Im Sande verborgen

Unter meinen Füßen spüre ich leicht den federnden Widerstand des Sandes. Er knistert zwischen meinen Zehen und zurück bleibt ein kribbelndes Gefühl. Die Sonne brennt ihr Dasein in meine Haut und so stapfe ich durch den Sand. Es fühlt sich an wie in einem Glutofen. Von unten werden meine Füße gerüstet und mein Kopf reckt sich trutzig der Sonne entgegen, welche unerbittlich ihre Strahlen auf mich niederschickt. Die Luft vor mir flimmert, wie man es von den Teerstraßen im Sommer her kennt. Nur eines ist anders. Es flimmert überall und auch ich habe das Gefühl mich zu verflüchtigen, aber tapfer gehe ich voran. Ich setze einen Fuß vor den anderen, um ihn dann wieder aus dem Sand zu ziehen. Es ist mühsam. Es fühlt sich bald so an, als würde der Sand nach mir greifen und mich an sich reißen wollen. Doch nur seine körnige Form macht ihm einen Strich durch die Rechnung.
Mein Verstand arbeitet langsam. Es ist als sei er heißgelaufen und hätte sich abgestellt. Ich laufe nur noch – stolpern trifft es wohl eher. Ich nehme um mich herum nur die Wärme und die grelle Farbe des Sandes wahr. Alles wirkt gleich. Ein Vorankommen ist nicht auszumachen. Die Landschaft ist immer die gleich. Eine Sanddüne nach der anderen und immer wieder das Flimmern der Luft, welche sich versucht der Sonne zur Wehr zu setzen.
Meine Haut ist bereits ganz ledrig und fest. Ihre Farbe hat sich in ein Braun getaucht. Widerstand biete sie inzwischen, aber meine Lippen. Sie sind trocken. So trocken wie das Flussbett des Kongo zur Sommerzeit und ebenso aufgerissen sehen sie auch aus. Es schmerzt und jeder Versuch sie zu befeuchten nützt nichts. Meine Zunge hat das Gefühl über Schmirgelpapier zu gleiten und die Feuchtigkeit verflüchtigt sich so schnell, dass lediglich eine blasse Erinnerung zurück bleibt.
Wieso eigentlich? Wieso wandere ich hier umher? Die Sonne hat mir bereits die Erinnerung an mein Ziel ausgebrannt. Doch ich krame in den Windungen meines Verstandes; kehre dort den Sand aus und versuche das Rad des Denkens wieder in Gang zu bringen. Tatsächlich erscheint mein Ziel schemenhaft vor meinem geistigen Auge. Ich will Etwas finden. Doch wie soll ich auch nur irgendetwas finden?
In dieser Wüste gibt es nichts außer Sand und Hitze. Es ist anstrengend immer wieder die Füße aus dem Sand zu ziehen. Sieder einen Schritt vor zu setzen und dann wieder zu versinken. Es mühsam sich gegen die hitzige Wärme zu stemmen, die einem bei jedem Schritt ins Gesicht schlägt. Es ist mühsam zu gehen, ohne zu wissen, wofür man dies macht. Was suche ich? Ich habe es vergessen. Muss ich zunächst suchen nach dem, was ich vergessen habe, bevor ich das ausfindig machen kann, weshalb ich eigentlich hier bin?
Meine Beine schmerzen mir. Ich spüre keine Kraft mehr in Ihnen. Dennoch ziehen ich sie immer wieder aus dem Sand; erklimme Düne um Düne; stolpere und richte mich wieder auf. Nur wofür all diese Qual.
Meine Kräfte schwinden mir, doch die Sonne scheint noch ausreichend Kraft zu besitzen, um mich in die Knie zu zwingen. Ich klettere eine Düne hinaus, doch schon am Fuße scheitere ich. Der Sand unter meinen Füßen gibt nach und ich falle rücklings einige Schritt hinunter. Unten kehrt sich zu Oberst und das Himmel wird zu Boden. Sand wirbelt um mich herum und da liege ich. Das Gesicht in den Sand. Ich öffne die Augen und erblicke ein einzelnes Sandkorn. Er ist winzig und unbedeutend und unbedeutend, doch mit einem muss es beginnen, bevor es viele sind, die etwas bewegen können. Dennoch werde ich mich nicht bezwingen lassen von Ihnen. Denn ich bin der Eine mit dem es beginnt. Ich stemme meine Hände in den warmen Sand und bringe mich empor. Der Wind kommt über die Düne hinweg und kleine Pfeile aus Sand bohren sich in meine Augen. Ich gehe empor; erklimme diesen Berg. Auf der anderen Seite. Sand soweit das Auge blickt. Doch dort! Was erblicken meine müden Augen. Ich stapfe die Hügel hinunter und vor mir befindet sich ein Kaktus. Mannshoch und er blüht.
Ein Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht und so gehe ich weiter. Mein Ziel? Ich suche nach dem, was ich vergaß und ich habe das Gefühl, dass es etwas frischer geworden ist.

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2 Antworten zu Im Sande verborgen

  1. ferventcore schreibt:

    Du hast eine sehr schöne Art zu schreiben, sehr direkt und dadurch nah am Geschehen und leicht nachzuvollziehen, als würde man die Situation selbst erleben.

    Liebe Grüße!

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