Das erste Treffen

Erinnerst du dich noch? An diesen einen Tag, als wir uns trafen? Die Sterne standen hell am Himmel und die Nachtluft war geschwängert von den Lauten der Umherwandernden. Sie feierten und so auch wir. Ich erinnere mich noch genau. Ich wollte Heim. Die kühle der Nacht, die sich schwer auf mich gelegt hatte, hinter mir lassen und ins wohlig warme Bett einkehren und ruhen. Und dann warst du da. Dunkel dein Haar, wie die Nacht und doch glänzte es, wie der Nachthimmel, fasst dachte ich, dass sich die Sterne in deinen Haaren spiegelten, doch nein, sie spiegelten sich in deinen Augen. Die wurdest von einem Haufen junger Halbstarke angerempelt und stolpertest. Sie gingen weiter und ich auf dich zu. Ich bot dir meine Hand an, um dir aufzuhelfen. Dein Rock hatte sich schützend über deine Beine gelegt und schaute zunächst verdutzt gegen meine Hand, als sei sie etwas Fremdes, dann blicktest du weiter empor und sahst mir ins Gesicht. Ich weiß nicht, was du in diesem Moment gedacht hast, aber meine Gedanken waren von deinem Antlitz gefesselt. Deine klaren dunklen Augen, die so sehr strahlten, dass ich fast geblendet wurde und dann diese liebreizende Nase, die zunächst etwas zu klein wirkte, aber dann auf dem zweiten Blick doch genau zu dir passte. Die fein gezogen Augenbrauen und dieses Muttermal neben deinem rechten Auge. Zögernd hast du damals meine Hand ergriffen und ich zog dich hoch. Etwas verlegen bedanktest du dich und gingst hinfort.
Und nun gerade hast du dich auch bedankt. Bedankt dafür, dass ich dir damals gefolgt war und dich nochmal sehen wollte. Du hast dich gerade bedankt dafür, dass wir eine so schöne Zeit zusammen hatten. Doch nun bist du gegangen. Gegangen an einen Ort, wohin ich dir nicht folgen kann. Einen Ort der dunkler ist als diese Nacht.
Die Nacht hat gerade erst begonnen, doch sehe ich da einen kleinen Stern am Himmel, der die Schwärze tilgt. Einen Stern, den du mir hinterlassen hast. Ich werde auf ihn Acht geben, wie ich auf dich Acht gegeben habe. Ich werde jede Kraft aufbringen, um diesen Stern am Leuchten zu halten. Und ich weiß, dass sich dieses Leuchten auch auf mich übertragen wird. Vermutlich nicht Heute, aber vielleicht schon Morgen.
Dies ist nun unser erstes Treffen. Dein Haar ist wenig. Ein kleiner dunkler Pflaum ist auf deinem Köpfchen auszumachen. Du schreist, als würdest du den Schmerz empfinden, den ich gerade durchmache. Deine Augen noch geschlossen, als wolltest du die Herrlichkeit dieser Welt nicht sehen wollen. Doch wird der Tag kommen, an dem ich dir zeige, wie schön diese Welt ist und was sie dir alles zu bieten hat. Und dann diese kleine Nase, die dir sehr gut steht. Manche mögen vielleicht meinen, dass sie zu klein sei, doch ich finde, dass sie dir sehr gut steht.
Es tut mir Leid dir sagen zu müssen, dass sich neben der Freude dich in den Armen halten zu dürfen auch eine Träne beimischt, die sich beißend unter diese Freude mischt, wie die Farbe, die sich in Ozean der Endlichkeit verteilt und auch so wird es der Trauer ergehen. Sie wird vergehen im Ozean der Freude. Doch nun wünschte ich mir, dass ich euch beide halten könnte.
Es tut mir Leid, dass unser erstes Treffen so ausfallen muss, aber ich freue mich auf die Zeit mit dir. Ebenso behalte ich die wundervollste Zeit meines bisherigen Lebens in Gedanken und werde mich an schlechten Tagen daran zurückerinnern, wie unser erstes Treffen war.

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