Ein Pingiun

Es war einmal ein Pinguin. Er hatte schwarze Federn, doch nur an seinem Bauch war er ganz weiß. Seine Flügel – klein wie sie waren – standen von seinem torpedoförmigen Rumpf ab und waren stets parallel zum Boden ausgerichtet. Die Füße waren gelb wie die Sonne, dessen Antlitz er nie sah, da die Wolken zu dicht waren. So ist es nun mal am Südpol zu leben, erfuhr der Kleine, der seinen Schnabel immer wieder nach oben gerichtet hatte. Er war ganz traurig, dass er nie die Sonne sehen konnte. Er wüsste zu gerne wie diese aussähe, aber keiner seiner Artgenossen konnte es ihm sagen.
Eines Tages, es war recht mild, fiel dem kleinen Pinguin etwas Feuchtes auf den Kopf. Zunächst dachte er, dass eine Schneeflocke dies wäre, aber wieso sollte diese so flüssig sein und er blickte gegen Himmel und sag die Möwen, wie sie über ihn wegflogen und sich in Sichtweite niederließen. Er begriff, dass er soeben beschissen wurde.
Watschelnd ging er rüber zu den Möwen, um zu erfahren, wieso sie dies machten, doch bevor er zu sprechen begann sagte einer der Möwen laut und mit ächzender Stimme:
„Meins!“ verwirrt von diesem Ausruf, blickte der Pinguin die Möwe stumm an, bis sich diese vernehmen ließ:
„Vermutlich nicht!“ und sie brach in Gelächter aus.
„Wohin des Weges kleiner Freund?“ fragte die Möwe, doch bevor der Pinguin zu sprechen beginnen konnte, redete die Möwe erneut:
„Wir fliegen in den Norden, dort ist es schön warm und die Sonne scheint.“ bei diesen Worten wurde der Pinguin hellhörig.
„Kann ich mit euch kommen?“ fragte der Pinguin, welcher nun die Schweinerei auf seinem Kopf ganz vergessen hatte.
„Klar, flieg mit uns.“ und so erhoben sich die Möwen und flogen gegen Norden.
Zögernd, ob er ihnen nun folgen sollte oder nicht, sprang der Kleine in die Fluten und folgte so lange den Möwen, bis er sie aus den Augen verlor. Er war weit rausgeschwommen. Hatte schon viel Kraft eingesetzt um seinem Ziel näher zu kommen. Er wollte die Sonne sehen. Mit diesem Ziel vor Augen durchstreift der Pinguin das Meer. Er spürte sehr bald, dass das Wasser um ihn herum wärmer wurde. Er begann sich unwohl zu fühlen. Er wusste, dass er schwitzte, zumindest fühlte es sich so an. Er strengte sich an und ihm wurde immer wärmer. Und wie er durch das Wasser flog, wurde er plötzlich geblendet. Ein grelles Licht schoss von oben herab. Er stoppte seine Schläge und blickte empor. Durch die Wolken hindurch trat ein großer runder Kreis, der so hell war, dass der Pinguin, die Augen zu kneifen musste. Der Kreis war so warm, dass dem Pinguin schwindelig wurde. Es musste die Sonne sein. So hatte er sie sich vorgestellt. Sein Ziel hatte er erreicht, aber es war zu warm hier. Viel zu warm. In seinem kleinen schwarzen Frack war es zu warm und in diesem Wasser war es zu warm. Es war einfach zu warm und zwar überall. Der Kleine spürte schnell, dass dies nicht sein Zuhause war. Er musste zurück. Zurück zu seiner Familie. Zurück zu seinen Freunden. Zurück an einen Ort an dem er gehört.

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3 Antworten zu Ein Pingiun

  1. SAI schreibt:

    Du hast es wirklich geschrieben…!🙂
    Aber der Pinguin tut mir leid😦 Es stimmt allerdings, dass es zu Hause am schönsten ist… und dass man nicht immer nur dem hinterhereifern sollte, was man nicht hat. Meistens muss man das ja wirklich sehr schmerzhaft erfahren…

    (Ich merke übrigens auch gerade, dass Pinguine nicht ins Warme gehören… :)))

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