Die Sonne scheint. Es ist ein wundervoller Tag, an dem keine Wolke am Himmel ist, die einem das Gemüt oder die Sicht trüben könnte. Wobei die Sicht von den Menschen um mich genommen wird, da es hier so viele sind. Die Stadt ist voll. Wie fleißige Ameisen kreuchen sie hier umher, wobei nicht davon auszugehen ist, dass sie für eine Königin arbeiten. Nein, sie schupften alle für sich selbst. Es ist eine Gedränge und Geschupse, so dass man sich vorkommt, wie die Kugel in einem Flipper. Durch den dichten Storm von Menschen hindurch getrieben, fällt in einigen Schritt Entfernung eine junge Dame zu Boden. Der Übeltäter macht sich still und heimlich im Schutze der Masse aus dem Staub. Die Ärmste kramt ihr Sache zusammen, die auf dem Boden verstreut liegen, wie ein Puzzle, welches noch zusammengesetzt werden will. Ich lege den geringen Abstand zu ihr zurück. Sie hat dunkles langes glattes Haar, welches ihr nun leicht über die kleinen rundlichen Wangen fällt, die in einem vornehmen Blass gehalten sind. Generell wirkt ihr Haut nicht sonderlich gebräunt, gerade so, als würden die Pigmente unter ihrer Haut nicht ihren Dienst vollrichten wollen. Von ihrer Stirn flieht die Nase ohne erkennbare Unterbrechung mir entgegen. Ihre Lippen sind zart und zu einem leicht grimmigen Spalt verzogen. Zwischen ihren Augenbrauen haben sich einige Falten gegraben, als hätte ein Bauer versucht dort das Feld zu bestellen. Ihr Augenbrauen zu schmalen Linien gezupft oder so von der Natur geformt, geben ihr ein anmutiges Ansehen. Ihre Augen sind starr auf die Dinge auf dem Boden gerichtet. Sie legt alles zusammen auf einige Bücher, die sie mit sich führt.
Ich knie mich nieder und beginne ihr zu helfen. Ich reiche ihr die Dinge, die außerhalb der Reichweite ihrer gertenschlanken Arme ist und lege es auf den Bücherstapel, welcher sich zusehends füllt. Sie wirkt zunächst etwas verdutzt, dass dort jemand nach ihren Sachen greift, scheint dann aber beruhigt zu sein, dass nur jemand zur Unterstützung herangeeilt ist. Die Leute um uns herum ziehen weiter und machen einen Bogen um uns, als sei an dieser Stelle eine tiefes Loch, in welches sie nicht fallen wollen. Durch das Gewusel aus Säulen hin kommt eine kleine Böe, die sich leicht in ihren Haaren verfängt und dieses eine Stück in die Höhe treibt. Dabei schließt sie ihre Augen für einen kurzen Moment. Ich sehe, wie sie nach ihren Sachen tastet. Ich ergreife einen Stift und auch sie fasst nach diesem. Wir blicken beide auf und wir schauen uns in die Augen. Die Menschen um uns herum bleiben stehen. In diesem Augenblick läuft alles sehr viel langsamer ab, als hätte jemand an der Zeit gedreht und dies zu unseren Gunsten. Ich blicke in ihr Gesicht mit dem markanten recht spitz zulaufenden Gesicht und sehe nun zum ersten Mal ihre schwarzen Augen. Wenngleich die Farbe ihrer Iris so Finster ist, so erscheint sie doch ein Mensch voller Wärme zu sein. Hinter ihrem Lächeln kommt ein Satz strahlend weißer Zähne hervor. Sie beißt sich leicht auf die Unterlippe. Ihre Hand verweilt immer noch auf der meinen und ich verspüre wie meine Hand von Warmherzigkeit durchströmt wird. Ich lege den Stift auf ihre Bücher und wir stehen auf. Die Menschen um uns herum hetzen wieder ihren Alltag hinterher. Zum Dank nickt sie und geht an mir vorbei, aber nicht ohne noch einen Hauch von ihr zurückzulassen, welcher mich an das weite offene und freie Meer erinnert. Ein breites Lächeln überzieht mein Gesicht und in mir steigt Freude empor und so wende ich mich um zu gehen.

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