Ausgegraben: Aufwiedersehen

Kapitel 0

„Sanji! Sanji, guck mal!“ flötete es zu mir herüber. Ich schaute mich um, und erblickte Nami, wie sie stolz vor ihrer Sandburg saß. Ich ging rüber zu ihr.
„Wow, die ist aber groß!“ staunte ich ganz wahrheitsgemäß. Wirklich, sie hatte hier eine riesige Sandburg gebaut, mit all den kleinen Türmchen. Sie hatte sich sogar die Mühe gemacht und auf den Zinnen kleine Sandhäufchen gemacht, die die Wachen waren. Sie zeigte mir alles haargenau. In ihrer Phantasie gab es dort Platz für Pferde und Menschen, Obststände. jJ, sogar ein ganzer Markt sollte im Inneren des Hofes Platz finden.
„Und dort gehen wir dann jeden Morgen zusammen Einkaufen. Frisches Obst und Gemüse. Fisch und vielleicht sogar manchmal Fleisch kaufen wir dann dort ein. Und hier …“ sie deutete auf das größte Gebäude der Sandburg „werden wir wohnen. Es wird ganz tolle bunte Fenster haben, die uns Geschichten erzählen.“ In ihren kleinen dunkelbraunen Augen konnte man ihre Erzählungen verfolgen. Man sah geradezu, wie es Gestalt annahm, und sich der Realität annahm.
„Und wenn ein böser Drache kommt, um dich wegzunehmen, dann komme ich und werde ihn kaputt machen und dich befreien.“ sagte ich ganz stolz und siegessicher. Nami lächelte und der Wind, der über den Spielplatz zog, wie eine Herde Pferde, wirbelte ihr kinnlanges schwarzes Haar umher.

Kapitel 1

Ich bin wach. Ich habe gerade geträumt und so denke ich an das geträumte. Doch ist es kein Traum. Es ist eine Erinnerung. Eine Erinnerung an eine Zeit, die lange zurück liegt. Gesagtes, was niemals Realität wird. Eine Realität, die so jäh endet.
Ich bin umgezogen. In eine neue Stadt. Eine Stadt, in der ich niemanden kenne. Und in der mich niemand kennt. Hier kann ich einen Neuanfang starten. Das Vergangene hinter mich lassen. Es ist zu viel geschehen, als das ich dort bleiben könnte. Die Gesichter weiterhin sehen. Wie sie mich bedauernswert betrachten, als sei ich ein Tiger, welcher Gefangen in seinem Käfig auf und ab geht, ohne auch nur die Chance auf Befreiung.
Hier, an diesem Ort, kennt mich niemand. Ich kenne sie auch nicht. Ich bin wie ein Blatt, welches vom Baum fällt und so falle ich in ihre Mitte.
„Begrüßt bitte euren neuen Mitschüler.“ leiert der Klassenlehr, es klingt, wie von einer alten Kassette, die man nicht sonderlich gut in Schuss gehalten hat.
Hinter mir an der grünen Tafel steht mein Name in großen Lettern geschrieben. Die weiße Magnesiumoxid brökelt leicht von der Tafel ab und hinterlässt blasse Zeichen meiner Selbst. Das Pult zu meiner rechten ziert die Klassenliste und ganz unten wurde mein Name ergänzt. Er steht dort, nicht gedruckt, sondern in Handschrift. Erhalte ich somit etwas Persönliches oder gestaltet sich dadurch schon eine Außenseiterrolle meiner Person heraus? Als „der Neue“ werden sie mich sicherlich in ihren Köpfen speichern. Mein Name? Für sie Schall und Rauch. Haben sie doch ihre Gruppen, in denen sie sich geborgen fühlen, wieso einen unbekannten Eindringling hinzufügen?
Die Fenster zu meiner rechten gebieten den Blick auf den Sportplatz, welcher gerade von einigen Klassen genutzt wird. Man sieht die Schüler über den Platz rennen, als sei der Teufel hinter ihnen, doch dabei ist es nur die Lehrkraft, welche sie zu Höchleistungen antreibt.
Und vor mir. Wie an einem Lineal gerade gezogen stehen die Tische in Reih und Glied. Alle zeigen sie nach Vorne und die Personen blicken zu mir. Ihre Augen sind auf mich gerichtet und in ihren Köpfen bilden sich bereits erste Erwartungen meiner Person, welche vermutlich nicht zutreffen werden. Ich blicke in ihre Gesichter. Schwarze Haare zieren zumeist ihre Köpfe. Ihre Augen, zumeist verschlafen und desinteressiert, blicken im Raum umher und primär auf mich.
Dann sehe ich sie dort. Schwarz glänzend ist ihr Haar. So lang, als hätte sie es Jahr um Jahr wachsen lassen. Die Augen so grün, wie die saftigen Wiesen Neuseelands, halten sie mir eine Weite und Unergründlichkeit entgegen. Und dann unterhalb des linken Auges diese drei Muttermale, die so aussehen, als würde dort schwarze Tinte die Tränen ersetzen. Ich blicke hier in das Angesicht eines Menschen, den ich zurückgelassen habe. Mir läuft es kalt den Rücken runter. Dieser Schauer umfasst mich und zieht mich hinab in die Tiefe und lässt mich dort. Es kann nicht wahr sein. Es muss eine Einbildung sein. Ich schließe die Augen und öffne sie erneut. Immer noch! Sie sitzt dort und blickt mich mit einer ernsthaften Miene an. Strenge liegt in ihrem Gesicht. Ein emotionslose Gesicht blickt mich an, wie ich es nicht gewohnt bin. Anders sah es aus, zumindest das letzte Mal. Gelächelt hast du, jedes Mal, wenn wir uns trafen. Doch nun blickst du mich so an, als sei ich an allem Schuld. Ich sehe wie sich ihre Lippen bewegen. Ich verstehe nichts. Bin gelähmt und gefangen in meinen eigenen Gedanken. Ich sehe, wie sich der Blick der anderen verändert. Sie schauen misstrauisch und belustigt, manchen liegt ein Grinsen zu Grunde. Ich werde an der Schulter gepackt. Reflexartig greife ich die Hand, verdrehe sie und schaue meinem Feind ins Gesicht. Es ist der Lehrer.
Erschrocken von meinen eigenen Verhalten lasse ich die Hand los. Sein schmerzverzerrtes Gesicht entspannt sich leicht wieder, wie die Muskulatur nach der Anspannung. Er reibt sich das Handgelenk und ich entschuldige mich vielmals. Er bittet mich mürrisch platz zunehmen und so setze ich mich auf den letzten freien Sitz. Hinten in der Ecke am Fenster.
Wie ich so durch ihrer Reihen schreite, werfe ich noch einen Blick zu ihr. Sie schaut mich nicht an. Nicht so wie die Anderen, die mir sogar, wenn ich an ihnen vorbeischreite, auszuweichen scheinen. Dies ist der bestmöglich Eindruck, welchen ich hier hinterlassen konnte. Aber dies ist nun egal. Viel wichtiger ist. Wie kann es sein, dass sie hier ist? Ist sie es? Kann nicht sein!

Kapitel 2

Die Nonne hält sie fest und schlägt das kleine Kind. Sie mag vielleicht vier Jahre zählen und doch quängelt es noch, als sei es keine zwei Jahre alt. Es schreit und weint und wünscht sich nichts sehnlicher als zu seiner Mutter zu gehen. Doch die Nonne lässt sie nicht. Sie wütet und tobt, wie ein Sturm übers Meer und mit einer fegenden Bewegung versetzt ihr die Nonne eine Backpfeife, die in ihr wiederhalt als sei sie in einem riesigen leeren Raum. Das Mädchen ist versteinert. Sie blickt entsetzt zu Boden und hält sich die Wange. Es schmerzt und ist warm. Soviel Wärme hat das Kind noch nie vernommen, zumindest kann es sich nicht daran erinnern.
„Du hast keine Mutter!“ brüllte die Nonne sie an und zieht das Kind widerstandslos hinter sich her.

Kapitel 3

Ich kann fliehen. Fliehen vor den Gezeiten, welche sich schwankend heben und senken und doch keinen Eindruck hinterlassen. Ich kann fliehen vor den Gesichtern der Menschen, die mich betrachten. Sie bedauern mich. Sie sagen es nicht, doch tue ich ihnen Leid, man sieht es ihnen an, wie man es sieht, wenn es Tieren schlecht geht. Ihr Leid, welches sie meinen zu haben, ist genauso wenig vorhanden, wie der brütende Vogel zur Winterzeit. Doch ich bin es Leid. Ich bin es Leid sie zu sehen. Ihre Masken, die sie tragen, wenn sie mir entgegentreten, wenn sie meinen durch ihre Anwesenheit Beistand zu geben. Doch sie bewerkstelligen nur eines damit. Meine Abscheu ihnen gegenüber. Ich verabscheue sie so sehr für ihr geheucheltes Gefühl der Anteilnahme. Die Suche nach der Echtheit ihrer Teilnahme ist zu vergleichen mit der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Sinnlos. Und so fliehe ich vor ihnen und ihrem falschen Gerede, welches mich infiziert und krank macht, wie die Nadel eines AIDS kranken Fixers.
Sie meinen erahnen zu können, was es bedeutet gestorben zu sein und von den Toten am vierten Tage auferstanden zu sein, wie Jesus einst. Sie titulieren es als Wunder, doch sie vergessen etwas. Etwas Elementares. Ich bin gestorben! Ein Teil meiner Seele hat den Weg in meinen Leib nicht zurückgefunden und wurde von den Shinigami in Obhut genommen. Meine Seele ist geteilt, zerrissen und gespalten und dadurch verbunden mit dem Reich der Toten. Und bis in alle Ewigkeit werde ich es spüren auch ohne die Fratzen der Menschen, die meinen ich sei ein Wunder. Und so stelle ich fest, dass ich nicht fliehen kann. Wie ein Vogel, der den Winden nichts entgegenzusetzen hat und im sicheren Geäst eines Baumes Zuflucht findet, kann ich nicht vor dem fliehen, was geschehen ist. Doch leider habe ich keinen Baum, welcher mir Schutz bietet. Ich habe keinen Schutz vor den Menschen, die mich bedauern und bewundern. Ich habe keinen Schutz vor den Dinge, die waren und so bin ich dem Gewitter auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Wieso nur? Wieso bin ich nicht gestorben? Stattdessen wandel ich hier auf Erden. Antriebslos. Mutlos. Kraftlos. Jedweder Sinn wurde mir genommen und entrissen. Ich bin zurückgeblieben, wie das Treibgut eines Schiffunglücks und wie eben dieses werde ich nur vom Wandel der Gezeiten umhergeschoben, ohne Ziel und ohne Heimat.

Kapitel 4

Und da sitze ich. In meiner dunkelblauen Schuluniform. Sie sitzt, ist mir schließlich auf den Leib geschneidert. Die Hose ist aus Baumwolle und fühlt sich sehr angenehm auf meiner Haut an, darunter ein weißes Hemd, welches wie neu erstrahlt und darüber ein Jacket, welches das Wappen der Schule trägt. Eine stilisierte Rose in dessen Inneren die Anfangsletter der Schule eingraviert sind. Meine Arme lugen ein wenig daraus hervor, wie eine Schnecke, welche vorsichtig aus ihrem Haus hervorspäht. Scheinbar hat der Schneider hier nicht so recht gearbeitet. Dann diese Krawatte. Sie ist ordentlich geknotet und baumelt von meinem Hals herab, wie ein Pendel immer auf den Boden zeigend. Diese Krawatte! Ich habe das Gefühl, dass sie mir die Luft abschnürrt, wie eine Boa, die sich um meinen Hals gelegt hat und nun immer fester zu zieht. Ich bin ihre nächste Mahlzeit!
Wieso ist sie hier? Es kann nicht sein! Meine Gedanken kreisen, wegen ihr oder der Schlange um meinen Hals. Alles dreht sich, wie in einem defekten Karussel, welches nicht zum Stillstand kommt. Und so wird mir schwindellig. Die Luft in diesem Klassenzimmer ist furchtbar. Diese Leute atmen so viel Sauerstoff weg und hinterlassen nur unnützes Kohlenstoffdioxid, welches keinen Nutzen hat. Ich lange zu meiner linken und öffne das Fenster. Und so gleich strömt frische Luft herein. Wie ein Gefangener, der soeben befreit wurde kommt sie hereingestürmt und spielt mir frisch und verspielt um die Nase. Ich atme diese ein und sogleich hält das Karussel in meinem Kopf an. Ich kann wieder denken.
„Ich bin Takara Yuuka, die Klassensprecherin. Soll ich dich etwas in der Schule herumführen?“ Ich blicke, meine eigenen Gedanken nachgehend aus dem Fenster, es war sonnig Draußen. Ich schaue mich um, wo diese Worte, die von einer weiten Ferne an mein Ohr drangen, herkamen und da steht sie neben mir. Sie ist nicht gerade von langem Wuchs. Ihre Beine hingegen ragen aus ihrem dunkelvioletten Rock hervor, wie die Beine eines Stelzenläufers, an denen sich keine Strumpfhose befindet. Offensichtlich ist es ihr so warm genug draußen und das trotz der spätwinterlich Jahreszeit, welche uns doch immer mal wieder Frost beschert, wobei ich hier am Meer bin. Das Wetter könnte vollkommen anders sein. Auf den langen Beinen schließt sich ein kurzer aber filigran gewachsener Leib an, der eine deutlich Taille zeichnet, als sei sie einem dieser Anime entsprungen, in denen die weiblichen Vorzüge hervorgehoben würden, aber dem gegenüber steht ihre nicht sehr stark ausgeprägt Brust, welche sich nur leicht unter dem engsitzenden Blazer abzeichnet. Ihr Gesicht und vor allem ihre Augen strahlen eine gewisse Sympathie und Wärme aus, wie ich sie noch nie gesehen habe. Das lange Haar, dunkel wie die Nacht, ist mit natürlich anmutenden Locken versehen, welche sich, wenn man dran ziehen würde, wie eine Feder wieder zusammenziehen würde. Und so wirkt ihr Haar doch ein wenig buschig. Die Augen braun und freundlich, wie das wärmespendende Feuerholz. Das Weiß, um ihre Pupille steht in einem starken Kontrast zu ihre dunklen Kajal. Ansonsten sieht sie äußerst ungeschminkt aus. Nicht mal eine rote Rose hat von der Natur eine solche Farbgebung, wie die ihrer Lippen, so dass es hier keiner Manipulation bedarf. Ihr Teint dagegen, welche vermutlich durch den hohen Konsum der Meeressonne zu verantworten ist, gibt ihr eine angenehme Erscheinung.
„Ähm, ja, gerne.“ antworte ich. Ich stehe auf und bin sicherlich einen Kopf größer als sie. Sie blickt mich freundlich an und lächelte dabei leicht. Auf ihrem Absatz macht sie eine elegant erscheinende Drehung, fast wie eine Ballerina und blickt nochmal nach hinten, als würde sie sich vergewissern, dass ich ihr auch Folge. Wie sie mich so durch die Schule führt, welche, im Vergleich zu meiner alten, nicht sonderlich groß ist, unterhalten wir uns ein wenig.
„Und Abarai-kun, du kommst aus der Haupstadt?“ erkundigt sie sich.
„Ja, in der Tat, aber ich denke, dass es hier ganz schön werden wird. Schließlich ist es hier ruhiger und nicht so gehetzt.“ antworte ich ihr wahrheitsgemäß und ein Lächeln umhüllt ihr Lippen wie Feuer.
„Ja, da hast du recht. Hier ist es sehr ruhig. Selten passiert hier etwas, aber man kann es ganz gut aushalten, besonders bei schönem Wetter, dann kann man nämlich schön am Strand liegen.“ Somit klärt sich, woher sie ihre gesunde Hautfarbe hat.
„Und du lebst schon dein ganze Leben hier, Takara-chan?“ frage ich sie, um keine unangenehme Ruhe aufkommen zu lassen, die dafür sorgen würde noch weniger sprechen zu wollen.
„Nein, aber fast. Meine Eltern und ich haben erst nördlich von hier gewohnt, aber als ich in die Kindergarten gekommen bin, sind wir umgezogen.“
„Und was machen deine Eltern?“
„Mein Vater ist Angestellter und meine Mutter betreibt einen kleinen Blumenladen und deine Abarai-kun?“ fragt sie mich sichtlich interessiert.
„Mein Vater ist Manager und kaum zu Hause und meine Mutter ist Fotografin und eben so selten Daheim.“ Sie vollführt eine Drehnung und geht danach leicht in die Hocke und hält die Hände vor das Gesicht, als würde sie eine Kamera halten.
„Fotografin würde ich auch gerne werden. Es muss schön sein so viel zu reisen und die unterschiedlichsten Dinge zu sehen und sie im Bilder festzuhalten, die die Menschen bewegen.“ sagt sie freudestrahlend.
„Sicherlich ist das schön, aber du musst richtig gut dafür sein, sonst kannst du davon nicht Leben.“ teile ich ihr nüchtern mit. Sie guckt eine wenig verdutzt, was eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Opossum nicht abstreiten lässst.
„Dann suche ich mir einen Mann, der ganz viel Geld verdient und dann klappt das.“ sagt sie triumphierend.
„Ja, das stimmt. So könnte es wahrlich funktionieren.“ ich mache eine kleine Pause und überlege kurz. Soll ich sie fragen, wer das Mädchen in der ersten Reihe ist? Wieso nicht?
„Takara-chan, kannst du mir vielleicht sagen, wer das Mädchen in der ersten Reihe ist. Mit dem wahnsinnig langem Haar?“ wagemutig sprudelt es aus mir heraus. Ich muss nun den Quell der Wahrheit öffnen, damit ich Gewissheit habe. Diese Frage schmeckt ihr vermutlich so sehr, wie der Biss in eine Zitrone. Sie guckt mich etwas irritiert an, beantwortet sie mir aber trotzdem.
„Das ist Fujima Haruka.“ meine Gehirnwindungen entspannen sich. „Wieso fragst du?“ setzt sie gleich nach. Was soll ich ihr sagen? Und so gleich verkrampft sich wieder alles. Es ist zu kompliziert und zu merkwürdig. Sie würde mich für verrückt halten, so wie ich den Fanatiker für verrückt halte.
„Ähm, sie hat so einen ernsten und strengen Blick, das irritierte mich ein wenig, daher war ich nur neugierig, aber hab Dank für die Auskunft.“
Wir gehen noch ein wenig durch die Schule. Die Gebäude sind alt. Der Zahn der Zeit hat deutliche Spuren hinterlassen. Von der Fassade bröckelt der Putz und ähnlich verhält es sich mit den Fensterrahmen, an denen die Farbe aufplatzt, wie eine Pickel, den man ausdrückt.
Von Innen sieht die Schule allerdings sehr gut aus. Die Wände sind makellos weiß gestrichen. Nirgends irgendwelche Beschmierungen und die Ausstattung erscheint auch ziemlich neuwertig.
„Hast du dir schon eine AG ausgesucht, Abarai-kun?“ frag sie mich neugierig.
„Äh, ich muss gestehen, dass ich davon noch gar nichts weiß.“ sage ich etwas verlegen und kratze mich am Hinterkopf. Eine typische Reaktion meiner Person, wenn ich nicht weiter weiß oder velegen bin. Ich erkundige mich, welche es denn gibt und sie zählt alle auf und in der Tat ist da eine dabei, die mich äußerst interessiert. Die Kendo-AG. Sichtlich enttäuscht, dass ich nicht der Ballet-AG beitrete, versteht sie aber, dass die Kendo-AG die richtige für mich ist und sie scheint dann sogar erfreut zu sein, dass diese ihre Schule mir diese Möglichkeit bietet.

Kapitel 5

Wie beim Militär stehen sie, wie kleine Soldaten, in Reih und Glied. Die Kleidung erscheint, als sei sie an ihre Körper gebügelt worden. Die Haare sind fein säuberlich zurecht gemacht, es mutet gerade so, als sei jedes Häarchen einzelnd in Form gebracht worden. Die Kinder stehen im Flur des Hauses. Sie sind erwartungsvoll und ängstlich zugleich. Die nächsten Minuten könnten darüber entscheiden, ob sie ein Leben in einem geborgenen Nest haben werden oder ob sie weiterhin der Emotionslosigkeit dieses Ortes ausgesetzt sind, die einem Friedhof gleicht. Wie schön es doch wäre endlich jemanden zu haben, der einen in die Arme nimmt. Wie schön es doch wäre mit jemanden in den Park zu gehen, wenn das Wetter es zulässt. Wie schön es doch wäre jemanden zu haben, den man Mama und Papa nennen könnte.
Und da kommen sie, die potentiellen Eltern. Die Nonnen begrüßen sie überfreundlich. Eine Maskarade, die sie immer wieder an den Tag legen. Sie sind so freundlich zu ihnen, wie der Verkäufer auf dem Wochenmarkt sich seinen Kunden anbiedert, um seine Ware zu verkaufen. Die Kinder sind die Ware und dabei ist Menschehandel doch verboten.
Das Ehepaar, gut gekleidet und wohlhabend dreinblickend, schreitet die Reihe herab. Beguckt sich die Kinderlein, als seien sie Tiere in einem Zoo. Ab und an sprechen sie auch mit einem, einem geschenkten Gaul schaut man schließlich auch ins Maul. Und da bleiben sie vor ihr stehen.
Ihr Haar ist hüpftlang und glatt. Jeder einzelne Strähne macht den Eindruck, als sei sie an dem Ort, wo der Regisseur es gerne hätte. Mit ihren kleinen ängstlichen Augen, die sich die ganze Prozedur angeschaut haben, wie das Wild durch das Dickicht blickt immer auf der Suche nach möglichen Feinden, blickt sie diese großen Menschen an.
Die Frau ist schön und hat matte Haut und ihre Lippen machen ihr den Eindruck als hätte sie zu viel mit dem Tuschkasten gespielt. Er hingegen ist ein stattlicher Mann mit einem soliden Bauch, der so aussieht, als können man gut darauf hüpfen.
Sie schauen sich die Kleine an, welche leicht eingeschüchtert zu den großen Gestalten empor blickt.
Ihre Augen mustern sie, als sei sie ein Blumenstrauss, dessen unansehnlichen Blüten man suche. Lange verweilen sie mit ihren Blicken bei der Kleinen. Sie fühlt sich unsicher. Die wildesten Phantasien streifen ihr durch den Kopf. Sie nehmen sie sofort in die Arme und mit nach Hause, bis hin zur Auseinandersetzung mit den Nonnen, was diesen den einfallen würde ein solches Geschöpf zu präsentieren und die folgende Besprafung für sie, warum sie denn so unansehnlich sei.
Das Ehepaar zieht wortlos weiter und in ihr breitet sich eine Gefühlsmischung aus Erleichterung und Wertlosigkeit aus. Ist sie es nicht wert, dass sie jemand lieb hat. Ist sie so hässlich, dass sie nicht mit genommen wird. Ist sie wirklich so wertlos, wie eine Schneeflocke, dessen Dasein man nicht mal wahrnimmt und wenn man sie doch wahrnimmt, so verwünscht man sie sogleich, denn wo die eine herkommt, kommen bestimmt noch mehr.
Das Paar entscheidet sich und noch Stunden später steht die Kleine alleine im Flur des Hauses. Keine Bilder. Die Holzdielen abgetreten von unzähligen Füßen, dessen Besitzer sich nicht um den Boden kümmerten. Sie steht immer noch dort. Einsam, aber für diesen Raum äußerst dekorativ. Ihre Augen betrachten die Füße, wie sie auf diesen abgenutzen Boden verweilen. Sie fühlt sich in diesem Moment einsam und verloren und all jene Gefühle in ihr machen eine Achterbahnfahrt. Eine Fahrt ins Nirvana und so bleibt nichts zurück. Sie fühlt sich so leer, wie dieser Raum ist. Leer und kalt, aber sie ist in diesem Raum, aber was ist in ihr?

Kapitel 6

Am Abend noch berichten mir meine Eltern, dass sie sich wieder Mal davon machen. Mein Vater muss für sicherlich zwei Monate nach New York und meine Mutter wird rund um den Himalaya unterwegs sein und dort Fotos machen. Sie wird auch sicherlich erst in frühestens zwei Monaten zurückkehren. Zur Abwechslung fragen sie mal, ob mir das was ausmachen würde. Selbst wenn es mir etwas machen würde, so würden sie es doch nicht absagen. Ich sage ihnen, dass es schon in Ordnung ist.
Alleine in meinem Zimmer stelle ich mir die Frage, ob sie überhaupt begriffen haben, was passiert ist? Haben sie überhaupt verstanden, dass mein Leben ein jähes Ende hätte finden können? Mein Leben wäre fasst so schnell zu Ende gewesen, wie das einer Eintagsfliege, aber meine Eltern scheinen dies nicht so ganz begriffen zu haben. Sie hielten es nicht mal für nötig mich im Krankenhaus zu besuchen. Sie waren schließlich am Arbeiten. Ich lag geschlagene zwei Woche alleine im Krankenhaus. Kein Besuch. Meine Großmutter rief an, wie sie das hörte und fragte, ob sie vorbeikommen solle, doch mit ihren über achtzig Jahren wollte ich sie nicht den langen Weg bemühen. Sie rief mich aber ab dann jeden Tag an. Jeden Morgen auf’s Neue schaute ich an die Decke und das Weiß erschien mir mit jedem Tag an seiner Helligkeit zu verlieren. Die Tage wurden grauer und der erste Schnee fiel. Leicht und sanft legte er sich wie eine Decke über alles, so auch über meine Seele, die in den Winterschlaf ging. Mein Geist versuchte sich vor dem Schützen, was geschehen war. Das Geschehene sollte eingemauert werden und nie wieder hervorgelassen werden. Doch die Gesichter der Menschen, die mich kannten, erinnerten mich zu sehr daran.
Und so bat ich meine Eltern darum, dass wir umzögen und überraschenderweise taten sie es auch. Ich fuhr mit dem Zug voraus und sie organiserten den ganzen Umzug. Dies war äußerst ungewöhnlich, doch mir geht es seitdem deutlich besser. Als hätte ich eine Last dort gelassen, wenngleich ich mich nun deutlicher mit ihr auseinandersetze. Meine Last und ich, wir diskutieren oft und so geht das Gespräch weiter, ohne Mentor und ohne Ende.

Kapitel 7

Wir waren auf dem Heimweg. Nami lief neben mir. Sie war schon den ganzen Weg so still, was für ihre Person äußerst ungewöhnlich war. Sonst redete sie wie eine wild gewordene Herde von Pferden. Ihre Worte galoppierten nur so dahin und kaum etwas konnte dies stoppen. Sie trug ihre Tasche mit beiden Händen vor sich, so dass ihre Knie immer wieder dagegen schlugen, wie in einem Takt. Der Saum ihres schwarzen Rocks tanzte leicht zu diesem Takt, doch wirklich elanvoll war er nicht.
„Was hast du, Nami-chan?“ fragte ich sie dann irgendwann, denn mir wurde das Schweigen zu blöde und mich störte es, dass ich ihre Stimme nicht vernahm. Sie blickte mich kurz mit ihren großen Knopfaugen an und schaute dann wieder zu Boden.
„Hast du es auch gehört?“ fragte sie und ich spitzte die Ohren, doch ich hörte nur den üblichen Straßenlärm. Die Autos, welche an uns vorbeifuhren, dass hektische Gewusel der Menschen um uns rum, alle waren sie unterwegs wie fleißige kleine Bienen.
„Ähm, ich weiß nicht, was du meinst.“ sagte ich verständnislos, denn das Gewirr um uns rum konnte sie nicht meinen.
„Was die anderen gesagt haben.“ meinte sie. Ihre Worte waren Heute von einem opaken Faden durchzogen, der es mir nicht einfach machte, sie zu verstehen.
„Was haben die anderen denn gesagt?“ fragte ich gerade heraus. Sie blickte wieder zu mir öffnete den Mund leicht, als wenn sie zum Reden ansetzen wolle, doch da kam nichts raus. Sie stockte, schloss den Mund wieder und richtete die Augen wieder gegen den Grund.
Egal was es war, es musste sich um eine sehr ernst Sache handeln, wieso sollte sie sonst in einen solchen Zustand sein. Sie wirkte geradezu gefesselt von diesen Worten, welche es auch immer sein sollten.
„Nun?“ fragte ich behutsam nach und beugte mich dabei ein kleines Stückchen runter, um ihr in die Augen zu sehen. Sie blickte mir nun direkt in die Augen. Ihre Augen waren so grün, wie die Blätter der Bäume zum Lenz und doch strahlten sie nicht dessen frische aus, zumindest nun gerade nicht. Sie wirkten eher trüb, als hätte sich der morgendlichen Nebel noch nicht verzogen.
„Die anderen fragte mich Heute…“ sie brach ab und schaute wieder weg. Was konnte so schlimm sein, dass sie es mir nicht erzählen wollte. Wir kannten uns nun so viele Jahre. Waren schon im Sandkasten beste Freunde und auch nun im Alter von 14 Jahren verstanden wir uns noch immer sehr gut.
„Nun sag schon.“ drängte ich sie ein wenig. Sie zögerte, doch dann sprach sie.
„Die anderen aus der Klasse meinen, dass wir zusammen sind.“ prustete sie heraus und wie das Tuch eines Matadors wurde sie rot.
Ich musste mir das Lachen deutlich verkneifen, es fühlte sich so an, wie das laufende Wasser aus einem Wasserhahn, den man mit dem Finger versucht abzudrücken, doch es kommt unweigerlich etwas heraus. Nami merkte, trotz meiner bestechenden schauspielerischen Leistung, dass ich das ganze äußerst belustigend fand. Sie kniff die schwarzen dichten Augenbrauen, welche sorgfältig bewirtschaftet wurden, wie ein Zen-Garten, zusammen und machte einen leicht angefressenen Eindruck. Mir blieb die Spucke im Halse stecken. Ganz ofensichtlich hatte sie dies nicht erwartet. Als ich gerade etwas sagen wollte, wandte sie sich und ging davon. Ähnlich wie sonst ihre Worte, galoppierte sie nun aufgebracht davon. Ich rannte hinter ihr her und versuchte mit ihr zu reden, doch es war zwecklos. An der Kreuzung, wo sich unser Weg trennte, meinte ich noch erahnen zu können, dass sie weinte oder war es das Muttermal unter ihrem rechten Auge, welches die Form von Tränen hatte? Und so stand ich da, allein und ratlos, um mich herum der Großstadtdschungel.
Eine Weile blickt ich ihr hinterher, sie machte keine Anstalten sich um zudrehen. Und so verschwand ihre Gestalt jäh um eine Ecke. Ich sah noch ihre schwarzen Haare im Flug um die Steinwand verschwinden und so war sie weg.

Kapitel 8

Am Morgen packe ich meine Schulsache zusammen und ebenso hole ich meine Kendo-Sachen aus dem Schrank. Lange habe ich sie nicht mehr getragen. Sie wirken mir ein wenig fremdartig. Gerade so, als seien sie nicht für mich bestimmt. Habe ich die Hakama (Hosenrock) und die Kendo-Gi (Trainingsanzug beim Kendo) wirklich jemals an gehabt. Sie wirken als wären sie zuletzt von einem starken, willensgeprüften Menschen getragen worden, dessen Kampfgeist durch ihn strömte als sei er die Personifikation des ehrenhaftesten Kämpfers. Und nun soll diese Kleidung, welche förmlich nach Ehre riecht, wie der Bauarbeiter nach Schweiz stinkt, mich kleiden? Unsicher, wie ein kleiner Vogel, der gerade seine ersten Flugversuche unternimmt, packe ich diese Kleidung und restlich Ausrüstung ein.
Unter der Last der Ausrüstung gehe ich zur Schule. Der Weg ist beschwerlich. Ich fühle mich der Ausrüstung nicht würdig. Sie verströmt so viel Tradition und Geschichte. Sie repräsentiert Charakterstärke, Entschlossenheit und moralische Stärke. Doch zurzeit fühle ich nichts davon in mir. Mein Charakter ist entzweit, ein Teil ist in die prächtigen Walhalls eingekehrt und der andere Teil, der keine Entschlossenheit kennt, ist wieder in mich gefahren und so schwanke ich. Ich schwanke zwischen dem Wandeln auf Erden und dem Verbundensein im Tode. Und dann ist da noch die Moral? Selbst wenn ich noch moralisch handeln sollte, welches mir Kant durchaus zuspricht, so kann ich doch von vielen meiner Artgenossen dies nicht behaupten. Mord und Todschlag in Nahen Osten und Vergewaltigungen in Indien, um nur einige Dinge zu nennen. Wie kann ich da noch an die Moral der Menschheit glauben, wenn sie doch so offenkundig mit Fußen getreten wird?
Voller Zweifel bestreite ich meinen Weg zur Schule, welcher unter all der Bürde auf meinen Schultern zu einem Kraftakt wird.
Zum Nachmittag finde ich mich mit meiner Ausrüstung im Dojo. Ich treffe einen Mitschüler an, der mir die Räumlichkeiten zeigt und mir erklärt, dass die Leitung hier von dem ranghöchsten Schüler übernommen wird, wer das allerdings ist, erzählt er mich nicht und so trifft es mich wie ein Schlag. Wir haben uns alle umgezogen in der Trainingshalle eingefunden. In üblicher Manier verbeugen wir uns in der Halle vor der Halle. Wir nehmen alle samt Platz. Junge Frauen und Männer sind zahlreiche hier. Dennoch falle ich auf. Meine weiße Hakama, die weiße Kendo-Gi und meine weiße Schutzkleidung stechen doch sehr unter den schwarzen Ausrüstungen der anderen hervor. In voller Montur, den Men (Kopfschutz) unter den rechten Arm geklemmt und das Shinai in der linken Hand, betritt Fujima Haruka das Dojo. Wir alle verbeugen uns vor ihr. Sie begrüßt uns alle und mit ihrem strengen Blick mustert sie dabei jeden einzelnen von uns, als wolle sie überprüfen, ob jeder seine Kleidung fachgerecht angezogen hätte. Ihre wachen Augen schwenken am Ende, wie Scheinwerfer, wieder zu mir zurück.
Mit ruhiger aber kühler Stimme, lässt sie sich vernehmen:
„Wie ich sehe haben wir heute einen Neuzugang. Würdest du dich bitte uns vorstellen und deine Kendo-Erfahrungen mit uns teilen?“ Ihre Stimmen sind sich so ähnlich. In Erinnerungen schwelgend, mache ich mich dennoch auf den Weg nach vorne, wo sie mir mit einer kontrollierten Handbewegung zu verstehen gibt, dass ich dort hinkommen solle.
Ich stelle mich somit neben ihr und verkünde deutlich und kraftvoll meinen Namen, damit die Halle ihm nicht allen Ausdruck nimmt und ebenso verkünde ich meine Graduierung und wo ich gelernt habe. Alle staunen sie offensichtlich nicht schlecht, als sie erfahren, dass ich den dritten Dan habe. Ich schaue sie an.
„Darf ich dich um einen kleinen Zweikampf von 10 Minuten bitten, Abarai-kun?“ Ich stimme diesem mit einem Nicken zu, ohne zu erahnen, worauf ich mich soeben eingelassen habe.
Einer der anderen macht den Schiedsrichter. Wir beide setzen uns die Men auf. Beziehen Position. Es liegt eine unheilvoll Spannung über den anderen Kendoka, welche uns wie hypnotisiert betrachten. Wir bewahren die übliche Etikette und so beginnen wir unseren Kampf. Durch den Schutz ihre Men hindurch erblicke ich ihre grünen Augen, welche mich giftig anfunkeln, wie eine Viper ihr Opfer kurz bevor es es beißt.

Kapitel 9

Wieder das gleich Prozedere. Fein gestriegelt, wie die Pferde zur Schau werden die Kinder den Herrschaften vorgeführt. Und obwohl die Kleine ihr bestes Lächeln aufgesetzt hat, so dass man ihre schneeweißen Zähne hinter den blassroten Lippen hervorblitzen sieht, wird sie nicht genommen. Das Paar und das Kind, also die Familie verlässt das Gebäude. Die anderen Kinder um der Kleinen verziehen sich und als die Nonne in den Flur zurückkehrt und die Kleine dort immer noch stehen sieht, geht diese zur Kleinen herüber. Sie hat den Blick zu ihren Füßen gerichtet. Die Nonne steht mit eiserner Miene vor ihr. Der Kleinen rollen die ersten Tränen von den kleinen Bäckchen. Diese sind nur der Verbote einer viel größeren Menge, die sich so bald über ihr Gesicht, wie ein Wasserfall, ergießen wird. Wieder hat sie es nicht geschafft ihren Peinigern zu entkommen. Zwischen Zeigefinger und Daumen einspannend, wie eine Schreibzwinge, nimmt die Nonne, dass Gesicht der Kleinen. Ihre Augen sehen aus, als läge dort eine grüne saftige Insel inmitten eines unruhigen Meers. Die Nonne lässt ihr Gesicht wieder los und wischt sich angewidert die feuchten Hände ab.
„Unser Herr Jesus hat am Kreuz auch nicht geweint und dabei wurden ihm Nägel durch die Gliedmaßen getrieben! Also höre auf zu heulen!“ fährt die Nonne die Kleine an. Ihr ist es egal, was der Herr Jesus erlitten hat, der Schmerz, der sich in ihrer Seele wie eine Epidemie ausbreitet, verletzt sie so sehr, dass sie hopft durch die Tränen alles heraus zu spülen. Wie die Nonne sieht, dass die Zähren nicht weniger werden, prasselt ihre rechte Hand, wie der Hammer auf das Schmiedestück, gegen ihre Wange. Die Tränen der Kleinen bleiben in den Kanälen stecken, sofort sind sie erstarrt, als hätte der Frost sie übermannt. Und ähnlich wie mit den Tränen hat sich ein Mantel der Kälte über ihre eben noch so gewaltigen Gefühle gelegt und sie zu Ruhe gebracht. Mit weit geöffneten Augen, die das Entsetzen über die Tat nur so verlauten lassen, blickt sie die Nonne an.
„Auf dein Zimmer!“ bellt diese die Kleine an, welche darauf hin auf ihr Zimmer stürmt. Für niemanden mehr will sie hübsch sein. Für niemanden will sie wieder ein solches Schauspiel vorführen und nie wieder will sie ihre Gefühle offenbar. Sie sperrt sie in sich an. Verschließt die Truhe mit ihnen und wirft den Schlüssel weit weg in eine tiefe Schlucht aus der sie noch Stunden später das Fallen des Schlüssels hört.

Kapitel 10

Ehre ist ganz allein etwas, dass tief aus dir selbst kommen muss. Nur wer ehrenhaftes tut kann auch erwarten geehrt zu werden und so handle nicht nach deinen Instinkten, lasse zuvor deine Ehre ein Urteil der Situation abgeben, um zu entscheiden, ob du der Moral deines Herzens folgst oder doch eher dem unterbewussten Drang deines Tiers danach dir alles einzuverleiben. Und so solle dein Weg sein, dass du die Ehre in dir wachsen lässt. Sie mit dem Dünger der Moral stärkst und schlussendlich gestärkt und standfest ins Licht trittst, um zu zeigen, dass du deinen Weg gegangen bist. Du weißt nun, wohin es geht. Präsentiere uns deine Entschlossenheit, dass du das, was du vollrichtest, auch wirklich machen willst und zwar bis zum unausweichlichen Ende. Sei über jeden Zweifel erhaben, der deine Entscheidungen verdrehen könnte, wie die Schlange einst Adam und Eva verdrehte. Lasse den Zweifler in dir zurück und zeige, dass du deinen Weg bereits kennst, wenngleich du ihn noch nicht bestreiten musst, denn er ist deine Zukunft. Zeige, dass dein Wille nicht zu brechen ist, wie die Schale einer Walnuss. Zeige, dass du nicht nur eine harte Schale hast, sondern einen mindestens ebenso harten Kern. Denn wir werden dich prüfen. Im Mahlstein unserer Zunft wissen wir die Spreu vom Weizen zu trennen und so glaube uns, dass wir dies auch tun. Kein ehrenloses Pack kommt uns in die eigenen Reihen. Nur ehrsame sollen sich hier einfinden, damit wir uns gegenseitig befruchten können mit unserem Können. Sei also wie der Fels in der Brandung, wenn wir dich unter die Lupe nehmen, denn wir sind die Wogen des Meeres, die an dich heran treten, um dich von den Beinen zu reißen. Und wenn du zum Schluss noch zeigst, dass du überzeugt bist von deiner letzten Tat, dass du zeigst, dass du das Licht in der Dunkelheit bist, dass du der bist, der sich opfert für das Leben der unschuldigen anderen, dann, aber auch nur dann, heißen wir dich willkommen in unserer Riege. Dann nenne dich einen Kendoku.

Kapitel 11

Zuhause angekommen verköstigte ich mich zunächst, meine Eltern ließen mich wieder Mal alleine. Ich merkte hier schon, dass meine Gedanken nicht ganz bei der Sache waren, spätestens als mir das Essen fast anbrannte, wurde mir dies klar. Ich aß tief in Gedanken versunken.
Wieso beschäftigte Nami dies so sehr? Es war doch lediglich blödes Gewäsch der anderen. Sie sollten doch lieber vor ihren eigenen Türen kehren. Ich grübelte eine ganze Weile, bis mir klar wurde, dass ich gar nicht mehr aß. Mein Essen war kalt und der Appetit war weitergezogen.
In meinem Zimmer dachte ich weiter darüber nach, um es genau zu beschreiben. Ich wollte eigentlich lernen, aber meine Gedanken ließen mich nur an dieses Geschwätz denken. Sie dachten also, dass Nami und ich zusammen seien, wie bei allen Geistern kommen sie bloß darauf? Ich ging in meinem Kopf alles durch, was ich mit Nami unternahm. Zur Schule gehen, in der Schule sein, die Pausen miteinander verbringen, fast alle AGs zusammen haben, gemeinsam schwimmen gehen, zusammen einkaufen gehen und da wurde es mir irgendwie klar. Wir machten alles zusammen. Ich versuchte mich an einen Moment zu erinnern an dem wir nicht zusammen waren. Es fiel mir schwer. Aber tief in meinen Gehirnwindungen und weit unten vergraben. Doch! Da war etwas! Der letzte Sommer, da war sie für zwei Wochen mit ihren Eltern im Urlaub. Und ich. Ich war alleine zurückgeblieben. Meine Eltern nicht da und Nami nicht da. Dies war eine furchtbare Zeit.
Ich lag zu der Zeit viel auf meinem Bett, wusste nicht so recht mit meiner Zeit etwas anzufangen. Bin von einem Ort zum nächsten gewandelt. Ohne so recht zu wissen, was ich dort wollte. Die Tage verliefen monoton und langweilig, zogen sich dahin wie Kaugummi. Und ebenso fad wurden sie mit der Zeit. Die Farbe wich aus allem heraus, als hätte ich einen bunten Pullover zu oft gewaschen und mit der Farbe wich auch die Freude zu dieser Zeit aus meinem Leben. Immer wieder schaute ich auf mein Handy. In diesen Tagen wirkte es mir als einziges Verbindungsglied zu Nami. Wir schrieben uns viele SMS. Jeder Nachricht zauberte mir ein kleines Lächeln auf die Lippen und jedes Mal nachdem ihr geantwortet hatte, verzog es sich so Rasch, wie der Qualm sich in der Luft verteilt, bis nichts mehr zu sehen ist. Nachdem ich geantwortet hatte, hörte ich wieder die Uhr, wie sie eintönig vor sich her arbeitete. Ja, ich spürte, wie ich Nami zu dieser Zeit vermisste. Ich hätte sie so gern bei mir gehabt. Ich hatte das Gefühl zu verhungern, sie näherte mich nicht mehr mit ihrer Anwesenheit.
Mir wurde klar, dass ich mehr für Nami empfand. Bis zu dieser Erkenntnis hatte sich die Sonne bereits gesenkt und wollte verschwinden.
Ich lächelte in mich rein. Wie konnte es nur sein, dass ich so blind war für meine eigenen Gefühle? Hatten sie sich so schleichend aufgebaut, dass die Veränderung so marginal war, wie das Auseinanderdriften der Kontinentalplatten? Ich musste es ihr sagen!

Kapitel 12

Ausflug. Die ideale Möglichkeit. In einem Museum. Es sind viele Leute dort. Die Menschen laufen wild durcheinander. Viele Familien mit Kindern. Die Kleine hat es sich gut zu Recht gelegt. Sie will weg. Weg aus diesem Zuhause, welches ihre keine wohlige Wärme in den Bauch zaubert. An dieser Anstalt, die sie wie eine wahnsinnige unter Verschluss hält. Sie will einfach nur weg von dort. Die Tasche mit einigen nötigen Dinge gepackt und mit einige wenige Lebensmittel. Sie hat ihre Sparschwein geplündert, eine fetter Weihnachtsganz war es nicht, aber immerhin Etwas.
Wie sie im Museum sind, nutzt sie die Chance und schleicht sich durch die Menschenmassen, die ihr Schutz bieten, wie die Bäume dem Boden Schutz bieten, davon. Unerkannt schafft sie es aus der Sicht der Nonnen und geht normal weiter. Sie will sich nichts anmerken lassen. Sie verlässt das Museum, niemand behelligte sie. Nicht mal die Wachen machen sich irgendwelche Gedanken darüber die Kleine alleine davongehen zu sehen. Und wie sie das Gelände verlässt rennt sie los. Als sei der leibhaftige Teufel hinter ihr her, so schnell rennt sie. Sie sollen sie nicht wieder einfangen. Sie will nicht zurück und darum rennt sie, sie schnell sie ihre kleinen kurzen Beinchen tragen können. Ohne Ziel und ohne Plan rennt sie. Links, Rechts und wieder links und dann nochmal links. Sie rennt einfach. Ihre Brust beginnt zu ziehen. Jeder Atemzug beginnt zu brennen in ihrer Lunge, welche einer solchen Belastung nicht gewachsen ist. Der sonnige Tag tut sein Übriges um zu beschleunigen, was unaufhaltsam ist. Der Schweiß rinnt ihr leicht die Stirn hinunter. Und wie sie das Gefühl hat, dass ihr kleines Herz in tausend Stücke zerspringt, hält sie an und lehnt sich an die Mauer. Sie zittert. Die Anstrengung war gigantische für sie, so gigantische wie die Felsriesen in ihrem immerwährenden Kampf.
Nachdem der Schmerz in ihrer Brust nachlässt, der Tatter von ihren Gliedmaßen streift, als sei er etwas, dass sie übergezogen hätte, blickt sie empor um sich zu orientieren. Vor ihr sieht sie den Bahnhof. Sie ist auf der Flucht, also wieso nicht noch weiter weg? Sie geht hinein und löst mir ihrem Geld ein Ticket. Sie gibt alles aus umso weit weg zu kommen wie nur irgend möglich. Und kurze Zeit später sitzt sie auch schon in dem sicheren Zug gegen Norden. An die Küste soll es gehen. Sie lässt sich von dem Sitz gemütlich einbetten und versinkt prompt in einen leichten Schlummer. Die Anstrengen scheinen enorm gewesen zu sein. Doch nun beginnt erst ihr Ausflug in eine Welt, die sie zuvor nie gesehen hat. Eine Welt, die sie nur aus dem Radio kennt. Eine Welt voller Abenteuer und sie steckt mitten in einem davon.

Kapitel 13

Wir stehen uns gegenüber und belauern uns, wie zwei Wölfe, die es auf ein und dieselbe Beute abgesehen haben. Und so kreisen wir umeinander. Die Kakegoe (Kampfschreie) hallen durch das ehrwürdige Dojo und erfüllen es mit Leben. Keiner von uns will den ersten Schritt machen, um den Gegner nicht wohlmöglich Angriffsfläche zu bieten. Ich sehe durch das Gitter ihres Kopfschutzes hindurch und erhasche wiedermal ihre Augen, so saftig grün das man sich hineinlegen möchte und zugleich so gefährlich wie der Biss einer Viper. Doch da ist dieses Vertraute, welches mich kurzzeitig innehalten lässt und mich an alte Tage denken lässt. In denen wir zusammen über den Spielplatz tobten und dann sehe ich schon ihren Angriff kommen. Die Gunst der Sekunde nutzend hiebt sie mit einem gewaltigen Schlag gegen meinen Kopf aus. Mein Instinkt lässt mich reagieren. Ich weiche mit meinem gesamten Körper aus und in meinen Ohren klingeln noch ihre Worte wieder, die sie durch das Dojo schickt. Ihr Kiai (Schrei, der das Ziel angibt) dröhnt in mir noch nach und im der Ausweichbewegung, bei der ich meinen Kopf äußerst tief gegen Boden neige, kommt mir mein Men abhanden. Ein wenig perplex über dieses Ereignis höre ich nur von der rechten Seite ein Sausen, sowie das Kiai für meinen Kopf. Ich hebe noch mein Bambusschwert zur Abwehr und im nächsten Moment höre ich es klappern und mir dröhnt das rechte Ohr. Sie hat mich getroffen. Mein rechtes Ohr fühlt sich äußerst warm an und sogleich merke ich, wie es anfängt entlang meines Nackens wärmer zu werden. Es fühlt sich an, wie ein einseitiger warmer Sommerregen. Ich sehe kurzzeitig die Sterne und die Schwärze des Alls um mich herum, schüttle aber den Kopf und sehe wieder klar. Ich blicke durch ihren Kopfschutze und sehe ihre Augen, wie sie weit aufgerissen sind. Der Schlag hätte deutlich kräftiger ausfallen müssen, sie hat am Ende gezögert. An meinem Hals kommt der Sommerregen nun auch an. Ich nehme meinen Men und darf feststellen, dass das Band gerissen ist, mit dem ich es mir um den Kopf festbinde. Ich setze mir den Men wieder auf und begebe mich in Ausgangsposition. Im Dojo ist es ruhig. Nicht mal sie bewegt sich.
„Ähä…Äh, P-Punkt für Fujima-sensei.“ ruft der Richter aus und gibt sogleich den Kampf wieder frei. Er hat doch keine Ahnung. Was für ein Tölpel. Ihre Ausführung war nicht bis zum Ende mit Überzeugung versehen, diese verflog sich so schnell, wie der Schnee bei einem fahrenden Auto, welcher einfach davon gepustet wird. Mein rechtes Ohr pocht zum Rhythmus meines Herzens und ich kämpfe weiter. Soviel Ehre wurde diesem Anzug seit Monate nicht mehr zuteil.
Einige meiner Hiebe gegen sie landen leider nicht, doch auch sie trifft nicht. Ich bin auf der Hut. Meine Sinne haben sie geschärft. Ich habe das Gefühl wieder zurück zu kommen.
Der Kampf geht 1:0 für sie aus. Wir verbeugen uns voreinander und vor dem Richter, sowie vor den Versammelten. Danach gehe ich zu einem Spiegel und nehme die Men ab. Im Inneren des Kopfschutzes hat sich ein roter Fleck ausgebreitet. Er liegt dort ruhig und geschmeidig, wie ein See. Ich blicke auf und betrachte mein rechtes Ohr, es schmerzt. Zu sehen ist, dass es gerissen ist und nicht gerade zu wenig. Bestimmt ein Fingerglied lang ist die Kluft, die sich in meiner rechten Ohrmuschel aufgetan hat.
„Du solltest es nähen lassen.“ lässt sich Fujima vernehmen, die sich gerade hinter mich gestellt hat. Den Kopfschutz abgenommen und die langen Haare gleiten ihr geschmeidig über den Rücken, wie ein Bachlauf, der sich sanft über die Felsen legt.
„Hm, ich denke nicht. Weißt du, jede Wunde, die ich jemals beim Kendo erlitten habe, trage ich bis zu meinem Lebensende, damit ich stets daran erinnert werde, was für Fehler ich gemacht habe, um diese bloß nie wieder zu machen und so auch diese. Und ich denke nicht, dass es so schlimm ist. Aber zu einem Ohrenarzt sollte ich gehen. Das Pfeifen will nicht so recht verschwinden.“ erkläre ich ihr lang und breit.
„Es tut mir Leid.“ entschuldigt sie sich. Ich blicke ihr über den Spiegel ins Gesicht. Ein Teil ihrer Strenge ist gewichen und hervor kommt ein Hauch von Güte.
„Was genau meinst du? Wenn du die Sache mit dem Ohr meinst, dann reden wir nicht weiter drüber, wenn du allerdings deinen Schlag meinst, den du nicht mit vollkommener Überzeugung ausgeführt hast, ja, dann sei dir auch verziehen.“ Sie blickt über den Spiegel zurück zu mir und ich möchte meinen, dass ich dort einen Anflug von einem Lächeln gesehen habe. Sie geht und bringt mir kurze Zeit später Verbandsmaterial und verbindet mir das Ohr. Ihre Hände fühlen sich so rau und kräftig an, ganz anders als die ihren.

Kapitel 14

Angekommen. Eine Zugfahrt hat die Kleine nun hinter sich. Sie steigt aus und sieht direkt vor sich das Meer, welches mit sanften Wellen in die Bucht einläuft sich am Strand verteilt. Das Wasser glitzert unter den Sonnenstrahlen. Die Kleine hat noch nie ein so schönes Meer gesehen. Stets nur diese braune Suppe, welche so uneinladend und ekelig aussah. Doch hier ist das Meer blau, es hat Farbe. Eine Farbe, die nicht so widernatürlich und abstoßend ausschaut. Die Kleine steht dort. Mit offenen Augen blickt sie umher. Die Blätter der Bäume erstrahlen im saftigsten Grün und die Borke ist braun und runzelig, hier und dort mit Moos oder Efeu bewachsen. Es wirkt alles so natürlich und echt.
Die Kleine läuft los, zum Strand. Sie läuft die Treppen hinunter zumeist mehrere Stufen zugleich und in Windeseile steht sie dort. Der Sandstrand unter ihren Füßen knistert leicht und vor ihr das blaue Meer mit seinen tosenden Wellen. In ihrem ganzen Leben hat sie noch nie so etwas Schönes gesehen. Sie tollt und spielt am Strand. Der Sand ist feucht und klebrig. Sie baut eine Burg mit ihren bloßen Händen. Der Sand, so körnig und rau, gleitet ihr durch die kleinen Finger und in ihr kommt ein Schwall Wasser bedrohlich nahe. Sie läuft immer wieder bis zum Wasser und sobald es näher kommt, flieht sie wieder vor ihm. So vergeht ein Tag am Strand.

Kapitel 15

Am nächsten Morgen wartete ich wie gewohnt an der Kreuzung. Ich blickte mehrfach um mich. Die Autos fuhren an mir vorbei, wie ein Fluss waren sie, der niemals enden wollte. Ich blickte immer wieder zur Uhr und die Straße entlang, aus der Nami kommen musste. Ich blicke sogar zurück, manchmal nahm sie einen anderen Weg um mich von hinten zu erschrecken, doch auch hier konnte ich sie nicht ausmachen. Der Zeiger rückte unnachgiebig vor, doch Nami kam nicht. Ich musste mich entscheiden. Entweder weiter warten und damit rechnen eine saftige Strafe entgegennehmen zu dürfen oder zur Schule gehen und Nami hier wohlmöglich nicht anzutreffen. Aber vielleicht war sie auch ohne mich weitergelaufen. Dieser Umstand kam bisher nur ein einziges Mal vor, als sie nämlich furchtbar müde war und den Weg irgendwie hinter sich bringen wollte. Als sie merkte, dass sie ohne mich zur Schule gelaufen war, entschuldige sie sich tausende Male. Hatte sie auch Heute schlecht geschlafen?
Ich ging zur Schule.
Tatsächlich war sie dort, doch sie schien alles andere als müde zu sein. Sie unterhielt sich eifrig mit unseren Mitschülerinnen, die sie großzügig abschotteten, so dass ich gar nicht die Möglichkeit hatte mit ihr zu sprechen.
Ihr Blick, als sich unsere Augen durch den Dschungel der menschlichen Extremitäten trafen, war fest, fordernd und ärgerlich zugleich. Zur Pause hin folgte ich ihr. Ich wollte mit ihr sprechen, doch ihre Bodyguards folgten ihr auf Schritt und Tritt und vor der Damentoilette war meine Verfolgung sowieso zu enden. Unverrichteter Dinge zog ich also wieder ab.
Wieso zum Henker benahm sich Nami so merkwürdig. Sie gab mir nicht mal die Chance mich zu erklären. Selbst wenn sie auf mich sauer war, so hatte sie noch nie reagiert. Es machte mich ein wenig wütend, wie sie meinte mit mir umgehen zu können. Ich wollte ihr doch nur eine Sache mitteilen und dafür brauchte ich exakt eine Minute, wenn überhaupt.
Gegen Ende der Pause kam sie wieder aus ihrem Mäuseloch hervorgekrochen und schaute nicht einmal in meine Richtung. Wollte sie mich bewusst ärgern oder wieso machte sie Sowas? Sonst schaute sie stets zu mir und verzog dabei zumeist ihr Gesicht und ich das meine, schließlich waren die Stunden langweilig genug.
Zur nächsten Pause wollte sie erneut so schnell entschwinden, doch ich stellte sie zuvor.
„Nami-chan, könnte ich bitte kurz mit dir reden?“ schrie ich bald über den ganzen Flur, so dass es alle hören konnten. Sie blieb stehen. Drehte sich zunächst nicht, aber nachdem ihr Gefolge sich umschaute, wer der Störenfried war, blickte auch sie zu mir. Sie kam einige Schritte auf mich zu.
„Was möchtest?“ fragte sie in einem äußerst leisen und andächtigen Tonfall. Ich tat einen halben Schritt auf sie zu und beugte mich leicht zu ihr runter.
„Ich würde gerne kurz mit dir unter vier Augen reden.“ flüsterte ich mehr als ich sprach. Ihre Augen schauten mich unverwandt an.
„Du kannst auch hier mit mir sprechen.“ mit einer leicht zischenden Sprechweise teilte sie mir dies mit. Ich richtete mich wieder auf, blickte ihr tief in die Augen. Das sonst so liebevolle und herzliche Glimmen war erloschen und zurück blieben dieser Smaragd, die trotz ihrer Schönheit, so ausdrucklos und kalt waren.

Kapitel 16

Die Sonne neigt der Welt seinen Rücken zu und entschwindet langsam über dem Meer, so dass der Strand allmählich im Dunkeln verschwindet. Die Kleine tollte und spielte den ganzen Nachmittag dort, ohne das ihr langweilig wurde. Sie genießt es. Die Luft und das Rauschen der Wellen sind beruhigend. Die Möwen, welche hier kreisen, lassen einen Hauch von Freiheit zurück. Doch langsam wird es kühl hier am Strand. An der Promenade laufen Schüler nach Hause. In der Stadt werden die ersten Lichter entzündet. Die Kleine steht dort und schaut auf das Meer hinaus. Wie wundervoll es doch wäre ein Fisch zu sein, der tagein tagaus durch die bunte große Welt des Meere streift und durch die Oberfläche hindurch springt und wieder im kühlen Blau landet. Völlig frei von irgendwelchen Zwängen. Doch auch ein Fisch verspürt Hunger und so meldet sich der Magen der Kleinen zu Wort. Er grummelt und zieht sich leicht zusammen, wie ein Gummiband. Sie läuft zu ihrer Tasche, doch dort, wo diese sein soll, ist nur Sand. Der ganze Strand besteht nur aus Sand und ihr. Ihre Jacke, die Tasche mit dem Essen und ihrem Geld, alles fort. Sie steht dort und schaut sich um. In ihren Augen breitet sich Furcht aus. Auf ihrer Haut die Kälte und zurück bleibt die Kleine in einem T-Shirt, einer Jeans und ein paar leichten Sommerschuhen. Sie fühlte sich einsam und verlassen. Ist dies die Strafe von Gott, dass sie weggelaufen ist? Ist der Gott wirklich so unbarmherzig, dass er selbst die Kleine, die sich doch nichts mehr wünscht als geliebt zu werden, so bestraft, in dem er ihr alles nimmt und nur die Kälte lässt. Vor der sie einst floh? Ist das Gott?
Oben in der Stadt wird es heller, wohingegen es hier unten am Strand immer dunkler wird und auch in ihr wird es finster. Wo ist Gottes Licht auf Erden?

Kapitel 17

Dieser Einstieg ins Kendo war für mich irgendwie beruhigend. Ich binde mir meine Schuhe zusammen und setze gerade den ersten Fuß nach Draußen, als meine Lippen ein kleines Lächeln umspielt. Es ist wie das Säuseln des Windes in den Blättern der Bäume. Lange ist es her, dass ich so etwas verspürt habe, so etwas bei mir wahrgenommen habe. Vielleicht sollte ich mich öfters vermöbeln lassen.
Ich trete aus dem Dojo heraus. Die Sonne ist langsam im Inbegriff sich für diesen Tag zu verabschieden. Sie hatte vermutlich auch genug von uns hier und würde sich die Menschen auf der anderen Seite des Globus anschauen wollen, ob diese interessantere Dinge machen. Ernüchternd würde sie dann vermutlich wieder zu uns zurückkehren und festgestellt haben, dass der Trott hier auf der Erde stets der gleich ist.
Ich schlendere über den Asphalt des Schulhofes zum Tor hinaus. Der Straßenbelag liegt in einem tristen grau unter mir. Meine Schritte auf ihm hinterlassen keine Zeichen. Es könnte auch gut sein, dass ich nie hier gewesen bin. Zuhause würde mich niemand erwarten. Das Haus läge in einem Dämmerlicht, überlege ich gerade so. Ich schreite durch das Schultor und von hinten höre ich nur:
„Abarai-kun! Abarai-kun!“ Ich drehe mich um und sehe Takara-chan auf mich zu laufen. Sie hat die Hand zum Gruß gehoben. Der Saum ihres Rocks tanzt im Takt ihrer Bewegung. Sie ist neben ihrer Schultasche noch mit einer weiteren Tasche beladen, eine große pinke Sporttasche. Sie kommt näher. Ihre gelockten Haare hat sie zusammengebunden, so dass sich hinter ihrem Kopf ein Busch aus Haare hervor tut.
„Hallo Abarai-kun, wie war das Kendo?“ fragt sie mich, als sie endlich bei mir angekommen ist und im gleichen Moment schaut sie mich erschrocken an. Ihre Augen weiten sich vor Entsetzen und spähen zu meinem rechten Ohr, welches in weiße Leinen gehüllt ist.
„Was ist passiert?“ fragt sie sichtlich besorgt. Mit ihren zarten Fingern langt sie zu meinem Kopf und ergreift mit Zeigerfinger und Daumen mein Kinn und dreht meinen Kopf, so dass sie sich das besser anschauen kann. Ich spüre ihre kleinen sanften Finger an meinem Kinn und lasse es ohne Widerwehr mit mir geschehen. Die spitzen ihrer Finger sind etwas kühl und ich spüre ihre glatt geschliffenen Fingernägel an meinem Kinn.
„Ein kleiner Unfall, nichts weiter!“ tue ich es ab und sie guckt weiter dorthin. Aus den Augenwinkeln versuche ich sie zu betrachten. Sie blickt mich kritisch an, wie eine Mutter, die wittert, dass sie gerade belogen wurde. Sie macht aber keine Anstalten mein Kinn loszulassen.
„Könnte ich bitte meinen Kopf wiederhaben.“ plötzlich, als würde es ihr erst jetzt auffallen, dass sie mich am Kinn angefasst hat, lässt sie mich los.
„Schuldige.“ sagt sie verlegen.
„Ist schon in Ordnung. Bist du auf dem Heimweg?“ unnötige diese Frage zu stellen, aber so würde sie zumindest nicht mehr mein Ohr begutachten wollen.
„Ja, das bin ich. Das Ballett ist gerade vorbei und ich bin voll fertig.“ sagt sie und sackt unter der Last ihrer Taschen zusammen. Ich nehme ihr die Sporttasche ab, die wirklich schwer ist.
„So, nun hast du es nicht so schwer. Komm lass uns gehen. Und wie war das Ballett so? Ich stelle mir das immer als so ein wildes Rumgehopse vor, aber das ist es vermutlich nicht oder?“ Sie lächelt mich schüchtern an und erklärt mir dann was Ballett ausmacht. Dabei kann sie bald nicht mehr ruhig vor sich her laufen. Nein, sie tanzt um mich herum. Macht Pirouetten. Hüpft auf und ab. Wie ein Drachen fliegt sie so um mich herum und schlussendlich hat sie mir doch ein wenig Verständnis für diese Form der künstlerischen Darstellung vermittelt.
Wir kommen am Strand vorbei. Die Felswand erstreckt sich hier natürlich geschaffen einige Schritt in die Tiefe, bevor der gelbe Sand beginnt und langsam über einige Baumlängen im Blau des Meeres verschwindet. Die untergehende Sonne färbte das Meer in ein sattes Spiel von Farben.
„Ist es nicht schön?“ fragt sie mich und stützt sich an der Mauer ab. Sie blickt verträumt auf das Meer hinaus.
Ihr Antlitz wird von der Sonne beschienen. In ihren Augen kann man erahnen, dass sie nun gerade sehr weit weg ist. Ihre Gedanken wurden wohl vom kühlen Wind davongetragen. Zu anderen Ufern.
Ich blicke über den Strand hinweg, wo ein Kind einsam und verlassen der Sonne entgegenblickt, auf das Meer hinaus.
Der Geruch des Meeres, salzig und frisch, steigt mir in die Nase und ich fühle mich frei. Frei und ungebunden. Hier kann man es aushalten. Die Ruhe liegt nicht nur über dem Meer, nein auch die Hektik in der Stadt nimmt stetig ab. Man sitzt hier noch bei einem Kaffee beisammen und erzählt sich vom Tag oder geht spazieren, so wie wir beide.
Ich schaue rüber zu ihr. Sie schaut immer noch auf das Meer, aber nun ist sie wieder im Hier und Jetzt. Sie scheint den Wind in ihren Haaren zu genießen. Wie ein listiger Minnegeist huscht der Wind in ihr Haar und tobt durch das Gewirr von Locken.
Sie blickt zur Seite und mich an. Und da sind sie wieder. Diese braunen Augen, welche einem ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit geben. Es fühlt sich so an, als läge ich schön eingepackt in meinem Bett. Nichts und niemand kann mir hier etwas tun, genau so fühlt es sich an, wenn ich ihr in die Augen blicke. Ein liebevolles Lächeln umspielt ihre Lippen und ihre Augen huschen von meiner Nase zu meinen Augen, von meinen Augen zu meiner Stirn. Sie scheint mich eingehend zu beäugen.
„Ääärhrhrm“ räuspere ich mich „wir sollten vielleicht weiter gehen.“ Ein kleines Nicken ihrerseits lässt uns beide zusammen weiterziehen.
Wir laufen die Promenade entlang, einmal die gesamte Länge bevor wir uns wieder in die Stadt begeben. Wir plaudern noch über alltägliche Dinge, wie das Wetter und wie es mir hier so gefällt bisher und ob wir nicht Mal zusammen lernen wollen. Ich erzähle ihr, dass sie dann ruhig zu mir kommen könnte, denn bei mir ist niemand.
„Wie? Du bist alleine?“ fragt sie verwirrt.
„Ja, meine Eltern sind beide nicht da. Meine Mutter macht irgendwo auf der Welt irgendwelche Fotos und mein Vater versucht irgendwo anders auf der Welt irgendwelche Unternehmen zu übernehmen oder irgendwie so was.“ teile ich ihr wahrheitsgemäß mit.
„Und wer macht dir etwas zu essen?“ fragt sie, als wenn dies ihre einzige Sorge wäre. Ich muss kurz lachen.
„Ich mich selbst?“ gebe ich belustigt und fragend zurück. Mit einem anerkennenden Nicken bleibt sie stehen.
„So, hier wohne ich.“ Es ist ein Reihenhaus. Nicht sehr groß, aber es sieht gemütlich aus. Im Garten davor steht ein Kirschbaum, dessen braungraue knorrige Borke faltiger aussieht, als jedwedes Gesicht alter Menschen. Die ersten Blumen recken bereits ihre Köpfchen empor und so beginnt der Kreislauf des Lebens wieder von vorne.
Ich reiche ihr ihre Tasche und sehe mich um. Ich habe keine Ahnung in welche Richtung ich muss, damit ich nach Hause komme. Ich frage Takara-chan, wie ich denn am besten von hier aus zu mir komme. Sie schaut mich an und beginnt zu lachen.
„Du willst mir nicht erzählen, dass das hier nicht dein Heimweg ist?“
„Nicht wirklich, aber ich dachte mir, dass es netter wäre mit dir zu laufen und so habe ich doch auch noch etwas von der Stadt gesehen.“
Sie erklärt mir den Weg und ich stelle fest, dass ich in die komplett andere Richtung gelaufen bin. Nun denn. Mit den Informationen mache ich mich dann auf den Heimweg. Ihre Beschreibung war sehr genau und so komme ich dann irgendwann zu Hause an. Die Sonne ist bereits vollkommen untergegangen und ich entzünde das Licht in dem Haus. Im Wohnzimmer höre ich meine Schritte auf den kalten Fliesen wiederhallen und ich merke wie einsam das Haus wirkt. Weniger Raum würde es auch tun, aber meine Eltern mögen es geräumig, damit sie sich aus dem Weg gehen können. Und auch mir.

Kapitel 18

Ich blicke dich an. Ich schaue in deine dunkelbraunen Augen. Leicht marmoriert sind sie, wie Zedernholz glänzen sie und ich habe das Gefühl darin zu versinken, wie in einen gemütlichen Holzstuhl. Dein dunkles struppiges Haar, welches so ausschaut, als seist du gerade erst aus dem Bett gekrochen, lässt in mir den Wunsch aufkommen gleich wieder mit dir in diesem zu verschwinden. Deine Haut wirkt so hart, als sei sie im Wetter gefestigt worden, doch wer weiß, was dich wirklich dazu getrieben hat ein solch gegerbtes Gesicht zu erlangen.
Spitz wie ein Berg ragt deine Nase aus deinem Gesicht empor, es ist nicht so das man Angst davor haben müsste von ihr verletzt zu werden, wenngleich sie doch sehr zugespitzt wirkt. Vermutlich ist es eher eine Art Kompass für dich, nach dem du dich orientierst.
Glattrasiert ist es, dein Kinn, sowie dein ganzes Gesicht. Kein Härchen ist zu sehen.
Ich würde mich so gerne an deine breite Brust schmiegen und mit dir in deinen Armen den Sonnenuntergang betrachten.
Auch wenn das Licht des Tages erlöschen würde, so würde in uns das Feuer der Leidenschaft brennen, welches uns wärmt und stärkt.
Es wäre so schön.
Doch dein Gesicht trägt das Zeichen der Zeit. Du wirkst erschöpft und ermattet. Des Lebens müde scheinst du zu sein, aber nur warum? Was nimmt dich so mit? Was ist dir widerfahren? Kann ich dir helfen und einen Teil deiner Last abnehmen?

Kapitel 19

Sie läuft durch die Straßen. Die Lichter aus den Lokalen spenden Helligkeit und die Reklameschilder preisen Speis und Trank an. Ihr Magen knurrt und rumort. Es tut weh. Sie hat zu viel gespielt. Sich zu sehr verausgabt und nun, nun hat sie keine Nahrung, um ihrer Kräfte wieder zu erlangen. Labil und ohne Ziel streift die Kleine durch die Straßen der Stadt. Bergauf geht es hier. Ist dies ihr Weg direkt in Gottes Reich?
Ihre kleinen Händen hat sie sich auf ihren schmerzenden Bauch gelegt, doch auch dies nützt nichts.
Durch die Fensterläden hindurch sieht sie lachende und schwatzende Menschen, die sich das Essen, welches dampft und fantastisch ausschaut, einverleiben. Ihr Magen rebelliert und verlangt auch nach einer Mahlzeit. Sie stolpert die Straße hoch. Ihre Beine fühlen sich von dem Laufen im Sand so träge an, als würde sie nach wie vor in eben diesem nachgiebigen Brei herumwarten. Und so werden ihre Schritte immer schwerer als würde Beton an ihnen haften und schließlich bleibt sie stehen. Die Menschen laufen um die Kleine herum. Nehmen etwas mehr Abstand zu ihr, denn zu dieser Jahreszeit ist es nicht gerade üblich nur mit Jeans und T-Shirt in der Nacht umher zu laufen.
Es wird kälter. Auf ihrer Haut breitet sich Gänsehaut aus und ihre Haare stellen sich zur Abwehr der Kälte auf.
Sie ist geschwächt und als Folge dieser Schwächung ermüdet sie langsam.
Ihr Blick wandelt umher. Von den Reklameschildern zu den degoutierten Blicken der Menschen um sie herum in eine Seitegasse, in der ein Bäcker gerade einige Brötchen in die Mülltonne schmeißt. Ein flüchtiges Lächeln zaubert sich auf ihre Gesicht. Hat er doch so gerade seinen Besitz von sich gestoßen und es anderen zu Verfügung gestellt. Als der Bäcker weg ist, geht sie hinüber. Sie nimmt den Deckel ab und blickt hinein. Dort liegen sie. Brötchen. Sie greift nach einem und merkt sogleich, dass es ganz hart ist. Doch ihren Magen verlangt es danach. Sie schließt die Augen und beißt von dem Brötchen ab, welches sich kauen lässt, als hätte man zähes Leder im Mund. Doch ihr Magen füllt sich und sobald ist sie nicht mehr hungrig, entweder liegt es am schlechten Geschmack der Brötchen oder weil ihr Magen bereits so sehr geschrumpft ist, dass er nicht mehr so viel aufnehmen kann.
Die Finsternis breitet sich aus.

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