Kein Titel (1)

Es ist einer dieser Tage, an denen man sich fragt, was man eigentlich die letzten sechs Wochen getrieben hat. Die Ferien neigen sich dem Enden zu und die letzten Sonnenstrahlen bescheren einem noch mal einen heiteren Tag. Die Sonne ist gerade im Inbegriff die letzten Stunden sein Antlitz zu präsentieren, bevor er dem Mond seinem Platz überlässt. Gegenwärtig ist es wundervolles Wetter. Der Sand unter meinen Füßen und heiß und knistert so angenehm zwischen den Zehen. Der Lichtschein legt sich, wie eine wärmende Hülle um einen und man fühlt sich rundum wohl. Hinzu kommt noch das Rauschen der Welle, wie sie auf den Strand treffen und langsam auslaufen, bevor sie dann noch leicht die Füße mit einer erfrischenden Kälte begrüßen. Der Strand ist voll mit Familien, die nochmal die letzten Tage genießen. Sie lachen und spielen im Wasser oder im Sand. Sandburgen entstehen und vergehen, wie die Gemäuer längst vergessener Herrscher. Andere Schüler tummeln sich hier ebenfalls und versuchen den letzten Tag der Ferien zu genießen, bevor sie sich Morgen wieder hinter die Schulbänke zwängen müssen und möglicherweise bei dieser Hitze eingesperrt Formel auswendige lernen müssen. Da macht dieses freie Dasein doch deutlich mehr Spaß.
Ich lasse mich von den Wellen treiben, die an den Strand kommen. Ich ziehe bewegungslos über das Meer, wie die Wolken am Himmel entlang. Mein Bauch dem Himmel zugewendet, spüre ich dort die Güte der Sonne. Ich kehre nach einer Weile zum Strand zurück. Die Sonnen ist dabei lange Schatten zu werfen und an der Promenade sehe ich die Menschen, wie auf das Gewässer hinausblicken oder schwatzen vorbeiziehen. Doch dann fängt mein Blick eine junge Frau auf. Ich kann sie nicht ganz deutlich sehen, aber ihr langes schwarzes Haar weht leicht im Zug des Windes. Ihr sommerliches Kleid wird von Luft leicht aufgebläht. Ihre Hände ruhen auf der Steinmauer oben an der Promenade und irgendwie habe ich den Eindruck, dass sie mich anschaut. Ich krame kurz in meinem Netz von Erinnerungen, doch kann ich niemanden finden dem sie ähnlich sieht. Es irritiert kehre ich zu meinen Sachen zurück, die immer noch genauso im Sand liegen, wie ich sie zurückgelassen habe. Ich trocken mich ab, ziehe mir ein T-Shirt über und packe meine Sachen zusammen. Den Rucksack schultere ich und mache mich über die steinigen Stufen auf den Weg hoch zur Promenade. Auf dem Weg schaue ich noch mal nach der jungen Dame, ob sie mich nach wie vor im Auge hat. In der Tat macht es den Anschein als würde sie in meine Richtung schauen. Doch in den Irrungen und Wirrungen meines Gedächtnis vermag ich keinen Hinweis auf sie zu finden. Kennt sie mich, aber ich sie nicht? Wenn ja woher? Wie ich oben ankomme, steht sie einige Schritte von mir entfernt und Blick mich mit einem sanften Lächeln an. Es ist nicht übertrieben ausgeprägt. Es ist ganz leicht, als hätte der Schwung der Luft es auf ihre Lippen gezeichnet. Ihre grünen Augen spiegeln den Stand der Natur wieder und ihre kleine Nase läuft recht spitz zusammen. Ihre lächelnden Lippen wirken als seien sie akkurat gezeichnet, so sehr bildet ihr Rot einen Kontrast zu ihrer doch recht hellen Haut. In ihren Händen hält sie einen Sonnenhut mit einer breiten Krempe und einem roten Band, welcher wohl sonst ihre zarte Haut vor den Strahlen der Sonne schützt. Doch nun gerade ruht er zwischen ihren Händen und nur das rote Band flattert tänzerisch im Wind umher. Wenige Schritte lege ich zu ihr zurück. Ich bin neugierig, wieso sie mich so interessiert begutachtet hat.
„Hey, mir ist nicht entgangen, dass du mich schon einige Zeit anguckst. Kennen wir uns vielleicht?“ frage ich sie etwas unsicher. Ihr Lächeln wird etwas breiter und sie offenbart einige strahlend weiße Zähne.
„Hey Freundchen! Weg da!!“ höre ich durch die Menschenmenge eine weibliche Stimme hindurchbrechen. Eine andere junge Dame mit zwei Eis bewaffnet kommt auf mich zugestürmt. Sie sieht der Dame vor mir äußerst ähnlich, wenn man von den weißen Haaren und dem grimmigen Gesicht absieht. Sie stellt sich zwischen uns.
„Verzieh dich man!“ giftet sie mich an und die andere öffnet ihren Mund und streckt die eine Hand aus, woraufhin ihr die weißhaarige ein Eis in die Hand drückt.
„Hä, was?“ gebe ich stammelnd von mir und sie drückt mich leicht mit ihrer nun freien Hand weg. Etwas verständnislos lasse ich dies über mich ergehen, denn so recht verstehe ich diese Szenerie nicht so ganz. Nachdem die weißhaarige mich auf Abstand gebracht hat, packt sie das Handgelenkt der Anderen und zieht sie in die andere Richtung hinfort. Wie sie so davon geschliffen wird, wie ein kleines Kind, blickt sie nochmal zurück. Ihr Blick wirkt flehend. Ich kann gar nicht schnell genug realisieren, was sich hier gerade ereignet hat, da sind sie bereits aus meinem Blickfeld verschwunden und im Getümmel der Leute untergetaucht.

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