In mitten

Hier bin ich. Ich habe die Augen geschlossen. Es wird alle dunkel um mich herum. Die Schwärze umgibt mich und ich spüre, wie sich mein Gehör schärft. Zunächst noch der konstante Lärm von der Straße. Das Dahinfahren der Autos, das Bremsen an und Anfahren an der Ampel und dann die Hupen. Klingeln. Die Radfahrer. Doch dann wird es leiser. Der Schall dringt immer weniger an meine Ohren. Es kommt mir so vor, als würde ich mir die Finger in die Ohren stecken. Und dann vernehme ich nur noch meinen Herzschlag. Regelmäßig und in Ruhe stößt er weiter in meine Ohren. Regelmäßig und mit einer Zuverlässigkeit lausche ich diesem Klang, welche eine große innere Gelassenheit hervorbringt. Ich atme die Luft aus meiner Lunge heraus. Mein Brustkorb senkt sich und ich fühle die Leere in meiner Lunge. Sogleich sauge ich den frischen Sauerstoff wieder ein. Meine Nase bläht sich auf und auch so meine Lungenflügel. Mit diesem Atemzug habe ich das Gefühl davon getragen zu werden, als würden sich Schwingen ausbreiten und mich davontragen. Die Ruhe ist immer noch bei mir. Ich öffne die Augen und befinde mich nicht mehr an meinem Schreibtisch. Ich befinde mich in mitten einer großen blauen Wolke. Ich kann durch sie hindurch blicken. Sie offenbart mir eine Blick auf andere Nebelschwaden, die dort umherkreisen. Ich fühle mich in dieser Nebelbank ruhig und gelassen. Ja, man könnte sogar sagen, dass ich mich entspannt fühle. Ich lasse die Ruhe auf mich wirken und fühle mich wie ein Bachlauf, der einfach dahinfließt.
Mein Blick erspäht einen anderen Nebelfleck, welcher in einem leichten rot erstrahlt und meine Neugier weckt. Ich schwebe durch die Wolke und lande sanft in einem recht schmucklosen Raum, dessen Boden mit weichem schwarzem Samt ausgelegt ist. Meine Tritte hallen nicht nach, sondern werden von dem Teppich verschluckt. Ich gehe auf die rötliche Hülle zu. Sie sieht geschmeidig und liebevoll aus. Ich gehe um sie herum und stelle fest, dass an einer Stelle ein schwarzer Schleier versucht sich dessen zu bemächtigen. Ich folge dem dunkel und lande bei einer Nebelbank, welche dunkel und furchteinflößend wirkt. Ich vernehme, wie ich Angst bekomme. Angst etwas zu verlieren, was ich lieb gewonnen habe. Etwas zu verlieren, was ich nicht mal wirklich habe. Aber ich spüre die Angst, wie sie sich des Roten bemächtigt.
Ich bin unschlüssig. Wie soll ich mich verhalten? Was kann ich tun? Ich will keine Angst haben. Ich will diese wohlig warmen Gefühle in meinem Buch empfinden, welches mich Dinge machen lässt, zu denen ich sonst nicht im Stande bin. Und so trete ich in die Angst.
Ich bin in Mitten dieser Wolke. Mein Blick wird getrübt. Ich sehe unklar die Dinge vor mir. Ich sehe, wie das geht, was ich gerne bei mir wissen will. Ich fühle wie die Wärme entschwindet und an einen tiefen dunklen Ort einkehrt. Einen Ort von wo aus niemals etwas zurückkehren wird. Ich vernehme in meinem Inneren die Angst des Verlustes. Ich fühle, wie die Zuneigung weniger wird. Weniger aus der Furcht heraus noch mehr zu verlieren, als ich sowieso schon verlieren könnte. Ich nehme alles nur noch so langsam wahr. Das Atmen fällt mir schwerer. Ich werde träge und antriebslos. Das Schwarz um mich wird dichter und droht mich zu verschlingen.
Doch nein! Ich will dies nicht. Ich will nicht von Angst und Furcht geleitet sein. Ich möchte die Hingabe in meinem Leben spüren, egal welche Konsequenzen dies mit sich bringt. Ich will das wohlige warme Gefühl in meiner Bauchgegend verspüren, wenn ich dich sehe und nicht in Zweifel versinken. Ich will das genießen, was ich jetzt bekomme und nicht daran zu Grunde gehen an dem Gedanken was ich alles verlieren würde in Zukunft. Ich lebe nur in Hier und Jetzt. Ich werde in der Zukunft leben, aber diese kann ich nicht vorhersagen. Also lebe ich den Moment. Und in diesen Momenten möchte ich genieße dich zu kennen. Möchte ich genießen, dass für dich zu empfinden, was ich empfinde. Und so möchte ich jeden Augenblick, den du mir schenkst, wahrnehmen und wie eine Schwamm aufsaugen. Aufsaugen und inhalieren will ich all die schönen liebevollen Dinge, die du bereit bist mir zu offenbaren. Sei es dein Lächeln oder auch dein verständnisloser Blick. Sei es die Umarmung zur Begrüßung oder der Abschied. Und auch die Momente in denen ich nachdenklich bin, möchte ich annehmen, denn diese machen wir klar, was ich für dich empfinde. Und dieses ist es, was ich für mich mehren möchte, so dass die Furcht verschwindet und ich in vollkommener Zuneigung zurückbleibe.
Ich atme durch. Die Luft wird besser. Das Dunkel verschwindet und weicht einem sanften Rot.
Nun bin ich in mitten dieser rötlichen Wolke, die mir Geborgenheit und Wärme spendet. Das Schwarz ist verschwunden. Ich genieße diesen Augenblick. Denn nur jetzt lebe ich und bin ich und so kann ich sein. Die Zukunft passiert noch früh genug. Gedanken machen um das was sein wird, ist doch verschwendete Lebenszeit. Ich mache mir lieber Gedanken, um diesen Moment. Genieße ihn in vollen Zügen und nehmen die Gefühle auf. Vervielfache die guten Gefühle und versuche die negativen anzunehmen. Sie zu akzeptieren und sie zu wandeln. Zu wandeln in etwas Schönes. So nehme ich auch die Angst an, die mir zeigt, wie viel ich für dich empfinde und dies ist doch ein schönes Gefühl. Auf das es noch mehr wird.
Ich öffne die Augen und stelle fest, dass die Sonne strahlt. Wie schön.

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