Mittendrin und doch nicht dabei – Epizentrum (4)

Sie war mit ihm unterwegs und zwar in der Stadt. Sie genoß es sehr hier zu sein, sonst war ihr nicht danach außer Haus zu gehen, denn die Leute um sie herum wirken immer so, als wenn sie sie nicht leiden könnten, doch dabei kannten sie sie doch gar nicht. Er musste etwas in der Stadt besorgen und so hatte er Yuki gefragt, ob sie mitwolle. Hier in der Stadt gab es so viele schöne Dinge, die sie nun erst so recht wahrnahm. Sie probierte Kleidung an und zeigte es ihm, manchmal machte er ein Gesicht als hätte er gerade auf eine Zitrone gebissen und zu anderen Zeiten, da schien es ihm zu gefallen, was sie trug. Sie hatte in diesen Momenten das Gefühl, dass sich jemand für sie interessiert und dass sie wahrgenommmen wird. Denn sie musste zugeben, dass sein Geschmack nicht der schlechteste war. Und so bewahrte er sie auch das ein oder andere Mal von einem Fehlkauf. Sie fühlte sich unter den ganzen Menschen, die sie so furchtbar fanden, nun, wo er bei ihr war, nicht mehr so unsicher. Er gab ihr, ohne es zu wissen, ein Gefühl von Sicherheit. Er hatte, ohne es zu erahnen, einen durchaus positiven Effekt auf sie. Sie trug dies nie nach Außen, doch in ihr fühlte es sich gut an. Es hatte sich vieles für sie geändert, vor allem aber waren ihre Gedanken nicht mehr so düster, wie zu vor und das nur wegen einer Person.

Er kochte. Sie schaute. Sie schaute einfach. Er konnte keine Neigung in ihrem Gesicht ausmachen. Sie schaute ihm einfach beim Kochen zu, ohne, dass er eine Vorstellung davon hatte, ob das, was er hier machte, ihr zusagte. Doch Yuki war interessiert und schaute ihm aufmerksam beim Kochen zu. Es war für sie unbegreiflich, wie ein Mensch so gut mit Pfanne, Messer und den Zutaten umgehen konnte, dass so etwas leckeres dabei herauskam. Jeder Versuch ihrerseits etwa szu kochen, endete zumeist in einem chaotischen Zustand der Küche und weniger in Etwas essbarem. So war sie fasziniert von den Handlung, die er vor ihr vollzog. Heute gab es Okonomiyaki. Sie hatte diese schon oft in einem Schnellimbiss gegessen, doch noch nie wurde es ihr gemacht. Er servierte das Essen und Yuki begann zu essen, es schmeckte ihr sehr gut. Die Imbiss-Variante war ein Witz im Vergleich zu diesen. Es löste ein Feuerwerk an Geschmäckern auf ihrer Zunge aus, welches sie niemals in Worte hätte fassen können. Es war für sie nicht nur ein kulinarisches Vergnügen; nein, für sie war es auch wundervoll während der Mahlzeiten nicht alleine zu sein. Ihr Vater war meist den ganzen Tag auf der Arbeit und so aß sie zumeist alleine und nur irgendwelche Fertiggerichte, die nicht mal besonders schmeckten. Für sie war dies eine willkommen Abwechslung zu ihrem sonst, so tristen und einsamen Leben.

Es sollte auf eine Klassenfahrt in die Berge gehen. Bisher hatte sie sich jedes Mal auf’s Neue vor den Fahrten gedrückt. Einmal meldete sie sich vorher krank, ein anderes Mal hatte ihr Vater keine Lust das Geld zu bezahlen, was ihr nur recht und nicht mal gelogen war.
Doch dieses Mal war alles anders. Sie hatte ihn und er würde auch mitfahren. Sie wollte dabei sein, bei ihm sein.
So kam es Vorfeld der Reise dazu, dass keine der Mädchen Yuki auf ihrem Zimmer haben wollten. Sie verstand nach wie vor nicht, wieso man sie nicht leiden konnte. Hätte man es nicht bei dieser Gelegenheit sagen können? Sie hätte sich vielleicht ändern können, doch ohne einen Anhaltspunkt konnte sie dies nicht. Er verstand dieses ganze vorgehen nicht. Generell war ihm nicht ganz klar, was die Klasse gegen sie hatte.
Gleich der ersten Abend dieser Reise endete in einem Desaster. Yuki war gerade mit einigen anderen Mädchen unter der Dusche. Sie duschte. Sie stand gerade unter der Dusche, wie sie bemerkte, dass das handtuch, welches sie gerade dort hingehängt hatte, weg war. Sie hörte noch die Tür zugehen und schaute aus der Duscher heraus. Ihr fiel auf, dass ihr ganzen Sachen weg waren. Panisch und angst erfüllt. Machte sie, dass erste, was ihr den Sinn kam. Sie wollte in das Zimmer zurück. Sie wollten sich ihre Sache wiederholen. Sie öffnete Vorsichtig die Tür. Der Flur war leer und lediglich durch das schwache Licht der Notausgangsbeleuchtung erhellt. So eilte sie, nasse Fussspuren auf dem Boden verteilend zu ihrem Zimmer. Sie betätigte die Klinke, doch die Tür ging nicht auf. Sie hörte von Innen gekicher. Von der Badezimmertür her hörte sie, wieso diese eben falls zugezogen wurde. Sie ging schnell zurück, doch nun war diese auch zu. Auch hier wieder gekicher. Yuki liefen einigen Tränen, die Wange runter. Wieso musste man so gemein zu ihr sein? Womit hatte sie dieses Schicksal verdient? Ist sie so ein kalter Mensch? Sie sah, wie die Zimmertür aufging und Licht auf den Flur fiel. Ihre Zimmergenossinnen guckte heraus und grinsten sie böswillig an. Yuki eilte zu der Tür. Doch sie knallten ihre diese lautstark vor der Nase, schlossen ab und begannen zu lachen. Sie beann nun zu weinen. kauerte sich auf dem Boden zusammen. Die Beine und Arme schützend vor ihren nackten Leib verschränkt. Eine andere Tür ging auf und nun dachte sie, dass es aus sei. Die ganze Klasse würde sie gleich nackt sehen. Sich über sie lustig machen. Sie hatte vermutlich so verdient, schließlich war sie ein böser Mensch, der den anderen schlimme Dinge antat. Ihr Gedanken wurde düster. Doch er blickte heraus. Sie blickte ihn an und sah, wie seine ahnungslose Miene sich schlagartig verfinsterte. er verschwand wieder. SIe fühlte sich nun so einsam. Auch er würde sie nun verlassen. Der einzige Mensch, zu dem sie jemals eine Beziehung aufbauen konnte, ließ sie nun im Stich. Doch nein, er kam wieder. Hielt in der Hand eine Morgenmantel und warf ihr diesen über. Nahm sie vom Boden auf und schaffte sie in sein Zimmer, wo nur er war. Nachdem er sie auf dem Bett platziert hatte, war er wortlos wieder verschwunden. Immer noch weinend wartete sie dort, bis er wenigen Sekunden später wiederkam mit einigen ihrer Sachen. Sogleich er wieder im Raum war fühlte sie sich besser. Er sagte irgendetwas und stellte sich ans Fenster, den Blick starr nach Draußen gerichtet. Sie beruhigte sich leicht. Ihr war es egal, ob er sie nackt sah. Sie zog sich an.

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