Mittendrin und doch nicht dabei – Epilog (1)

Es war langsam finster geworden. Die Sonne hatte sich gesengt und genauso auch ihre Stimme. Sie war fertig. Hatte erzählt, was sie zu sagen hatte und mich berührt. Ich war aufgewühlt, konnte nicht fassen, was ich dort zu hören bekam. Konnte icht fassen, dass man so lebte. Ich musterte Ai an, die äußerst nachdenklich dreinblickte. Sie schaute kurz von ihren Hände auf und zu mir. Ihr Augen trafen mich tief. Mit diesem Blick, so hatte ich das Gefühl, berühre sie meine Seele, ganz leicht, aber sehr deutlich. Sie fragte meine Seele, wie sie all dies zu verstehen haben sollte. Sie hatte viele Frage, vermutlich verstand sie noch weniger als ich, wobei es doch so war, dass sich ein großer Stein gelöst hatte. Genau genommen war es nur ein Kieselstein, der aber doch dafür sorgte, dass das Wasser sich wieder im Flussbett ergoss. Hätte ich all das doch nur eher gewusst? Dann hätte ich ihr vielleicht helfen können. Dann hätte ich uns helfen können. Aber so war es nicht. Ich wusste von nichts. Ich war unwissend, aber blind? Ganz offenslicht war ich auch blind. Ich war blind zu sehen, dass es dort jemanden gab, dem ich viel bedeutete und der meine Hilfe gerne gebraucht hätte. Doch ich war nicht sehend und so nahm es hin. Wie ein welkes Blatt fiel sie vor meinen Augen zu Boden, doch ich nahm es nicht war. Ich wusste nicht, ob ich mir die Schuld geben sollte, es nicht bemerkt zu haben? Oder sollte ich mich gerade glücklich schätzen, dass ich Yuki als einen Menschen wahrnahm, als einen ganz normalen Menschen? Für mich war sie immer eine schüchterne junge Frau, die kaum Kontakte hatte, doch sie war für mich sie.
Kazuko blickte mich mit einer Mischung von Erleichterung und Erwartung an.
„Danke.“ sagte ich nur, denn zur Zeit wusste ich nicht mehr zu sagen. Es wog alles noch so schwer. Auf der einen Seite, gab ich mir die Schuld an ihrem Tod, doch auf der anderen Seite, hatte ich das Gefühl ihr etwas Leben gegebene zu haben, von dem sie zuvor nichts wusste. Ein Gemisch von Trauer und Linderung durchfuhr mich.
Die Zeit strich voran. Alle an diesem Tisch waren mitgenommen von diesen Worten. Sie hatten einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ai hatte vermutlich eine ganz neue Facette an ihrer Mutter wahrgenommen. Kazuko stand die Erleichterung in das Gesicht geschrieben, sie wirkte sogleich einige Jahre jünger. Und ich, ich kannte nun ein wenig mehr der Wahrheit und konnte besser damit Leben. Leben mit der Leere, die sie doch hinterließ.
Ich rührte mich. Alle Blicke hafteten sofort an mir. Beamtenmikado auf höchsten Niveau war dies. Ich stand auf und ging zum Fenster. Draußen war es ruhig. Viele Lichter in der Stadt unter uns waren bereits erloschen. Der Himmel zeigte mir doch um so mehr blinkende Lichter, die vielleicht lange schon erloschen waren, aber dennoch den Weg hier her fanden.
Nach einer Weile verabschiedet sich Kazuko zu Bett. Etwas später dann auch Ai. Sie zeigte mir aber noch mein Zimmer und gab mir Wäsche.
Ich, auch wenn ich nicht müde war, ging zu Bett. Gegen aller Erschütterungen meiner stelbst zum Trotz schlief ich recht bald ein.
Ich träumte. Ich träumte einen Traum, wie ich ihn schon kannte.
Ich war im All und unbekleidet. So schwebte ich hier herum. Ich atmete nicht, verspührte aber auch nicht den Drang danach. Ich sah die Sterne und Planeten, wie sie Licht spendeten und Wärme. Wie ich so wohlig und gewärmt in dieser Leere dahin trieb, fiel mir ein Stern auf, welcher immer größer zu werden schien. Meine Sorgen und Ängste war ganz fern, nein, sie waren erloschen. Erloschen wie ein Stern nach seinem Leben. Mit einem großen Kanll waren sie wie eine Seifenblase zerplatzt. Meine Gedanken waren geordnet. Sie hatten alle ihren Platz, wie in einer Büchrreih waren sie systematisch abgestellt. Wie er so näher kam, wurde es noch wärmer, aber nicht zu heiß. Es war eine angenehme Wärme, wie vor einem prasselnden Kamin. Der Stern kam auf mich zu. Er trug einen wunderschönen Schweif hinter sich her, in dem kleine Funken zu sehen waren. Ich begann mich zufrieden und glücklich zu fühlen. Der Stern begann zu sprühen. Flammende Teile sprengten sich ab und erhellten die Leere. Und nach und nach kam etwas zum Vorschein. Zunächst sah ich einen Arm und dann schwarzes glattes Haar. Ich spührte meine Finger und Zehen wie sie zu zucken begannnen, alles in mir woltle dorthin. Mein Atem war unregelmäßig. Ich war frohen Mutes. Ein Gesicht war zu sehen. Es war dieses Gesicht, welches Yukis so ähnlich sah und es doch nicht war. Es war Ai, die aus diesem Gestirn gebohren wurde. Sie blickte mich an und kam auf mich zu. Sie schenkte mir eine strahlenden Lächeln, welches selbst die Helligkeit des Sterns erblassen ließ. Die Sterne um uns schienen heller zu leuchten. Ais nackter Körper wurde von den lodernden Funken um uns beschienen, wie ein Star auf der Bühne. Sie war es. Sie reckte die Arme in meine Richtung. Auch ich streckte meine Arme ihr entgegen. Egal was es war. Wir würde uns erreichen. Wir näherten uns einander an. Ihr Hände umfassten mein Gesicht. Wärme breitete sich über meinen Wangen aus. Ich umfasste ihre nackte Hüpfte und zog sie an mich heran. Unsere unverhüllten Körper berührten sich und spendeten einander Wärme. Sie legte die ihre Stirn an die meine und wir blickten uns lange in den Ozean unserer Seelen. Wie wir einander dort fanden, hielten wir einander fest und küssten uns. Die Behaglichkeit ihrer Lippen ließ mich erwachen.
Ich hatte ejakuliert. Sehr stark sogar. Im ersten Moment meines Erwachens war ich perplex über diesen Umständ. Er war so lange nicht mehr geschehen. Doch in mir war große Freude. Freude über diesen Traum, nicht unbedingt über das Resultat, aber über die Leichtigkeit, welcher er mir vermuttelte. Ich stand auf und ging über den Flur ins Bad, um mich sauber zu machen. Als ich aus dem Bad wiederkam, merkte ich, dass der Flur hell erleuchtet war. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich es nicht war, der dieses Licht angemacht hatte. Ich folgte dem Licht und er führte mich an eine Treppe, welche nach oben führte. Wie ich so hoch blickte, sah ich die Sterne. Ich ging die Treppe empor.

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