Ein Lachen

Er liegt auf dem Boden. Ausgerutscht durch seine Tollpatschigkeit. Wir stehen um ihn. Er ist umringt von uns, die wir stehen und lauthals lachen. Das Gelächter sprudelt nur so aus mir heraus. Er kommt aus mir und manifestiert sich. Bekommt eine Gestallt und plötzlich merke ich, dass ich alleine bin. Alleine mit ihm. Meinem Lächeln. Gestützt auf einem Stock blickt er mich abschätzig an. Als hätte ich wirklich etwas Blödes getan. Etwas, was sich nicht gehört und so bald verstumme ich.
„Tze tze tze…“ macht er bloß, doch seine Miene bleibt dieselbe. Dieser abschätzige Blick als sei ich etwas was weniger wert sei. Ein Haufen Müll.
„Wieso lachst du?“ fragt er mich in einem ernsten Tonfall.
„Weil sich dieser fette Idiot voll auf die Fresse gelegt hat.“ teile ich ihm mit und deute an die Stelle, wo er zuvor noch lag. Doch dort ist nur Schwärze.
„Ach so.“ sagt er milde, mit einem Anflug von Belustigung. Blickt dabei zu Boden und im nächsten Moment liege ich am Grund und er blickt mich an. Seine Haltung hat sich nicht verändert. Ich habe die meine geändert. Liege nun am Boden. Habe Schmerzen im Rücken. Bin ich gestürzt? Ich blicke hoch in sein Gesicht. Es hat immer noch diesen missbilligenden Gesichtsausdruck. Doch nun dringt etwas an mein Ohr. Es sind die Stimmen der Anderen. Sie kommen näher, wie die Wellen zum Gezeitenwechsel. Sie lachen. Was ist denn hier so lustig? Ich bin es. Sie stehen um mich herum. Zeigen mit den blanken Fingern, die mich wie Messerstiche durchbohren, auf meine Person, der am Boden kauert. Ihr Lachen, in welches ich einstimmte, missfällt mir nun zutiefst, wie der ekeligiges Geruch von vergammelten Essen sich in der Nase verkrallt, setzt sich das Lachen in meinen Ohren fest und lässt mir eben gerade diese Gefühle von Ekel und Abscheu emporsteigen. Sie kommen hoch und brechen aus mir heraus, wie kleine Wasserfälle. Sie lachen noch mehr.
„Was soll das?“ keife ich sie an, doch sie sind schon wieder weg und allein das Lachen bleibt zurück mit mir.
„Gute Frage. Was soll das?“ er blickt mich an, hebt dabei eine Augenbraue und nickt.
„Du hast verstanden.“ sagt mein Lachen und seine Form wird ungenau. Verflüssigt sich und wabert als Masse wieder in mich hinein.
Ich stehe dort zwischen den anderen. Sie lachen. Sie lachen aus voller Kehle. Ich jedoch nicht mehr. Ich trenne mich von ihnen, in dem ich eine andere Welt betrete und in dieser reiche ich dem Jungen am Boden meine Hand.
„Komm ich helfe dir.“ Das Lachen verstummt.

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2 Antworten zu Ein Lachen

  1. Kiira schreibt:

    Das ist eine wunderschöne Geschichte 🙂

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