Aufwiedersehen (12)

Kapitel 20

Vielleicht würden meine Worte in der Lage sein ihrer ausdrucklosen Miene etwas Wärme zu entrinnen und so versuchte ich es einfach. In mir verkrampfte sich alles zu einem gigantischen Knäul mit dem die Katzen sicherlich gerne spielen würden. Mein Puls raste, wie der Formel 1-Fahrer und vermutlich ebenso schnell kamen die Worte aus meinem Mund heraus, der gegenwärtig so trocken, wie die Wüste Gobi selbst.
„In Ordnung.“ setzte ich an und atmete nochmal kurz durch. Dieser Atemzug kam mir vor wie Stunden und blieb mir im Halse stecken.
„Nami?“ sie stand mit verschränkten Armen vor mir und ihr trockener Gesichtsausdruck lies mich zögern. Was ist, wenn sie nicht so empfinden würde, wie ich? Es standen einige Leute um uns herum, die neugierig meiner Kundgebung bei wohnten. Ich schloss kurz die Augen und vor mir sah ich sie, wie sie mich anlächelte und mir die Geborgenheit spendete, die ich sonst immer gewohnt war und nun wusste ich wofür ich hier kämpfte. Ich öffnete die Augen, blickte fest in die ihrigen und ich meinte einen winzigen Hauch von Überraschung in diesen auszumachen.
„Nami, ich liebe dich!“ sagte ich voller Überzeugung und ihre Ausdrucklose Miene bröckelte. Die Fassade fiel zu Boden, ähnlich wie ihre Arme, die nun zu Boden sanken. Ihr blickt sucht auf dem kalten Fliesenboden nach den Wörtern, die ihr anscheinend abhandengekommen waren. Ihr Mund öffnete sich leicht. Offenbar war dort etwas was versuchte hinauszukommen. Alle um uns herum waren still. Man hörte das Ticken der Uhr an der weißen Wand. Jeder Schlag bohrte sich in meinen Schädel ein, als würde man Nägel in diesen treiben. Nach einer Weile, die wie eine Ewigkeit wirkte, blickte sie mich an.
„Ich dich aber nicht.“ sagte sie und ging davon. Die Umstehenden lachten. Sie lachten mich aus. Ihre Mädels zogen auch von dannen und die Stunde sollte wieder beginnen.
In der nachfolgenden Zeit wurde mir in kitschigster Art und Weise meine Darstellung vor Augen geführt. Nach jeder Darstellung lachte man lauthals über mich.
Wie konnte ich nur so dumm sein und annehmen, dass sie ebenso empfand? Ich kam mir wie der größte Trottel vor, der über diesen Planeten wandelte. Wie konnte ich dies bloß vor allen machen? Dies würde mir meine Leben lang nachhängen. Immer wieder würde man mich daran erinnern.
Ich war froh als endlich die Glocke schlug und dieser Tag ein Enden fand. Ich konnte nach Hause gehen. Alleine und ohne blöde Kommentare. In Ruhe konnte ich gehen. Die Tasche geschulter über die rechte Schulter lief so vor mir her. Der Lärm der Autos und Menschen um mich rum. Und dann dort, an der Kreuzung, stand sie. Sie blickte zu Boden. Ihre Haare fielen ihr ins Gesicht und vor sich hatte sie ihre Tasche in beiden Händen. Sie lehnte an der Straßenecke. Ich überquerte die Straße und lief direkte an ihr vorbei. Als ich im Inbegriff war dies zu tun, sagte sie: „Warte, bitte.“ Ich war immer noch wütend oder sollte ich besser sagen gekränkt und wollte nun eigentlich nicht mit ihr reden. Ich lief kommentarlos an ihr vorbei. Doch sie fast mich am Saum meines linken Ärmels. Ich wandte mich um und sah in ihr Gesicht. Es war Tränen überströmt.

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