Aufwiedersehen (14)

Kapitel 23

Nein! Ich bin weg. Ich gehe. Geh Weg! Verschwinde! Nein, nicht du!
Ich kann es nicht! Verstehst du das? Ich hoffe doch. Komm klar damit.
Ich gehe nun. Du bleibst. Hier! Folge mir nicht!
Ich will dich nicht mehr sehen oder hören oder riechen.
Verschwinde! Kehre zurück! Mir egal, wo das ist!
Nur will ich dich nicht mehr sehen!
Ich auch nicht. MIr geht’s genauso. Verschwinde.
Geh weg von uns. Wir können dich nicht ausstehen!

Kapitel 24
Wie ich sie so sah, konnte ich nicht anders als sie in die Arme zu nehmen. Meine Tasche fiel zu Boden und verharrte dort, während sich meine Arme um sie schlossen, wie ein Sicherrungsseil. Sie hing geradezu schlaf in meinen Armen, als sei jedwedes Leben ihrem Körper entwichen. Die einzige Sache, die mir klar machte, dass sie noch im Diesseits war, war der Fakt, dass sie ganz leise weinte. Sie weinte einfach und sehr bald merkte ich, dass ihre Tränen sich einen Weg durch meine Kleidung gebahnt hatten. Ich nahm nach einiger Zeit wahr, dass ihre Tasche zwischen uns gegen Erdboden fiel. Sie hebte ihr Arme und umschloss auch mich. Sie zog mich so fest und dicht an sie heran, dass mir zunächst etwas die Luft wegblieb, doch dann vernahm ich die Wärme ihres Körpers. Der frische Duft ihrer Haare weckte in mir die Erinnerung an das weite offene Meer und es kam mir so vor, als hörte ich das Rauschen der Wellen, doch vermutlich war es nur der Verkehrslärm. So standen wir noch einige Zeit, wie diese Straßenkünstler starr da. Einzig und allein bewegte sich die Kleidung und das Haar im Wind.
„Kannst du mir verzeihen?“ fragte mich Nami nach einiger Zeit.
„Habe ich schon.“ und tatsächlich, erst kurz nachdem diese Worte meinen Mund verlassen hatten, wurde mir klar, dass ich ihr nicht mehr böse war. Der Ärger und die Wut hatten sich ins Meer verflüchtigt, wo sie keine Rolle mehr spielten. Wir lösten uns voneinander. Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen und sie wischte sich die Nässe aus dem Gesicht.
„Sag’s nochmal.“ forderte sie mich auf und zunächst wusste ich nicht so recht was sie meinte, doch dann dämmerte es mir. Nach einem leicht verwirrten Gesicht meinerseits setzte ich ein Lächeln auf, welches ehrlich war und dann sagte ich es nochmal.
„Nami, ich liebe dich!“ sie lächelte mich an.
„Ich dich auch.“ sagte sie und wir fielen uns in die Arme. In mir breitete sich ein wohlig warmes Gefühl aus, welches ich nicht kannte. Ich fühlte mich gerade sehr zufrieden und in meinem Bauch flogen die Schmetterlinge umher. Ich fühlte mich etwas unsicher, doch mit Nami an meiner Seite konnte nichts schief gehen.
„Lass uns bitte nichts überstürtzen. Ich möchte alles ganz ruhig angehen.“ flüsterte sie mir ins Ohr.
„Ist in Ordnung.“ gab ich von mir.

Kapitel 25

Wie soll ich sagen? Ich bin wach. Die ersten Sonnenstrahlen fluten mein Zimmer. Ich hatte heute Nacht wohl vergessen die Vorhänge zu zu machen. Der positive Effekt ist nun, dass ich mich nicht von meinem schrillen Wecker munter machen lassen muss. Jedes Mal wenn dieser klingelt, habe ich das Gefühl als würde ein Teil von mir sterben. Ein Teil würde durch das läuten abgeschnitten werden und im Land der Träume zurückbleiben. Vielleicht finde ich jedes Mal in der Nacht diesen Teil wieder, aber trotzdem empfinde ich dieses geweckt werden als massiven Eingriff in meine Ganzheitlichkeit.
Auch wenn ich nicht geweckt wurde von einem Ton, so fühle ich mich dennoch sehr fertig. Gut geschlafen habe ich nicht. Ich setze mich auf die Bettkante und prompt offenbart sich mir, dass ich immer noch in mitten von Kartons hause. Ich hatte zunächst die ganzen anderen Zimmer eingeräumt, aber das meinige Vernachlässigt und sehe lebe ich zur Zeit in einem Fort aus Pappkarton.
Ich bahne mir den Weg in das Bad. Meine Gliedmaßen fühle sich lahm an. Sie scheinen mir nicht ganz zu gehorchen und so schwanke ich unter die Dusche. Lasse mich mit vom kalten Wasser beträufeln. Ein leichte Schock geht durch meinen Körper, als hätte jemand nun die Batterien eingelegt und prompt geht es mir besser.
Nachdem ich mich bekleidet habe, wandel ich zielstrebig nach unten in die Küche. Im Wohnzimmer vernehme ich einen leichten Luftzug und stelle fest, dass ich die Verandertür offen gelassen habe. Eine angenehme Frische strömt herein und ich gehe zur Tür und blicke nach Draußen. Unser Garten liegt ruhig da. Der Bachlauf ergiest sich plätschernd im Teich. Vielleicht sollte ich mal ein paar Fische kaufen, denn so sieht der Teich etwas leblos aus. Vielleicht fahre ich Heute nach der Schule noch bei einem Tiergeschäft vorbei. Ich wende mich wieder in die Wohnung zu und alles liegt in Ruhe dort. Der Fernseher, die Sessel, der Sekretär und die Couch stehen an gewohnter Stelle und alles wirkt so unbenutzt, von wem auch? Ich gehe in die Küche und mache mir eine Frühstück. Der Kühlschrank ist gut gefüllt. Ich mache mir mein Frühstück und packe mir auch eine gute Menge für die Schule ein. Packe meine Sachen und gehe los.

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