Mittendrin und doch nicht dabei – Epizentrum (3)

Trotz allem trottete sie am nächsten Morgen zur Schule. Es war ein kalter Tag mitten im Winter. Die Menschen um sie herum waren mit Schalen, Mütze, Mänteln und Handschuhen ausstaffiert. Sie hatte lediglich eine etwas dickere Jacke an. Ihr war nicht kalt, denn schließlich, so redete sie sich nun ein, war sie die Kälte. Sie war es, die den anderen Menschen dieses antat. So waren ihre Gefühle zu diesem hier. Mit hängenden Schultern lief sie den verschneiten Bürgersteig hinunter. Sie achtete nicht sonderlich auf ihre Mitmenschen und so wich sie diesen nicht aus. Ihr Blick war starr auf die wenigen Schritte vor ihr ausgelegt.
„Hey, warte!“ hörte sie tief in ihrem Gedanken eine Stimme rufen. Sie schien fern zu sein und erreichte sie kaum an diesem dunklen Ort ihres Seins. War dies ist Bewusstsein, welches ihr sagen wollte, dass sie doch besser auf den Weg achten sollte, bevor sie von einem Auto überfahren würde. Doch was würde dies schaden, dann wäre es mit ihr vorbei, beziehungsweise ihr würde Gerechtigkeit wieder fahren, bei all dem Leid, welches sie den Menschen mit ihrer Persönlichkeit antat.
„Ähm.“ machte die Stimme und pausierte. Hatte sich ihr Bewusstsein geschlagen gegeben und eingesehen, dass sie wohlmöglich recht hatte.
„Yuki!“ jemand rief sie und nun erst begriff sie, dass es nicht in ihr geschah, sondern von Außen, aus der realen Welt. Sie blieb auf der verschneiten Straße stehen, die Autos fuhren an ihr vorbei und sie drehte sich um. Von hinten kam der Neue angelaufen. Er war zugezogen und seit ein paar Tagen in der Klasse. Wollte er ihr nun auch sagen, dass sie an allem Schuld war? Er kam näher und Yuki wurde unbehaglich, doch hielt sie es aus.
„Hallo Yuki, wie mir scheint haben wir den gleichen Schulweg.“ meinte er und lächelte sie an. Wollte er wohlmöglich doch nicht ihr Dasein kritisieren? Sie setzten ihre Gang fort.
„Es ist ganz schön kalt Heute, meinst du nicht?“ und doch, er kritisierte sie, so wie alle anderen auch, hasste er sie.
„Aber ich mag die Kälte. Sie hat so einen beruhigenden Effekt auf mich. Ich könnte stundenlang dem Schneetreiben zusehen, wie er seinen Tanz vor meinem Fenster vollzieht.“ sie errötete leicht, was man bei der Kälte kaum wahrnahm. Für sie waren diese Worte, wie ein Kompliment, welches sie noch nie bekommen hatte. Es war geradezu eine Liebeserklärung für sie. Es gab dort jemanden, der sie, die Kälte, mochte. Er redete viel auf dem Weg und so erfuhr sie einiges über ihn. Und so schien es, dass er der Gegensatz zu ihr war. Sie schwieg den Großteil der Zeit, gab vielleicht mal ein zustimmendes Nicken von sich.
Die Pausen verbrachten sie zusammen. Es war für sie eine große Abwechslung mit jemanden diese doch sonst so quälenden Minuten zu verbringen.
Auch der Heimweg erfuhr durch seine Gesellschaft eine ganz neue Dimension. Sie war es nicht gewohnt, dass sich jemand mit ihr den Weg teilte und sich dann auch noch mit ihr unterhielt oder besser ausgedrückt; Sie unterhielt.
Als sie an die Stelle kamen, wo sich ihre Weg trennten, vereinbarten sie für den nächsten Morgen sich wieder hier zu treffen. Ab hier ging sie schneller. Sie hatte es plötzlich eilig. Sie musste ihrer Mutter schreiben. Ihr schreiben, was sich heute ereignet hatte. Es war ihr selbst noch nicht so ganz begreiflich. Jemand hatte sie angesprochen und war den ganzen Tag nicht von ihrer Seite gewichen. War sie doch nicht so kalt, wie sie dachte. Hatte sie doch auch ihre herzlichen Seiten, die außer ihm niemand wahrnahm?
Sie warf ihre Jacke von sich und setzte sich an den Schreibtisch und schrieb ihrer Mutter einen Brief, in dem sie ihr schilderte, was sich Heute ereignet hatte. Etwas, was für alle anderen vollkommen normall war, war für sie das größte Ereignis in ihrem bisherigen Leben. Sie beschrieb ihrer Mutter den jungen Mann, als eine rund 176cm große männliche Person, mit sehr feinen Gesichtzügen und einem glattrasierten Kinn. Auf seiner etwas zu groß geratenen Nase, die aus seinem Gesicht ragte, wie ein Stalagmit aus dem Boden, trug er eine recht kleine Brille. Dessen Brillengläser durch einen schwarzen Rand eingefasst waren. Seine kurzen Haare machten den Anschein, als wenn er sie nicht gemacht hätte und stattdessen direkt so aus dem Bett gekommen war. Er war recht schlank, vielleicht auch eher sportlich, dass war ihr noch nicht ganz klar, so schilderte sie ihrer Mutter diese Person, wobei ihr wohlig warm wurde.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s