Aufwiedersehen (11)

Kapitel 18

Ich blicke dich an. Ich schaue in deine dunkelbraunen Augen. Leicht marmoriert sind sie, wie Zedernholz glänzen sie und ich habe das Gefühl darin zu versinken, wie in einen gemütlichen Holzstuhl. Dein dunkles struppiges Haar, welches so ausschaut, als seist du gerade erst aus dem Bett gekrochen, lässt in mir den Wunsch aufkommen gleich wieder mit dir in diesem zu verschwinden. Deine Haut wirkt so hart, als sei sie im Wetter gefestigt worden, doch wer weiß, was dich wirklich dazu getrieben hat ein solch gegerbtes Gesicht zu erlangen.
Spitz wie ein Berg ragt deine Nase aus deinem Gesicht empor, es ist nicht so das man Angst davor haben müsste von ihr verletzt zu werden, wenngleich sie doch sehr zugespitzt wirkt. Vermutlich ist es eher eine Art Kompass für dich, nach dem du dich orientierst.
Glattrasiert ist es, dein Kinn, sowie dein ganzes Gesicht. Kein Härchen ist zu sehen.
Ich würde mich so gerne an deine breite Brust schmiegen und mit dir in deinen Armen den Sonnenuntergang betrachten.
Auch wenn das Licht des Tages erlöschen würde, so würde in uns das Feuer der Leidenschaft brennen, welches uns wärmt und stärkt.
Es wäre so schön.
Doch dein Gesicht trägt das Zeichen der Zeit. Du wirkst erschöpft und ermattet. Des Lebens müde scheinst du zu sein, aber nur warum? Was nimmt dich so mit? Was ist dir widerfahren?

Kapitel 19

Sie läuft durch die Straßen. Die Lichter aus den Lokalen spenden Helligkeit und die Reklameschilder preisen Speis und Trank an. Ihr Magen knurrt und rumort. Es tut weh. Sie hat zu viel gespielt. Sich zu sehr verausgabt und nun, nun hat sie keine Nahrung, um ihrer Kräfte wieder zu erlangen. Labil und ohne Ziel streift die Kleine durch die Straßen der Stadt. Bergauf geht es hier. Ist dies ihr Weg direkt in Gottes Reich?
Ihre kleinen Händen hat sie sich auf ihren schmerzenden Bauch gelegt, doch auch dies nützt nichts.
Durch die Fensterläden hindurch sieht sie lachende und schwatzende Menschen, die sich das Essen, welches dampft und fantastisch ausschaut, einverleiben. Ihr Magen rebelliert und verlangt auch nach einer Mahlzeit. Sie stolpert die Straße hoch. Ihre Beine fühlen sich von dem Laufen im Sand so träge an, als würde sie nach wie vor in eben diesem nachgiebigen Brei herumwarten. Und so werden ihre Schritte immer schwerer als würde Beton an ihnen haften und schließlich bleibt sie stehen. Die Menschen laufen um die Kleine herum. Nehmen etwas mehr Abstand zu ihr, denn zu dieser Jahreszeit ist es nicht gerade üblich nur mit Jeans und T-Shirt in der Nacht umher zu laufen.
Es wird kälter. Auf ihrer Haut breitet sich Gänsehaut aus und ihre Haare stellen sich zur Abwehr der Kälte auf.
Sie ist geschwächt und als Folge dieser Schwächung ermüdet sie langsam.
Ihr Blick wandelt umher. Von den Reklameschildern zu den degoutierten Blicken der Menschen um sie herum in eine Seitegasse, in der ein Bäcker gerade einige Brötchen in die Mülltonne schmeißt. Ein flüchtiges Lächeln zaubert sich auf ihre Gesicht. Hat er doch so gerade seinen Besitz von sich gestoßen und es anderen zu Verfügung gestellt. Als der Bäcker weg ist, geht sie hinüber. Sie nimmt den Deckel ab und blickt hinein. Dort liegen sie. Brötchen. Sie greift nach einem und merkt sogleich, dass es ganz hart ist. Doch ihren Magen verlangt es danach. Sie schließt die Augen und beißt von dem Brötchen ab, welches sich kauen lässt, als hätte man zähes Leder im Mund. Doch ihr Magen füllt sich und sobald ist sie nicht mehr hungrig, entweder liegt es am schlechten Geschmack der Brötchen oder weil ihr Magen bereits so sehr geschrumpft ist, dass er nicht mehr so viel aufnehmen kann.
Die Finsternis breitet sich aus.

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