Verantwortungsgefühl

Ich bin nun nicht zum ersten mal Tutor an der Universität und versuche den Studierenden der Chemie die wundersame Welt der Mathematik näher zu bringen, aber dieses Mal habe ich das Gefühl, dass es schief gegangen ist.
So habe ich Heute noch ein vierstündiges Zusatztutorium veranstaltet, wo ich die lieben Kleinen einfach habe rechnen lassen. Sie sollten einfach ein wenig Routine bekommen. Die Aufgaben waren zwar über dem Niveua der Klausur gewählt, aber es sollte auch nicht zu leicht werden und so habe ich sie mal machen lassen. Ich habe nichts neues mit ihnen gemacht, aber dennoch sah ich bei einigen absolute Verständnislosigkeit. Grundlegende Rechenarten, wie Bruch- oder Potenzrechnung waren auf einmal in weite Ferne gerückt und ließen sich par tout nicht blicken. Ebenso haperte es auf einmal mit Dinge, die in der Schule bis zum Erbrechen gemacht wurden. Kurvendiskussion und Integrieren waren auf urplötzlich Weise zu Fremdwörter geworden.
Da kam in mir der Zweifel hoch, ob ich ihnen nur in Gedanken die richtigen Themen verabreicht habe oder ob ich es doch in der realen Welt, die ich mit ihnen teile, getan habe.
Für mich war dieser Tag wahrlich erschreckend. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Klausur in zwei Tagen ist.
Was haben die Kleinen gemacht während des Semesters? Zugegebenermaßen muss man sagen, dass sie wirklich mit Labortagen und Berichten zu tun hatten, aber dennoch sollte es doch möglich sein ein wenig Zeit für die anderen Fächer zu finden, denn auch darin soll eine Prüfung abgelegt werden oder liegt es daran, dass wir die Schüler nun bereits nach zwölf Jahren aus den Schulen entlassen und auf die Hochschulen loslassen? Wer hat dann hier versagt, die Schulen, weil sie nicht die nötige Arbeitsweise vermitteln oder die Universitäten, weil sie auf wesentlich erwachsenere Menschen eingestellt ist?
Dennoch frage ich mich ernsthaft, ob ich etwas falsch gemacht habe. Ich hoffe doch sehr, dass die Kleinen es schaffen werden. Für viele ist lediglich bestehen das Ziel und dafür sollte es doch reichen… hoffe ich zumindest. Viel Erfolg oder braucht ihr doch eher Glück? Ich drücke euch auf jeden Fall die Daumen.

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10 Antworten zu Verantwortungsgefühl

  1. Sherry schreibt:

    Das Problem ist die Art, wie in den Schulen Mathematik gelehrt wird. Wenn man da nicht schon von „Natur“ aus eine Affinität für hat, ist man aufgeschmissen. Dazu gibt es auch einige Untersuchungen … In Japan lehrt man Mathematik viel praxisnaher. Die werden Integralrechnung nie wieder vergessen. *seufz*

    Hast du ihnen wenigstens gesagt, dass die Aufgaben schwieriger waren als sie es in der Klausur sein werden? Oder gehen die heute Abend mit Panik ins Bett? =)

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Natürlich habe ich ihnen gesagt, dass die Aufgaben deutlich über Klausurniveau liegen, dies wurde schließlich auch von ihnen selbst gefordert. Sie wollten knackige Aufgaben. Natürlich waren auch einige einfachere Aufgaben dadrunter, die sehr ähnlich zu ihren Übungsaufgaben waren, da ich dazu keine Fragen bekommen habe, kann man ja noch hoffen.
      Der Paxisbezug fehlte zu meiner Schulzeit schon, aber ich muss sagen, dass dort nachgebessert wurde, aber selbst von den Universitäten wird darauf nicht geachtet. Die Übungsaufgaben waren lediglich Aufgaben zum Anwenden von Lösungsstrategien und ich durfte mir dann überlegen wofür das später in deren Job gut sein könnte.
      Dennoch fiebere ich mit. ich glaube, dass ich vor deren Klausur mehr angst habe, als vor meinen eigenen^^.

  2. SirGrinsekatze schreibt:

    Hey, also ich kann von mir aus sagen: Du hast mich zur 1.0 gebracht, also kann es nicht (ausschliesslich) an dir liegen! Und ich habe auch nah 12 Jahren Abi gemacht und war in der Schule ein 4-7 Punkte Kandidat im Mathe LK.. Mathe ist scheiße ist die Meinung der meisten und wird viele vermutlich dazu bringen nichts zu tun..:/

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Ja, das stimmt wohl. Dich habe ich durchgeprügelt^^.
      Eine Nullbock-Stimmung ist sicherlich zu vernehmen, aber trotzdem fragt man sich doch immer mal, ob man nicht sein Möglichstes getan hat.

  3. Kiira schreibt:

    Lieber Mr. Winterschein,
    Dazu denke ich, dass die Leistung und das Wissen von deinen Studis davon abhängt, wo sie die Schwerpunkte setzen und was sie gerade um die Ohren haben. Man kennt das doch, Alles ist im letzten Monat der Semestervorlesungen: Referate und Klausuren sind geballt auf einem Haufen, als wenn man die nicht hätte eher machen können (zumindest die Referate…). Und da muss man dann auch gleichzeitig seine Prioritäten legen: Wofür lerne ich wieviel? Und dann weiß man ja nicht, wie viel Freizeit die Studis haben, einige müssen auch viel arbeiten, haben zeitaufwändige wichtige Hobbies, oder es ist im Privaten gerade viel zu tun.🙂
    Wenn du dir Mühe gegeben hast und dir deine Studis positive Rückmeldung gegeben haben sollten, solltest du dir keine Vorwürfe machen🙂 ….. du bist nicht für deren Leistungen verantwortlich

    • Mr. Winterschein schreibt:

      Moin Kiira,
      sicherlich liegt es auch daran, wo sie gerade ihren Kopf eher haben, aber doch so unbefangen an die Klausur ranzugehen, versetzt zumindest mich in Angst und Schrecken. Ja, sie waren zufrieden mit dem Tut. Zumindest wurde ich stets im Vergleich zu dem anderen Tutor gelobt.
      Natürlich bin ich nicht für deren leistungen verantwortlich, aber man fibert doch schon mit denen mit. Man hat ein halbes Jahr mit denen verbracht und dann kennt man einige doch schon und möchte doch durchaus ihr bestes.
      Liebe Grüße.
      Mr.W.

  4. oh je….. das erinnert mich daran, als meine Kinder noch zur Schule gingen. Sie haben beide nicht studiert, aber beide sind in verschiedene Schulen gegangen und ich hatte so den direkten Vergleich. Es ist ein himmelweiter Unterschied gewesen in der Art WIE und WAS sie lernten und vor allem, WIE es ihnen mehr oder weniger verständlich beigebracht wurde.
    Ich kann nur sagen, in den Schulen wird einiges versäumt, vor allem das Wichtigste. Und das ist für mich unter anderem die Arbeitsweise, wie du es auch schon ansprachst.
    Über das Thema Schule könnte ich Bände füllen, das kann ich dir sagen.
    Beide Kinder sind nun im 2. Ausbildungsjahr und es sieht so aus, als ob es ganz gut klappt. Es liegt aber auch sicher etwas daran, dass sie nun ausschließlich unter Erwachsenen sind (bis auf die Berufschulwochen), und sich somit auch erwachsener verhalten.

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