicht dabei – Nachbeben (5)

Ich machte mich früh morgens auf den Weg zu ihr. Sie wohnte in einer anderen Stadt und dann noch etwas außerhalb. Der Trubel der Menschenmengen war nicht ihrs, so deutete ich diesen Umstand. Der Weg zu ihr glich einem kleinen Abenteuer. Von einen Bimmelzug, welcher jedes Örtchen anfuhr oder zumindest hielt dieser an Haltestellen ohne sichtbare Zivilisation, wechselte ich in kleinen Bus, welcher mich auf einen nahe gelegenen Berg fuhr. Auch hier hatte der Winter deutlich Spuren hinterlassen. Die Straßen waren zwar geräumt worden, aber neben der Straße türmte sich der Schnee bestimmt einen Meter hoch.
Ich stieg an der besagten Haltestelle aus. Der Bus fuhr weiter und ich stand dort. In meinem Rücken der Berg, welcher noch einige schneebehangenen Meter empor stieg. Die Tannen trugen würdevoll das Weiß auf sich. Vor mir stand ein einzelnes Haus. Es war ein großes Grundstück, welches am Hang gebaut war. Über die aufgetürmte Masse kletternd, wechselte ich die Straßenseite.
Ich ging den geräumten Weg bis zur Haustür und klingelte. Kazuko öffnete mir sehr prompt die Tür.
„Ich bin sehr erfreut dich zu sehn. Das Wetter hatte wohl versucht uns einen Strich durch die Rechnung zu machen, aber schön, dass du es trotzdem gewagt hast, herzukommen.“ sagte sie. Sie trug Heute einen weißen Pullover und dazu eine Rock. Irgendwie erinnerte sie mich an Yuki. Sie war nicht so blaß, aber immerhin ihre Mutter, also musste Ähnlichkeit bestehen. Nachdem ich mich meiner Schuhe und der Jacke entledigt hatte, bat sie mich in das Wohnzimmer. Es war ein großer offener Raum, mit eine riesigen Fensterfront, die den Blick auf die kleine Stadt, unten am Fuße des Berges offenbarte.
So friedlich und schneebedeckt lag dieses kleine Dörfchen dort. Von den Schornsteinen wehte leichte der weiße Dampf empor, der sich sobald auch wieder verflog.
Wir tranken zunächst ein wenig Tee und unterhielten uns über belangloses Zeug. Was machte ich so, was machte sie so. Ich erfuhr, dass ihr neuer Mann mit Computer handelte und immer mal wieder im Ausland sei. Sie selber genieße die Stille dieses Ortes und kümmere sich behutsam um diesen Ort, da es ihr Refugium darstellte, in dem sie sich sicher und geborgen fühle. Wenn ihr man da sei, dann wohnten sie bei zusammen in der nächst größeren Stadt, damit meinte sie nicht das Dorf dort unten. Yukis Mutter verließ mich kurzzteitig, sie musste mal auf die Toilette. Bei der Gegenheit wandelte ich durch das Zimmer, ich wollte nicht mehr sitzen, dies hatte ich schon ausreichend in Bus und Bahn getan. Wie ich so dieses große Zimmer, welches vermutlich größer war, als meine ganze Wohnung abschritt, fiel mein Blick auf eine Kommode. Es war nicht die Kommode, die mich so fasziniert, wenngleich sie aus schönem dunklen Holf gearbeitet war, aber nein, es waren die Bilder, die darauf standen. Ich ging näher heran.
Ein von Kazuko und Yuki. Sie hielt ihre kleine Tochter, die gerade wohl kaum einen Tag alt war in den Armen. Allerdings gab sie dabei eher eine gequält dreinbschauendes Lächeln von sich. Die Beziehung zwischen ihnen war an dieser Stelle schon zum Zerfall bestimmt. Aber was wesentlich interessanter war, war ein anderes Bild. Auf diesem war Kazuko wieder im Krankenhaus, hielt wieder ein Baby in den Armen. Was aber anders war, war der Fakt, dass sie wirklich glücklich schien auf diesem Bild. Es strahlte so viel Wärme und Zuneigung aus, ganz anders als das andere Bild. Woran es wohl lag, dass diese Frau so unterschiedlich zu ihren Kinder stand und das schon so kurz nach der Gebuhrt.
„Ich kann mir denken, was dir gerade durch den Kopf geht.“ wieso vermochte diese Frau immer zu sagen, was ich gerade dachte.
„So, unterschiedlich und doch bin ich es in beiden Fällen. Das, auf dem zweiten Bild, ist meine Tochter Ai.“ sie sprach diese Wort mit so viel Liebe und Zärtlichkeit aus. Liebe und Zärtlichkeit, die sie für Yuki vermutlich nie übrig hatte.
„Sie ist nun 21 Jahre alt und beginnt auch gerade ihr Studium.“ sie war also man gerade 2 Jahre jünger als ich und somit auch als Yuki.
„Die Diskrepanz zwischen den beiden Bildern ist nicht in Worte zu fassen. Manchmal stehe ich davor, schaue sie mir an und frage mich, warum ich Yuki nicht mehr Liebe hatte zukommen lassen können.“ dieser Umstand schien dieser Frau viel Kummer zu bereiten.
Ich wandte meinen Blick nach Draußen. Starker Schneefall hatte eingesetzt.
Da hörte man von der Eingangstür her ein lautes:
„Brrrr, ist das kalt und ungemütlich. Überraschung, Mama! Ich bin da!“ rief eine Stimme freudestrahlend.
„Oh, haben wir Besuch?“ fragte diese zarte, junge Stimme unverwand weiter. Kazuko, die auch sichtlich irritiert schien, meinte:
„Das ist wohl Ai, wusste gar nicht, dass sie dieses Wochenende kommen wollte.“ Sie ging zur Tür und ich folgte ihr einfach mal.
Dort im Eingangsbereich stand eine junge Frau, sie mochte wenige Jahre jünger sein als ich. Sie zog sich gerade die Schuhe aus und wie sie sich wieder aufrichtete, sah ich sie. Sie sah so aus wie Yuki. Die Haare, die Agen, der Mund, die Proportionen. Mir stockte der Atem und ich musste mich setzen. Ein wenig strauchelnt, ging ich in das Wohnzimmer zurück und setzte mich. Ich schnappte wirklich nach Luft.
Wie konnte dies sein? Nun gut, sie hatten beide die gleiche Mutter, aber so ähnlich. Ich begriff es nicht. Ich konnte all dies nicht verstehen. Wie konnten sie sich so ähnlich sehen?
Mutter und Tochter kamen nach einer kurzen, herlzich klingenden Begrüßung ins Wohnzimmer. Sie stellte uns vor, dabei beschribe sie mich als einen guten Freund von Yuki. Treffender wäre vielleicht einziger Freund von Yuki gewesen, aber sei es drum. Ich hatte wahrlich das Gefühl, dass mir Yuki gegenüberstand. Ich musste mich zusammenreißen, sie nicht in die Arme zu nehmen.
Bei einem Essen unterhielt man sich. Es stellte sich alles ganz anders dar. Sie redete viel und war sehr temperamentvoll, Herzlichkeit war ihr nicht fremd. Sie schien kein Problem damit zu haben sich mit Fremden zu unterhalten. ich unterhielt mich auch nett mit ihr. Wir verstanden uns sehr gut. Schnelle verlor ich auch meine Angst, die ich vor dieser Yuki zwei hatte. Ai war ihr Name und sie war warm.
„Also Heute abend kommst du hier nicht mehr weg.“ sagte sie, als sie hörte, dass ich nur für Heute hier her kam. So wurde kurzerhand beschlossen, dass ich Heute Nachte hier schlafen würde. Als es zu dem Grund meiner Anreise kam, fiel uns Kazuko ins Wort.
„Unser Gast ist da, weil ich ihm etwas über Yuki erzählen wollte, was unbedingt wissen soll und nun wo du da bist, kannst du es auch gleich hören.“ Und so begann sie.

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7 Antworten zu Mittendrin und doch nicht dabei – Nachbeben (5)

  1. SirGrinsekatze schreibt:

    Ich haette gerne schnell eine Fortsetzung. Ich wuerde auch gerne wissen, was es so wichtiges ueber Yuki zu erzaehlen gibt! Mir gefaellt es bisher immer noch sehr !

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Moin,
      also zaubern kann ich auch nicht^^. Aber ich werde mich bemühen, dass die Fortsetzung möglichst bald folgt. Schön, dass es dir immer noch gefällt^^.

    • Sherry schreibt:

      Geht mir genauso! Mensch … Ich sag‘ ja schon nichts mehr. 😀

      • Mr. Winterschein schreibt:

        Ist ja gut Leute,
        ich werde mich dann wohl Heute nachmittag dransetzen und weiterschreiben. Zum Wochenende habt ihr dann die Fortsetzung. So, zufrieden?^^

        • SirGrinsekatze schreibt:

          Hihi, ja, zufrieden :p Nein, wir wollen dich nicht unter Druck setzen, aber es ist so spannend. Wie in einem Film, in dem eine Werbepause einsetzt.. gerade in einem Moment, der sehr spannend ist. Und diese Werbepause kommt einem dann wie eine halbe Ewigkeit vor! 😮

          • Mr. Winterschein schreibt:

            Moin, ja, ist schon klar. Ich freue mich auch darüber, dass ihr so unbedingt wissen wollt, wie es weitergeht. Ich werde mich trotzdem bemühen zügig fortzusetzen, aber nun wird ein Teil kommen, der mir vermutlich ein wenig Schwer fallen wird. Aber du wirst ja sehen, welche Art von Änderung kommen wird. Ich bin gemein oder?^^

            • SirGrinsekatze schreibt:

              Das macht das Ganze natuerlich noch spannender :p Ich bin neugierig, freu mich sehr 🙂 Gemein bist du so oder so :p 😀 ❤

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