In Ketten gelegt

Ich sitze dort. Die dicken kalten Ketten um mich gelegt. Sie sind schwer und zerren an meinem Leib. Mir fehlt der Raum zur Bewegung zur Entfaltung. Und dabei würde ich mich so gerne Entfalten, wie ein Vogel seine Schwingen ausbreitet und in den Himmel davon steigt.
Und als nächstes werde ich in die nasse See geworfen, welche mich erbarmungslos verschlingt, wie ein hungriges Tier.
Eiskalt schließt sie sich der Schlund dieses Ungetüms um mich und hüllt mich in empfindungslose Kälte ein.
Und so sinke ich zum Grund. Ich zapple und trete. Versuche mich der Ketten, welche sich in mein Fleisch schneiden wie Messer, zu entledigen, doch all das nützt nichts. Die Helligkeit nimmt ab, als würde die Sonne untergehen und so schwindet auch noch das letzte Fünkchen Licht. Die letzte Luft sprudelt aus mir heraus und in den Luftblasen sehe ich es. Ich sehe meine Geschichte und dort sind sie, Mutter und Vater, wie sie unzufrieden dreinblicken, wie eh und je. Sie haben nie Zufriedenheit gezeigt, waren stets von einer solchen Schwere, dass sie gebeugt ihr Tagwerk verrichteten. Sie sind nicht glücklich mit dem, was sie tun. Sie tun es nur, weil sie alternativlos sind, wie Lemminge haben sie sich ihrem Schicksal ergeben unglücklich zu sein.
Und ich erkenne, dass ich es bin, der mich in die Tiefe geworfen hat. Eine Tiefe in der auch meine Eltern sind. Ich habe mich versenkt, denn ich gestehe mir nicht ein glücklich zu sein. Ich gestehe mir nicht ein mehr zu haben als meine Eltern, doch ich will mehr. Ich will mehr und ich muss dafür auch etwas tun. Die Ketten, die ihr mir aufgelegt habt, muss ich abstreifen, um meinen eigenen Weg zu gehen. Der Tiefe ich entrinnen, um mein Glück selbst zu schmieden. Ich will für mich selbst verantwortlich sein und mein eigener Herr sein und dafür muss ich etwas tun. Ich muss es aber auch tun und darum beginne ich nun damit. Ich spanne meine Muskeln an, bis sie beinahe bersten und dann presse ich mit meiner gesamten Kraft die Kette auseinander. Die Kette rutscht von meinem Körper in die Tiefe und ich bin frei. Ich schwimme nach oben zur Oberfläche, wo mich die frische Luft der Welt erwartet, die für mich alles bereithält. Ich tauche ich aus der Dunkelheit empor und erblicke zusehends das Licht der Welt, welches hier unten verzerrt eintrifft. Ich breche durch die Wasseroberfläche. Die Sonnenstrahlen eines neuen Tags brechen sich in dem Wasser und auf meiner Haut legt sich ein wärmender Hauch. Ich schaue um mich. Nirgends erblicke ich Land. Doch dies ist nicht schlimm. Denn nun habe ich die Möglichkeit mich zu entscheiden. Ich muss es nur machen. Einfach machen, einfach drauf los. Denn irgendwo dort Draußen liegt es. Mein Glück.

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2 Antworten zu In Ketten gelegt

  1. apfelesserin schreibt:

    dem zu entwachsen, was einem eingebläut wurde, dem zu entwachsen, was für andere galt oder gilt, das dauert. es ist gut, wenn du deine eigenen regeln und werte findest und so lebst und liebst, wie es dir entspricht. alles liebe für deinen weg, lg apfelesserin

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