Die Freiheit

Echt jetzt? Ich weiß, dass das schon etwas her ist, aber der Brexit beschäftigt mich immer noch und Gestern laß ich erneut etwas von dem „Sieg der Freiheit“ wie die französische Politikerin Marine Le Pen danach twitterte und auch nun kommt mir das Unverständnis hoch!

Ja, es ist mir vorstellbar, dass das Referendum als Sieg der freien/direkten Beteiligung des Volkes verstanden wird, auch dass durch eine Abspaltung von der EU auch eine gewisse Freiheit zu eigenen Entscheidungen wieder erlangt wird, sehe ich mehr als ein. Aber welche folge dies hat und dass diese zu weniger Freiheit führen, scheint hier vollkommen außer Acht gelassen zu werden!

Nehmen wir mal kurz den härtesten Fall an: Britannien steigt aus der EU aus und verliert damit all seine Vorteile: Freihandel am Binnenmarkt, freie Ströme von Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräften! Damit wird die Freiheit der Menschen, hinzugehen wo sie wollen, massiv eingeschränkt. Das Reisen als Tourist allein wird schon mal deutlich schwieriger. Arbeit in anderen Ländern der EU nachzugehen wird erschwert, auch Fachkräfte für die Insel zu erhalten, wird damit erschwert.

Nun könnte ja der findige Leser kommen und sagen: „Hey, warum nehmen wir für die Insel nicht ein Model nach norwegischer Art?“ Ja, gute Idee! Problem hierbei ist, dass die Norweger große Summe an die EU überweisen, damit sie mitmachen dürfen und sie müssen die Gesetze übernehmen, welche die EU beschließt, sie darf allerdings nicht mitbestimmen! Dies ist nach meinem Verständnis noch weniger Freiheit!  Das Schweizer Modell wäre auch denkbar, aber nun will ich es nicht zu kompliziert machen, denn dort müsste über jede Gesetzesänderungen in Brüssel ein neuer Vertrag mit Grossbritannien abgeschlossen werden.

Also Anhänger dieser Strömungen, welche lauthals rufen“Sieg der Freiheit“ haben entweder ein sehr verzerrtes Bild von Freiheit oder sie wissen deutlich mehr  als ich hier über Freiheit, als ich hier aufbringen kann.

Für mich bleibt die ganze Sache spannend und zum Teil auch ekelerregend, wie dieses Referendum von anderen ausgeschlachtet wird. Nicht wahr Frau von Storch! Weinen Sie immer noch?

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Begegnung02

„Hallo“ sage ich.

„Hallo“ erwidere ich auf meinen Gruß.

„Ich wollte mich schon länger mal mit dir treffen und reden.“ sage ich mit dem Blick zu Boden. Mir ist die Sache nämlich etwas unangenehm.

„Ach ja, wieso das denn? Beschäftigt mich etwas?“ antworte ich vollkommen ahnungslos.

„Ja, schon…“ ich weiß nicht so richtig wie ich das beginnen und soll und scharre mit dem Schuhe in meinen Gedanken. „…ich habe das Gefühl, dass ich mich von mir entfremdet habe. Ich weiß nicht, was ich will und was ich fühle und da wollte ich mich mal fragen, was da los ist.“

„Puh, ja, das ist mir auch schon aufgefallen, aber wusste auch nicht so Recht, ob ich mich damit an mich wenden sollte oder nicht.“ antworte ich wahrheitsgemäß, wenngleich ich mich davor fürchte dies zuzugeben.

„Hm, nun, du hast also auch keine Idee warum ich mich nicht mehr fühle, warum ich nicht weiß, ob mir die Dinge, die ich tue, gefallen oder nicht? Warum ich das Gefühl habe, dass die Erlebnisse keine Verbindung zu den Gefühlen haben, welche da möglicherweise sind oder sein sollte?“ frage ich mich etwas panisch in der Befürchtung keine Antwort zu erhalten.

„Da frage ich mich was. Ich kann mir da auch keine Antwort drauf geben. Aber vielleicht ist es so, dass ich damit überfordert bin, was da an Gefühle mit den Ereignissen verbunden ist und ich daher für diese dicht mache. Das habe ich doch auch schon früher gemacht, als ich feststellte, dass die Emotionen nicht mehr halfen. Als sie für mich zu viel wurden und ich sie nicht mehr ertragen konnte. Das ist doch keine schlechte Erklärung oder?“ frage ich nach, ohne zu wissen, ob ich mich damit erreiche.

„Hm, klingt ganz gut.“ sage ich nüchtern.

„Na, dann ist doch alles geklärt.“ sage ich, froh diese Unterhaltung damit beendet zu haben und beginnen mich abzuwenden.

„Aber weißt du…“ setze ich an, damit ich mich davon abhalte zu gehen. „…diese Erklärung ist so naheliegend. Vielleicht ist richtig und sie klingt auch gut, aber ist das alles? Gibt es da nicht noch mehr? Ist es nicht immer so, dass ich mich von mir abwende, wenn mir die Dinge zu heikel werden? Rette ich mich dann nicht immer in die intellektuelle Absicherung? Ich erkläre mir die Dinge, ohne dazu ein Gefühl zu haben, aber beruhigt fühle ich mich dann zunächst. Ich möchte nicht mehr von mir diese Erklärungen haben, die ich mir gebe! Ich möchte wieder etwas fühlen, wenn ich etwas erlebe! Ich möge mich wieder freuen, wenn ich ein leckeres Eis in den Händen halte. Ich möchte meine Frau in den Händen halten und fühle, wie ich sie liebe. Geht das in meinen Kopf?“ sprudelt es plötzlich aus mir heraus und es fühlt sich so gut an mir dies an den Kopf zu werfen.

„Ich denke schon, dass ich mich verstehe.“ antworte ich etwas eingeschüchtert.

„Ich soll es aber nicht verstehen! Ich will es fühlen! Fühle ich nicht, dass da etwas nicht stimmt. Dass ich wie ein gefühlloses Etwas umherwandle und gute Miene machen zu allem, was vor sich geht? Auch, wenn es in mir brodelt, wird dies unterdrückt und ich sage mir ganz rational, dass ich nun ruhig bleiben sollte, da dies die bessere Lösung sei. Aber das will ich nicht mehr. Ich will mich aufregen, schimpfen und pöbeln, wann immer ich es fühle. Ich will mich nicht mehr hinter der Logik verstecken. Ich will auch einfach nur ein Mensch sein!“ sage ich und beginnen zu weinen. „Aber ich weiß nicht, wie das geht.“ sage ich stockend und voller Hilflosigkeit.

Ich verstehe mich und nehme mich in den Arm.

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Aufklärung

Es erfreut mich stets, wenn Menschen ihren Kopf benutzen und damit meine ich nun nicht, dass sie damit durch die Wand stürmen. Ich meine damit, dass sie die graue Masse zwischen Ohren verwenden, um festzustellen, dass jemand eine Lüge ausspricht und so habe ich heute einen Beitrag von Herrn Lesch gesehen, der aufzeigt, dass die Alternative für Deutschland in ihrem Parteiprogramm zum Teil Lügen verbreiten bzw. die Wahrheit so verdrehen, wie sie es gerne hätten.

Ich finde es immer wieder schön zu sehen, dass es Menschen gibt, welche die Wahrheit an den Tag bringe. Menschen, die sich nicht einfach nur von den Aussagen anderer täuschen lassen. Man möge sich einfach sein eigenes Urteil bilden.

Allerdings liegt dort das Problem. Wir lassen uns vermutlich heutzutage sehr schnell von den Meldungen in den Medien und von selbsternannten Alternativen täuschen, weil sie uns zum einen die Meldungen/Lösungen so schnell präsentieren, dass wir keine Zeit haben sie zu verdauen und zum anderen da ihre Erklärungen und Lösungen so simpel klingen. Wie schön ist es doch, wenn man einfache Lösungen vorgesetzt bekommt und nicht mehr selbst über diese schwierigen und vielen Dinge nachdenken muss. Dies gilt sicherlich nicht für alle, aber offensichtlich gibt es schon eine breite Masse, welche diese einfach Erklärungen gerne nimmt.

Ungefilter und nicht hinterfragt, werden da Informationen aufgenommen. Man lässt also eine andere Person für sich denken und folgt im gehorsamen Gleichschritt (ich wollte einfach mal eine Anspielung auf das dritte Reich machen, ob das zulässig ist, darf der Leser entscheiden).

Immanuel Kant schrieb einst, dass sich seines eigenen Verstandes bedienen soll. Mir ist bewusst, dass die Welt komplex und kompliziert ist. Dass die Sachverhalte so sehr miteinander verknüpft sind, dass es wie ein undurchdringlicher Dschungel wirkt. Aber aus diesem Grund einfach die Augen zu schließen und stumpf zu sagen: „der hat ne Lösung, die ich verstehe, der hat Recht!“ ist doch etwas einfach. Die Dinge, die einen interessieren und beschäftigen, sollten es einem doch Wert sein, dass man sie hinterfragt und sie recherchiert und wann war es jemals leichter als heute? Vielleicht morgen? Denn Morgen kommt bestimmt jemand, der noch eine bessere und einfachere Lösung hat.

Es ist schlicht zu sagen, dass die anderen Lügen und doch selbst nicht zu zeigen, wo diese Lügen stecken. Den Wunsch zu haben das Volk aus ihrer Uninformiertheit herauszuführen und sie zu „erleuchten“ sieht für mich anders aus. Aufklärung sieht anders aus. Mündigkeit sieht anders aus. Aber das wird wohl kaum einer verstehen, der nicht seinen Kopf benutzt.

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Kompetenzen

Kompetenzen, wer hat dieses Wort nicht schon mal gehört? In der Schule sollen die Kinder nun nach Kompetenzen unterrichtet werden, welche sie dann auch zeigen sollen. Da gibt es bereits die ersten Probleme. Woran sehe ich denn, dass die Jungen und Mädchen diese anwenden? Es ist eigentlich ganz leicht. Die Kompetenzen sind so beschrieben, dass man sie direkt beobachten kann. Ein kleines Beispiel gefällig?

Im Kerncurriculum (KC) für Informatik in der Sekundarstufe I (also den Vorgaben, was im Unterricht gemacht werden soll bzw. welche Kompetenzen erworben werden sollen) in Niedersachsen steht, dass die Schülerinnen und Schüler einen gegebenen Algorithmus interpretieren können sollen. Gut, das ist ja relativ einfach zu beobachten. Man gibt ihnen einen Algorithmus in einer Programmiersprache und sie sollen beschreiben, was dieser macht. Wenn sie das können, dann haben sie diese Kompetenz erworben. So einfach kann es sein. Es ist zu sagen, dass nicht alle Komeptenzen so eindeutig formuliert sind und man manchmal schon ziemlich rumraten muss, was die Verfasser wohl gemeint haben könnten. In bester Hoffnung unterrichtet man dann nach seinen Überlegungen.

Die Umstellung von G9 auf G8 hat diese Umstellung auf die Kompetenzen mit sich gebracht. Ich hatte an der Uni das Vergnügen, dass ich Erstsemestertutorien geben durfte und das auch noch zu einer Zeit, als es diese Kompetenzen nicht gab. Ich habe also miterlebt und gesehen, welche Auswirkungen eine solche Umstellung haben kann.

Bei meinen Studis konnte ich sehen, dass ihre Leistungen abnahmen, je länger sie diesen Kompetenzbeschreibungen ausgesetzt waren. Der Schluss, dass es nun an dem Kompetenzerwerb liegt, ist nicht im Ansatz zulässig. Aber der letzte Jahrgang, den ich unterrichtet hatte, war leider der schlechteste. Die Bereitschaft selber etwas zu tun und sich selbst Wissen anzueignen, war so gering, wie ich es noch nie beobachtet hatte. Grundlegenden Kompetenzen, wie das Anwenden von einfachen Grundrechenregeln, war schon bei einigen eine große Hürde und das nach 12 Jahren Schule? Irgendetwas scheint da nicht zu passen.

Ich glaube nicht, dass es an den Kompetenzen liegt. Denn diese haben weitere Diemension in den Unterricht gebracht. Früher war Unterricht die reine Wissensvermittlung. Methoden waren Mittel zum Zweck und wurden nicht als Teil des Faches verstanden, was meiner Meinung nach ein fataler Fehler ist. So zum Beispiel wird im KC für den Politik-Wirtschaftsunterricht zwischen Sach-, Methoden- und Urteilskompetenz unterschieden. Es könnte nun angeführt werden, dass dies zu viel ist, aber im wesentlich ist es nicht mehr, sondern nun klarer getrennt und es wird als Teil des Faches verstanden. Denn bestimmte Fächer haben bestimmte Methoden, die in ihnen verwendet werden und nicht allgemeingültig sind. Daher passiert hier eine gute Ausdifferenzierung.

Also was ist das mögliche Problem, welches diese mangelnde Bereitschaft zu Eigenleistung mit sich bringt? Ist das System Schule vielleicht Schuld, dass der Spaß am Lernen abtrainiert wird? Ich denke, dass dies ein ganz großer Faktor ist, wenn man lediglich auf die nächste Prüfung hin arbeitet, ohne seinen eigenen Neigungen nachzugehen. Zum Glück wird nun wieder auf G9 umgestellt und wir Lehrkräfte bekommen wieder mehr Zeit, um auch links und rechts vom Tellerrand runterzuschauen und auch mal den fragen der Schülerinnen und Schülern nachzugehen, denn dies bereitet auch einer Lehrkraft Freude etwas Neues auszuprobieren  – außer man gehört zu den unsicheren Lehrkräften.

Oder ist auch der Wandel der Welt „Schuld“ daran. Dass den Schülerinnen und Schülern durch den großen Nummern der Welt vorgelebt wird, dass man mit allem irgendwie durchkommt und so auch mit dem Studium. Das neue Motto lautet also: „Irgendwie wird das schon.“ Irgendwie schaffe ich die Schule, irgendwie werde ich schon zugelassen zu einem Studium, irgendwie schaffe ich die Prüfung schon etc. Und dann sind sie erschrocken, wenn ich ihnen mitteilen, dass sie mit der aktuellen Leistung die Klausur nicht bestehen werden. Sie stammeln rum, dass die Klausur zu schwierig war. Dass die Aufgaben unmöglich waren und dass solche Sachen vorher nicht geübt wurden. Und wenn ich ihnen dann zeige, dass die Inhalte identisch zu den Übungen waren, dann geben die den Tutoren die Schuld, dass sie einem dies nicht sagten. Ich bin enttäuscht von Studierenden, die nicht einsehen, dass sie nicht geübt haben. Die nicht sehen, dass sie kein Wissen über die Inhalte erlangt haben, welche abgefragt wurden und dann auch noch ihre Seele damit erleichtern wollen, indem sie durch Schuldzuweisungen ihr mangelndes Verhalten zu kaschieren. Traurig finde ich dies. Und dann sind erneut überrascht, wenn sie in der Nachklausur erneut nicht bestehen.

Besteht also möglicherweise eine Trennung zwischen der Selbstwahrnehmung der Realität? Wie könnte man also diesen jungen Leuten helfen, dass die Selbstwahrnehmung der Realität angenähert wird? Rückmeldungen in Form von wöchentlichen Übungszetteln wären eine Möglichkeit, aber dann sind wir irgendwie wieder sehr in der Schule. Allerdings geht es ohne Übung nicht. Das Gelernte muss angewendet werden. Oder besteht einfach eine große Diskrepanz zwischen der Kompetenzorientierung in der Schule und dem wissenschaftlichen Lernen in der Universität? Ist die Lücke zu groß und bedarf einer Neuausrichtung seitens der Uni? Oder ist es nötig, dass die Studis diese Lücke selbst überwinden, damit sie daran wachsen? Oder ist dies alles einfach nur ihrer Jugend geschuldet? Fragen über Fragen, die es sicherlich irgendwie zu klären gilt.

 

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Die EU

Hm, ich muss gestehen, dass ich noch nicht so Recht weiß, wohin ich mit diesem Schriftwerk möchte.

Der Brexit liegt zurück. Es hat mich nicht so sehr überrascht, aber die Schlagzeilen und die Ereignisse in den kommenden Tagen danach, habe ich gefeiert. Als ich die Schlagzeile mit dem O-Ton „Nun wird die EU sozialer“ las, dachte ich grob daran, dass dies wohl stimmen mag. Die Briten waren stets darauf bedacht für sich die besten Stücke rauszupicken bzw. einfach ihre Extraregelung zu bekommen. Dies führte, meiner Meinung nach, zu einer zwei Klassen EU. Die Briten bekommen, was sie wollen und der Rest der EU muss sich einigen – sehr vereinfacht gesagt.

Die Abspaltung Schottlands, aber auch die Überlegung London aus Großbritannien herauszutrennen gehören da sicherlich noch zu meinen weiteren Lieblingen der Schlagzeilenwelt der vergangenen Woche.

Ich denke, dass viele Menschen die Vorteile der EU sehen. Es ist natürlich nicht einfach in einer „Demokratie“ Einigung zu finden, aber um diesen Umstand wussten die Beteiligten auch vorher. Und je mehr Menschen an so einer Entscheidung beteiligt wird, desto schwierig wird es.

Eine Sache, die ich selbst auch schon jahrelang kritisch beäugt hatte, war der Missstand in der EU, dass die Gewaltenteilung nicht konsequent durchgezogen wurde, somit dieses Gebilde nicht nach dem klassischen Prinzip der Legislativ, Exekutive und Judikative funktioniert. Diese unklare Trennung ist auf der Ebene der Legislative zu sehen, worunter der Rat der EU und das Europäische Parlament fallen. Letztes wird durch direkt Wahl besetzt – also durch die Volksvertreter. Ersteres hingegeben setzt sich aus den Regierungen der Mitgliedsstaaten zusammen, welche allerdings in ihrer eigentlichen Funktion die Exekutive übernehmen. Also macht, verabschiedet und setzt die Exekutive in der EU die Gesetze durch und ist somit gleichzeitig die Legislativ. Weitere Kritik findet ihr in diesem Artikel des Bundeszentrale für politische Bildung.

Trotz dieser mangelhaften Konstruktion der Institution EU  ist dies gar nicht mal meine Hauptkritik. Diese gründet nämlich in ganz anderen Bereichen. Der Stolz auf die Dinge, welche diese Gemeinschaft bereits geschafft hat. Seit rund 70 Jahren  gibt es Frieden in Europa (Kosovo müssen wir da wohl mal kurz ausklammern, aber dort hat die Mitwirkung der EU zu einem zügigen Ende beigetragen). Dies ist die längste Friedenszeit in der Geschichte.  Freihandel wurde in einem noch nie dagewesen Rahmen aufgebaut zwischen Ländern (hier benutze hier bewusst den Plural, da es sich nicht um bilaterale, also zwischen zwei Staaten, sondern um multilaterale Abkommen handelt, die als zwischen mehreren Staaten geschlossen wurden. Der Freihandel hat sicherlich Vor- als auch Nachteile gebracht, aber doch wird davon profitiert).

Aber es bedarf nun etwas, womit sich die Menschen assoziieren können. Es bedarf einer Ausrichtung der EU, welche die Bevölkerung mitträgt und auf dessen Umsetzung sie auch stolz sein können. Es bedarf also eines Projektes, welche alle mit einbezieht.

Ich gebe zu, dass ich dafür nur kleine Idee aufgeschnappt habe, wie zum Beispiel eine klare Abschaffung der ganzen Ausbeutung von Entwicklungsländern, besonders von Afrika und dass wir dort einen kontrollierten und geleiteten Mitaufbau leisten, so dass wir einander auf Augenhöhe begegnen und durch den dortigen Aufbau und auch wir davon profitieren können mit diesen Staaten Handel zu treiben. Wenn ein solches Projekt umgesetzt werden könnte, dann könnten die Menschen in der EU sagen, dass man dazu beigetragen hat, die Welt ein bischen besser zu machen.

Vielleicht muss der Blick aber nach innen gerichtet werden, um die EU wirklich sozialer zu machen, um sie auch wirklich fairer zu machen, so dass jeder ein Mitspracherecht hat. Eine Form der direkten Demokratie würde möglicherweise die Akzeptanz und Relevanz der EU verdeutlichen, aber ob die Bevölkerung dies annehmen möchte?

Was sicher ist, ist der Fakt, dass die EU, gerade auch, um aus dem Brexit zu lernen, eine Umstrukturierung nötig hat. Sie muss attraktiv für die Mitglieder sein und bleiben. Die Vorteile müssen die Ärgernisse überbieten und vielleicht muss auch der Grundgedanke der Friedensunion wieder deutlicher hervorgehoben werden, indem auch dieses unsägliche Verschicken von Rüstungsausstattungen unterbunden wird. Gewalt erzeugt nur noch mehr Gewalt. Und es sollte klar geregelt werden, welche Dinge an wen verkauft werden dürfen.
Friede war einst der Grundgedanke der EU, doch gerade sieht es mehr so aus, als wenn einige Länder dies vergessen hätten und nur auf ihren eigenen Vorteil aus sind. Ja, ich meine dich liebes Deutschland.

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Begegnungen01

Der Stein ist grau. Er liegt dort als hätte er nie etwas anderes getan. Aber so fein und eben. Mit dieser polierten Oberfläche. So war es nicht immer. Irendwann einmal war er schropf und unförmig. Er hatte Ecken und Ranten, wie ein Mensch. Doch nun stellt dieser Stein einen Menschen dar, der durch seine Ruppigkeit nicht mehr hier ist. Dieser Stein soll alle daran erinnern, wie perfekt dieser Mensch war. Doch das war er leider nicht.

Mein Vater liegt hier unter dieser Platte. In goldenen Lettern ist darauf sein Name zu lesen. Es wirkt noch alles so frisch, wenn da nicht die Blätter des Herbstes wären, die in bunten Farben von der Vergänglichkeit berichten. Einer Vergänglichkeit, welcher wir Menschen auch unterliegen und mit welcher wir uns immer zu auseinandersetzen müssen; sei es durch die Veränderungen um uns herum oder durch die grauen Strähnen in unseren Haaren, den Falten in unserem Gesicht, der Gebrechlichkeit der Knochen oder auch einfach der Krankheiten, welchen wir anheimfallen. Und so war es auch hier. Eine tückische Krankheit rafften diesen sowieso schon geschwächten Mann dahin.

Ich kann nicht sagen, dass ich in seinen letzten Jahren viel Zeit mit ihm verbrachte. Es war mir eher ein Graus mit ihm auskommen zu müssen. Es kam mir stets so vor, als sei da ein Fass, welches sich im Laufe der Jahre gefüllt hatte. Und zwar so sehr gefüllt, dass nur noch die Oberflächenspannung alles zusammenhilt. Die Überschwemmung stand also jeder Zeit bevor. Dies war es vermutlich, was es so unerträglich für mich machte. Dieses volle Fass auf meinen Schultern konnte ich nicht noch weiter füllen lassen, da ich sonst unter seiner Last zusammengebrochen wäre. Oder wäre die weitere Füllung des Ausweg gewesen? Wäre die Flut der Ausbruch meiner ganzen Ängste und Sorgen gewesen, welche sich wie schwarzer Samt über mein Sein gelegt hatte? Ich wäre gerne explodiert, aber der Drang alles ruhig und gesittet angehen zu lassen, hinderte mich daran oder sollte darstellen, dass ich etwas Besseres bin als dieser Mann, welcher stets erbost war, über die geringsten Kleinigkeiten. Haltlos über eine hinwegfegt, wie ein Tronado und nur die Gerippe einer Exzistenz zurück ließ.

Doch nun stehe ich wieder vor ihm und mich umfängt eine merkwürdige Mischung aus Wut und Versagen. Wut darüber, dass er sich hat so einfach aus dem Staub gemacht und Versagen, dass ich es nie schaffte, ihm die Stirn zu bieten und ihm dieses Fass über dem Kopfe auszuschütten. Sollte er doch daran ertrinken, was er mir antat und sollte er doch spüren, welche Last er mir auftat. Sollte ihn doch diese Last erdrücken und zu Boden ringen – etwas das ich nie konnte. Sollte er doch vernehmen, welche Lasten er mich hat tragen lassen und sollte er doch auch spüren, dass ich irgendwie, vielleicht nicht gut, mit dieser Last fertig wurde. Würde er auch mit diesem Schwall von Wut und Ärgernis fertig? Könnte er es auch nur für den Bruchteil einer Sekunde ertragen. Könnte er auch nur im Ansatz begreifen, welche Leiden es für mich bedeutete, all dies aufzunehmen? Ich kam mir vor wie ein Schwamm. Ein Schwamm der alles an Wut, Hass, Ungerechtigkeit, Unzulänglichkeiten und unterdrückten Sehnsüchten  und Erwartungen aufnahm und es in seinem Fass auf dem Rücken sammelte. All das schwimmt nun seit Jahren in diesem Fass herum. Was daraus geworden ist, fragst du?   Ein Monster. Eine grotekse Gestalt eines Menschen. Ein Mensch, der nicht in der Lage ist, mit anderen Menschen umzugehen, da er stets irgendwo Erwartungen vermeint wahrzunehmen, welche nie formuliert wurden. Aber er tut dies im gehorsamen Vorauseilen. Daraus soll dann resultieren, dass alles abgewogen wird. Was ist gut, was ist schelcht und was kann ich leisten? Leisten…

Leisten zu tragen und zu ertragen kann ich viel, da ich selbst meine Wünsche und Träume verstaue. Irgendwo tief in dem Fass ist auch eine kleine Kiste, vielleicht auch nur noch die Reste dieser. Dort habe ich meine Wünsche eingelagert und ich komme mir vor, wie ein Taucher, der in unbekannte Welten vordringt, auf der Suche nach etwas, was er noch nicht kennt. In freudiger Erwartung, aber auch in Furcht vor den möglichen Schrecken, die dort in der Tiefe des Fasses lauern. Daher würde ich so gerne dieses Fass nehmen und es über dieses Grab ausschütten. Es leeren, damit es mich nicht mehr belastet. Die Blätter des Herbstes, der Vergänglichkeit, wären fortgespült, denn dein Wesen Vater lebt in mir weiter. Und dies ist nicht zum Guten gemeint.

Nun gut Vater, dann will ich dir nun auf Augenhöhe begnen und dir sagen, was ich durch dich erdulden musste. Welche Qualen du mir in den Jahren bereit hast. Ich will dir sagen, dass du kein toller Vater warst. Dass du viel gemacht hast, aber nichts für mich. So fern wie wir uns waren, da hättest du auch mein Nachbar sein können. Du wusstest nichts von mir und ich von dir. Ein Fremder warst und bist du mir im Wesentlichen immer noch. Ein Fremder, der mich zwang ihn zu ertragen. Ein Fremder, dem ich nicht entkommen konnte. Ein Fremder, mit dem ich niemals eine Bekanntschaft eingegangen wäre. Ein  Fremder, vor dem ich stets flüchtete, um seiner Gegenwart nicht ausgesetzt sein zu müssen. Du warst ein Idiot, ein Arsch und zu allem Überfluss auch noch ein Süchtiger, was mir das Leben nicht erleichtert hat. Wenn man weiß, dass dieser Vater, dieses Vorbild, regelmäßig besoffen ist und es zu diesen Zeiten im Haus drunter und drüber geht, als sei ein Wirbelwind höchstpersönlich vorbeigekommen, sorgt dies nicht gerade für eine angenehmen Atmosphäre. Aber du wolltest das Alles nicht erkennen. Du wolltest nicht wahrhaben, dass du flüchtest vor der Realität, in welcher es Menschen um dich herum nicht gut geht und dies nicht, wegen der Situation, sondern wegen dir! Stattdessen bist du davor geflüchtet und durch diese Flucht hast du das Feuer angefacht, welches das Wasser in meinem Fass noch zusätzlich zum Brodeln brachte. Doch leider konnte ich es damals nicht als Antreib nutzen, um dir die Fresse zu polieren. Stattdessen liegt hier nun nur noch diese hübsche Platte, welche die einzigen Überreste von dir markieren. Zertrümmern würde ich es gerne, doch da kommt dann wieder der Drang durch ordentlich zu sein. Etwas das du nicht zeigtest. Denn ordentlich und fair hast du dich nicht verhaltet. Aber nun kannst du nicht mehr anders als ein Häufchen Staub zu sein. Wenn ich also dieses Fass über dich ausschütte, würden sich deine sterblichen Überreste in dieser Menge aus Flüssigkeit auflösen, so dass nichts sichtbares mehr von dir bleibt, so viel trage ich deinetwegen mit mir rum! Aber reichen würde es leider nicht, die Erinnerungen an dich zu tilgen und meine Wünsche in dem Fass zu finden. Denn diese fühle sich im Laufe der Jahre so fremd an. So als wären sie nicht meines. Ich habe versucht die Wünsche anderer um mich herum zu lesen und zu erfüllen, dass ich ganz vergessen habe, wie sich die eigenen anfühlen. Ich habe alles an Gefühlen, Ängsten, Wünschen, Erwartungen und Träumen verstaut und hinten ran gestellt, um zu zeigen, wie ein erwachsener Mensch oder auch Mann in meiner Vorstellung eigentlich agieren sollte. Ich woltle dir ein Spiegel vorhalten, welchen du stets wieder zugehängt hast mit dem schwarzen Samt und ich mich nicht gesehen vorkam. So als wäre ich in diesem zugehängten Spiegel gefangen, fühlte ich mich machtlos und unfrei. Unmöglich aus diesem Rahmen auszubrechen, den ich mir dummerweise selbst gab, um dir ein Vorbild zu sein. Doch du blicktest nur auf mich hinab, falls du mich überhaupt mal sahst.

Ich sehe nun vieles anders und vielleicht auch klarer. Ich sehe auch, dass ich mich selbst durch dein Verhalten in eine Position gebracht habe, die nicht gut für mich ist. Aber dies wirst du alles nie verstehen und hättest du damals auch nicht verstanden, dafür war dein Verstand nicht ausgelegt. Denn für dich gab es nur dich und deine Sorgen, welche du nicht nach Außen dringen lassen wolltest. So ein Blödsinn. Sie schlugen Wellen, aber niemand tat etwas und so kam ich dem Untergang immer näher. Das hast du echt toll gemacht Vater! Ich hoffe, dass du einen Teil dieser Dinge bereutest und nur zum Stolz warst, sie anzusprechen. Dein dummer Stolz, welcher dich hat stellenweise so erbrärmlich wirken lassen.

Du siehst oder auch nicht, dass es da viele Dinge gibt, welche das Sein mit dir unerträglich machten und mich stets nach Luft schnappen ließen, welches du mich nicht gabst. Lieber hast du noch etwas Wasser nachgegossen und meinen Kopf in dieses Fass der Unerträglichkeit gedrückt.

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Alternativlos

Das unsere Politik lange Zeit unter dem Denkmantel der Alternativlosigkeit jedes Thema sofort im Keim erschlagen ist, ist meines Erachtens die größte Sünde, derer sie sich schuldig machen konnte. Denn durch dieses Wegfallen der Alternativen und jeden Gegenwind als unzulässig abzustempeln ist es dazu gekommen, dass keine Politik mehr stattfand – zumindest nach meine Poltikverständnis.

Für mich hat Politik etwas mit streiten zu tun und sich mit Gedanken und Meinung auseinanderzusetzen und dann eine „Lösung“ zu entwickeln, welche unter den gegebenen Umstände die zunächst bestmögliche ist.

Weil diese Diskussionsfreudig verloren ging und alle um den Konsens „der Mitte“ gebuhlt haben, ohne sich um das wirkliche Vorankommen des Staates und der Gesellschaft zu bemühen, bin ich durchaus froh darüber, dass die Alternative für Deutschland (AfD)  auf den Plan getreten ist. Sie hat den politischen Diskurs wieder angeregt und darüber bin ich froh. Ich erfreue mich der Debatten und Streitigkeit, die nun wieder auf den Plan treten. Der Austausch und Diskurs wurde wieder angeregt und man hat wieder einen neuen Lieblingsfeind, den es zu Bekämpfen gilt. Der Rest der Politik tut sich lieb zusammen und zeigt Einigkeit/Konsens und man ist einfach mal pauschal gegen die AfD.

Ups, also doch keine Veränderung? Doch ein wenig, aber mehr wäre schöner. Nun wird zumindest zwischen den alten Parteien, welche wirklich ein Problem mit ihrer „Poltik“ haben, und der AfD gestritten. Zumindest findet dort so etwas wie Politik statt. Ob man dies gutheißen will/kann oder nicht, sie an dieser Stelle mal dahingestellt.

Die alten Parteien haben leider das Problem, dass sie träge und wahrlich alt sind; mit rund der hälfte der Abgeordneten die über 50 sind, kann man das Parlament nicht als jung bezeichnen (siehe Bundestag). Kommt daher eine gewisse Mentalität am Status Quo festzuhalten und so sicher wie möglich am Machterhalt zu hängen, wie das Baby an der Brust seiner Mutter? Dies mag ein Problem sein, aber das einzige ist es vermutlich nicht.

Aber auch die AfD hat in meinen Augen große Nachteile – mal ganz abgesehen von ihrer rechten (konservativen)/rechtspopulistischen Ausirchtung. Allein der Fakt, dass die überaus beliebte Frauke Petry mit mehr Falschaussagen auftrumpht als meine Schülerinnen und Schüler bei der letzten Politik-Klausur (siehe Welt), zeigt sehr deutlich, dass auch dieser Partei nur mir argwohn und der Notwendigkeit des kritischen Denkens entgegenzutreten ist.

Interessant ist für mich zu merken, dass ich beim Verfassen dieses Textes, das Bedürfnis habe, zu schreiben, dass ich die AfD gefährlich und, vermutlich auch auf Grund des Verhaltens einige seiner Spitzenpolitiker, abstoßend finde, mich also klar von ihr distanzieren möchte. Ist dies die Befürchtung in das rechte Lager zugeordnet zu werden? Oder einfach die jahrzentelange Indoktrinierung, dass man nicht auf dieser Seite des Parteienspektrum zu lange verweilen sollte, da man sonst als Anhänger alter Zeiten abgestempelt wird. Alte Zeiten, welche im Übringen auch durch eine lahmende Parteienlandschaft zustande kam. Man sollte sich der Parallelen bewusst sein, damit man versteht, was dieser Tage in der schönen aber politisch desaströsen Bundesrepublik vor sich geht.

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