Statik und Dynamik

Unsere Erinnerungen sind festgeschrieben. Man könnte geradezu sagen, dass sie in Stein gemeißelt sind. Egal wie oft man diese durchgeht, man wird sie nicht verändern können. Sie werden immer gleich bleiben und sich niemals ändern, außer wir wollen uns selbst belügen. Belügen, um den Preis, dass wir dort etwas wiederfinden, was dort niemals war. Sie sind statisch und so können wir in ihnen nur wandern, wie die Macher eines Stopmotionfilms. Aber was bringt es einem in seinen Erinnerungen zu verweilen und dort zu leben? Zu leben in Etwas das die Vergangenheit ist. Etwas das bereits geschehen ist und nicht mehr zu ändern ist. Es mag noch so schön gewesen sein damals, aber durch das Schwelgen in Erinnerungen werden wir den Blick für die wundervollen Dinge im Hier und Jetzt nicht wahrnehmen können. Man sollte die Statik der Vergangenheit hinter sich lassen und die Lethargie, die diese über einen bringt, beseitigen, um wieder dynamisch zu werden. Man muss sich selbst in Bewegung setzen, um die pulsierende Welt dort draußen zu erleben. Denn nur durch die eigene Fortbewegung kann man das Geschehen in der Welt wahrnehmen und an ihr teilhaben, so dass sich neue Erlebnisse bilden, die Einem eine schöne Erinnerung hinterlassen. Aber geht es nicht viel eher darum, diesen Moment voll und ganz zu genießen mit all seinen atemberaubenden Eindrücken? Geht es nicht darum diesen Augenblick zu spüren und seine Kraft in sich aufzunehmen, um daraus Stärke zu ziehen? Geht es nicht darum, dass man lernt, dass man nur durch sein eigenes aktives Zutun Erlebnisse kreieren kann, die einem Lebensfreude schenken? Träumen wir stetig unsere Erinnerungen, dann nähren wir uns nur von bereits verdauten Dingen, die mit der Zeit immer weniger Geschmack haben. Ist es da nicht besser raus zu gehen und sich neues Futter zu suchen? Futter für das Leben? Und dies geht nur durch die eigene Dynamik!

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3 Antworten zu Statik und Dynamik

  1. IVEA schreibt:

    Ich finde nicht, dass Erinnerungen statisch sind. Sicher, was passiert ist, ist passiert und hätte all dies jemand mit der Kamera aufgenommen, ließe es sich nicht mehr ändern.. aber unser Kopf ist keine Kamera und allzu oft merke ich, dass Menschen dazu neigen ihre Vergangenheit „umzudeuten“.. ich würde dies nichtmal als Lüge bezeichnen, es ist ist viel mehr ganz natürlich, dass man im Lauf der Zeit Dinge anders sieht und auch dass man Dinge vergisst und das Gehirn diese Lücken mit anderen Dingen, oft Assoziationen wieder schließt. Unser Denken funktioniert wohl so, das wir uns eine Geschichte über uns selbst erzählen.. und diese verändert sich, je nach Stimmung, nach Erfahrungen, nach vergangener Zeit und etwas Abstand..
    Aber ich gebe dir Recht, dass es sinnvoll ist, nicht ins Grübeln zu verfallen und stattdessen im Hier und Jetzt etwas zu erleben, welches man vielleicht später seiner Geschichte anhängen kann. Über alten Fehlern zu kreisen wie ein Vogel hilft nicht, diese zu überwinden.. nur die Zeit kann einem erklären, warum etwas so geschehen ist und selbst wenn es nur ein Zu- oder Unfall war, wird der sinnsuchende Mensch wohl einen Grund finden, warum „es so kommen musste“, denn ganz zweifellos ist es ja so und nicht anders gekommen😉

    • Mr. Winterschein schreibt:

      In Ordnung, ich denke, dass ich verstehe worauf du hinaus willst. Du hast sicherlich recht, dass man manchmal rückblickend auf die Dinge anders schaut. Da stimme ich dir zu, aber was ich meinte war, dass man versucht dort aktiv etwas anderes hineinzuinterpretieren. Etwas das nicht dort ist und sich so belügt. Du hast auch vollkommen Recht. Wir verändern mehr oder weniger bewust unsere Erinnerungen, um mehr Konformität mit den Erfahrungen von anderen zu schaffen, dies ist sogar ein relativ normaler Vorgang, aber auch irgendwo nur eine Lüge.

  2. Kiira schreibt:

    Interessant, wie du die Worte Statik und Dynamik hier in Verbindung miteinander bringst. Statik: Das Ausbleiben von Veränderung, von Fortschritt vom Wahrnehmen der Welt um einen herum. Und Dynamik: Das Ausbrechen in die Welt und das Entdecken ihrer.

    Auf eine gewisse Weise, natürlich in anderer Hinsicht, würde ich die Vergangenheit auch als dynamisch bezeichnen, da sie etwas ist, was einen mitreißt. Was einen aus der Gegenwart herauszieht und schmerzvoll in Erinnerungen zerren kann. Oder man springt freudig auf den Strom der Gefühle und Gedanken auf. Vielen nimmt von einem besitzt. Und man sagt ja auch, dass es im Kopf herumspukt. Es ist also in Bewegung. Meist will es uns mit dieser Bewegung ja nur sagen. „Pass auf, an dieser Stelle waren wir bereits. Deja vu. Du solltest jetzt den Fehler nicht noch mal begehen“. Es fordert uns auf, irgendwas zu ändern.

    Lieben Gruß,
    Kiira

    P.S.: Das Ganze haftet natürlich nur, wenn wir nicht in unseren Gedanken in unserer Erinnerung gefangen bleiben und uns nicht im Kreis drehen.

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