Begegnung02

„Hallo“ sage ich.

„Hallo“ erwidere ich auf meinen Gruß.

„Ich wollte mich schon länger mal mit dir treffen und reden.“ sage ich mit dem Blick zu Boden. Mir ist die Sache nämlich etwas unangenehm.

„Ach ja, wieso das denn? Beschäftigt mich etwas?“ antworte ich vollkommen ahnungslos.

„Ja, schon…“ ich weiß nicht so richtig wie ich das beginnen und soll und scharre mit dem Schuhe in meinen Gedanken. „…ich habe das Gefühl, dass ich mich von mir entfremdet habe. Ich weiß nicht, was ich will und was ich fühle und da wollte ich mich mal fragen, was da los ist.“

„Puh, ja, das ist mir auch schon aufgefallen, aber wusste auch nicht so Recht, ob ich mich damit an mich wenden sollte oder nicht.“ antworte ich wahrheitsgemäß, wenngleich ich mich davor fürchte dies zuzugeben.

„Hm, nun, du hast also auch keine Idee warum ich mich nicht mehr fühle, warum ich nicht weiß, ob mir die Dinge, die ich tue, gefallen oder nicht? Warum ich das Gefühl habe, dass die Erlebnisse keine Verbindung zu den Gefühlen haben, welche da möglicherweise sind oder sein sollte?“ frage ich mich etwas panisch in der Befürchtung keine Antwort zu erhalten.

„Da frage ich mich was. Ich kann mir da auch keine Antwort drauf geben. Aber vielleicht ist es so, dass ich damit überfordert bin, was da an Gefühle mit den Ereignissen verbunden ist und ich daher für diese dicht mache. Das habe ich doch auch schon früher gemacht, als ich feststellte, dass die Emotionen nicht mehr halfen. Als sie für mich zu viel wurden und ich sie nicht mehr ertragen konnte. Das ist doch keine schlechte Erklärung oder?“ frage ich nach, ohne zu wissen, ob ich mich damit erreiche.

„Hm, klingt ganz gut.“ sage ich nüchtern.

„Na, dann ist doch alles geklärt.“ sage ich, froh diese Unterhaltung damit beendet zu haben und beginnen mich abzuwenden.

„Aber weißt du…“ setze ich an, damit ich mich davon abhalte zu gehen. „…diese Erklärung ist so naheliegend. Vielleicht ist richtig und sie klingt auch gut, aber ist das alles? Gibt es da nicht noch mehr? Ist es nicht immer so, dass ich mich von mir abwende, wenn mir die Dinge zu heikel werden? Rette ich mich dann nicht immer in die intellektuelle Absicherung? Ich erkläre mir die Dinge, ohne dazu ein Gefühl zu haben, aber beruhigt fühle ich mich dann zunächst. Ich möchte nicht mehr von mir diese Erklärungen haben, die ich mir gebe! Ich möchte wieder etwas fühlen, wenn ich etwas erlebe! Ich möge mich wieder freuen, wenn ich ein leckeres Eis in den Händen halte. Ich möchte meine Frau in den Händen halten und fühle, wie ich sie liebe. Geht das in meinen Kopf?“ sprudelt es plötzlich aus mir heraus und es fühlt sich so gut an mir dies an den Kopf zu werfen.

„Ich denke schon, dass ich mich verstehe.“ antworte ich etwas eingeschüchtert.

„Ich soll es aber nicht verstehen! Ich will es fühlen! Fühle ich nicht, dass da etwas nicht stimmt. Dass ich wie ein gefühlloses Etwas umherwandle und gute Miene machen zu allem, was vor sich geht? Auch, wenn es in mir brodelt, wird dies unterdrückt und ich sage mir ganz rational, dass ich nun ruhig bleiben sollte, da dies die bessere Lösung sei. Aber das will ich nicht mehr. Ich will mich aufregen, schimpfen und pöbeln, wann immer ich es fühle. Ich will mich nicht mehr hinter der Logik verstecken. Ich will auch einfach nur ein Mensch sein!“ sage ich und beginnen zu weinen. „Aber ich weiß nicht, wie das geht.“ sage ich stockend und voller Hilflosigkeit.

Ich verstehe mich und nehme mich in den Arm.

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Eine Antwort zu Begegnung02

  1. Kiira schreibt:

    Hallo Winterschein,
    Was für eine rührende Unterhaltung und interessante Form der Darstellung.

    Ich hatte auch mal so eine Episode. Immer nur der Verstand und erklären. Mir hat geholfen, tief einzuatmen und das hinzunehmen und nicht dagegen anzukämpfen. So kamen dann auch die Gefühle wieder.

    Nur die negativen Gefühle .. da möchte ich auch noch lernen, diese gescheit zum Ausdruck bringen zu können, um für andere die Grenzen deutlicher zu setzen.

    Kiira

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